Hermann Dannecker vor seinem Haus: Er berät Menschen seit Jahrzehnten zum Thema Energieeffizienz und Sanierung. Foto: Lea Irion

Angesichts unberechenbarer Preise für Öl und Strom plagt viele das Gefühl der Ohnmacht. Welche einfachen Schritte spürbare Entlastung bringen.

Ich kann die Ängste der Leute verstehen“, sagt Hermann Dannecker. Er sitzt am Esstisch seines Hauses und breitet Flyer, Bücher und Broschüren aus. Dannecker will nichts verkaufen, das betont er immer wieder. Er will Wissen weitergeben. Wissen darüber, wie sich die Leute unabhängiger machen. Unabhängig von den Krisen dieser Welt. Vor allem von der Energiekrise.

 

Dannecker arbeitet seit Jahrzehnten als Architekt und Energieberater, gibt Seminare und hält Vorträge. Vor langer Zeit habe er mal berechnet, was es bringen würde, wenn deutschlandweit die Fenster aller Wohngebäude ausgetauscht würden. „Zwei Kraftwerke pro Jahr“, sagt Dannecker, seien das Ergebnis gewesen. Diese Wattstunden könnte man einsparen, wenn die Deutschen ihre Fenster gegen mehrfach verglaste austauschten.

„Man wird im Stich gelassen“

Seine Expertise ist so relevant wie nie. Kaum etwas schmerzte in den vergangenen Wochen so sehr wie der Blick in Richtung der Tankpreise. Die einst staatlich versprochenen 17 Cent schlugen sich nicht auf den Preistafeln nieder. Und auch das Heizöl hat einen empfindlichen Punkt erreicht.

Die Bürgerinnen und Bürger plagt die Ohnmacht. „Man wird im Stich gelassen“, konstatiert Dannecker. Für umso wichtiger hält er es, sich von externer Energie unabhängiger zu machen. Natürlich könnten sich die wenigsten Menschen eine energetische Kernsanierung für eine Viertelmillion Euro leisten. „Aber es fängt im Kleinen an.“

Ein Balkonkraftwerk, ein paar Solarpanels, eine staatlich geförderte Wärmepumpe – Maßnahmen gibt es viele, um ein etwas älteres Haus umzurüsten. Eine Steckersolaranlage für den Balkon etwa bringt genug Leistung, um Kühlschrank, WLAN-Router und andere Geräte im Haushalt zu versorgen. Ein kleiner dreistelliger Betrag wäre damit jedes Jahr eingespart.

Auch PV-Anlagen werden 2026 noch immer gefördert. Es fällt keine Mehrwertsteuer an, der Strom ließe sich ins Netz einspeisen. Förderkredite erleichtern die Anschaffung. Wer eine Anlage plant, sollte sich inzwischen aber genauer informieren. Die Einspeisevergütung für neu gebaute Anlagen soll in den kommenden Jahren schrittweise entfallen.

Hermann Dannecker betreibt seine Anlage seit 2005. Eine Treppe führt in den Keller. Dort, wo inzwischen kleine Eisenbahnschienen und bunte Spielfiguren der Enkelkinder den Durchgang erschweren, finden sich gleich zwei Beispiele für energetische Unabhängigkeit. Zur rechten zeigt Dannecker die Speicher der PV-Anlage. Auf der linken Kellerseite steht der Boiler für die hauseigene Wärmepumpe. Dort, wo einst der große Öltank war, ist viel Platz freigeworden. „Meine Frau nutzt ihn jetzt als Nähraum.“

Mehr Grün statt Grau

Doch diese Umstellungen gehen ins Geld. „Vieles wird vom Staat gefördert“, ergänzt Dannecker. Nicht alles, und nicht zu 100 Prozent. Und auch nicht alle Maßnahmen sind für alle Lebensentwürfe geeignet. Mehrparteienhäuser etwa, die weit vor der Jahrtausendwende gebaut wurden und seither mit Öl heizen, lassen sich zwar in der Theorie auf hybride Systeme mit Wärmepumpen umstellen. Das ist allerdings teuer und technisch herausfordernd. Für diese Fälle eigne sich dann eine individuelle Energieberatung, sagt Dannecker. „Damit Budget und Wohnsituation berücksichtigt werden können.“

Einen Unterschied machen auch Pflanzen. Flachdächer ließen sich meist problemlos begrünen, erläutert der Schömberger Architekt. Ein Hochbeet mit Kräutern und Gemüse lieferte obendrauf ein Gefühl der Unabhängigkeit. „Das Mikroklima im eigenen Zuhause wird oft unterschätzt“, sagt Dannecker. In Städten etwa steckt in dieser Hinsicht viel Potenzial. Würde dort mehr Grün statt Grau priorisiert, wären die immer heißer werdenden Sommer erträglicher. „Wir sprechen von einem Unterschied von bis zu 4 Grad“, betont Dannecker.

Wer einen kleinen drei- bis vierstelligen Betrag zur Hand hat, kann sich Gedanken über eine Kellerdeckendämmung machen. Sie minimiert die Wärmeverluste über den Boden im Erdgeschoss, was wiederum Heizkosten spart. Dasselbe gilt für Häuser mit Dachboden. Wenn dieser nicht begehbar sein muss, reicht eine offene Dämmung der Geschossdecke, also das bloße Auslegen von Dämmmaterial.

Dannecker sagt, es müsste mehr aufgeklärt werden. Darüber, welche Möglichkeiten es für Eigentümerinnen und Eigentümer gibt. Damit die Benzin- und Ölpreise vielleicht nicht mehr allzu schockieren, weil die Menschen wissen, dass sie an anderer Stelle sparen können. Dass sie die Dinge selbst in die Hand nehmen können. Dass diese Ohnmacht kein Gefühl von Dauer sein muss.