Glückliche Organisatoren – von links: Doris Burgmann, Petra Graf, Achim Wicker und Michael Weimer – dankten den Helferinnen am letzten Tag der ökumenischen Vesperkirche Ebingen mit Rosen und den Gästen für ihren zahlreichen Besuch an zehn Tagen. Foto: Karina Eyrich

Nach zehn erfolgreichen Tagen ist die zweite ökumenische Vesperkirche im Marienheim zu Ende gegangen, in der sich weit mehr als 1000 Gäste an Körper, Geist und Seele gelabt haben, denn die wichtigste Beilage der leckeren Portionen war das Miteinander.

Überrascht – und zwar positiv – sind die Organisatoren der ökumenischen Vesperkirche 2024, die am Dienstag im Marienheim zu Ende gegangen ist. Mit einer Rekordzahl von Besuchern, wie Diakon Michael Weimer feststellte. Ob’s an den fantastischen Maultaschen und dem schlotzigen Kartoffelsalat lag? Oder daran, dass alle ein letztes Mal die Chance nutzen wollten, das Motto mit Leben zu erfüllen? „Miteinander essen, reden, leben“ – diese Losung sei voll aufgegangen, freut sich Achim Wicker, Dekanatsreferent des katholischen Dekanats Balingen und zusammen mit Petra Graf, der gewählten Vorsitzenden des Kirchengemeinderats von St. Josef Ideengeber.

 

Ein Querschnitt der Gesellschaft sitzt am Tisch

„Hier trifft sich wirklich ein Querschnitt der Gesellschaft – das war auch beim Konzertabend mit Tobias Conzelmann so“, sagt Wicker, und Graf fügt hinzu: „Es waren deutlich mehr Gäste als im vergangenen Jahr bei der Premiere, und viele, die jeden Tag gekommen sind.“

Michael Weimer hat genaue Zahlen: „130 Gäste waren es am ersten Sonntag, und dann täglich 130 bis 140. Das heute ist der absolute Rekord“, sagt er lachend. Tatsächlich wechselten die Gäste auf den 90 Plätzen mehrfach durch. Trotzdem hat das Essen am Dienstag gereicht – besonders zur Freude von Doris Burgmann vom Gemeinderat der evangelischen Kirchengemeinde Ebingen, die jeden Tag im Einsatz war, aber kein einziges Mal mitessen konnte, weil so viele Gäste da waren. Dennoch freut sie sich über den großen Zuspruch: „In der Vesperkirche waren viele, die ich kenne, und ebenso viele, die ich noch nie gesehen habe“, sagt sie mit Blick auf den Mix an Gästen verschiedenster Konfessionen, Religionen, Kulturen – und aller Altersgruppen. „Auch Menschen aus der Ukraine waren da.“ Neben Gästen mit schmalem Budget hätten auch manche gesessen, die sich ein teures Essen im Restaurant hätten leisten können, „und viele von ihnen haben sehr großzügig gespendet“. Was Burgmann aber auch beobachtet hat: „Jeder wirft seinen Obolus rein, und wenn es nur 50 Cent sind“, berichtet die Kirchengemeinderätin. „Für manche ist das viel Geld und für manche sind 50 Euro wenig – jeder gibt, was er kann.“

Die Ökumene lebt: Die evangelische Pfarrerin Ilze Druvina, der katholische Pfarrer Uwe Stier und sein Dekan Augusty Kollamkunnel genossen das Miteinander – so wie alle anderen Gäste auch. Foto: Eyrich

Für die Organisatoren von der katholischen und der evangelischen Kirchengemeinde gehört auch dieser Aspekt des Teilens zum Sinn der Vesperkirche und zu ihrem Motto. Zumal die Sponsoren großzügig waren – allen voran die Firma Mey aus Lautlingen, die an Wochentagen das Essen geliefert hat, während an Wochenenden der Verein Mariaberg die Gaumenfreuden lieferte.

Die Oberbürgermeisters als Dienstleister

In die täglich 15 bis 20 Helferinnen und Helfer, die Essen ausgaben und alle Gäste am Tisch bedienten, reihten sich am zweiten Sonntag auch Oberbürgermeister Roland Tralmer und seine Frau Kristina Gabler ein – sie hatten schon bei der Premiere 2023 serviert und wollten zeigen, dass sie nicht nur im damaligen OB-Wahlkampf, sondern auch nach dem Wahlsieg Dienstleister für die Albstädter sind. Ob der Spruch auf Tralmers Schürze – „Mir reicht’s, ich geh’ beten!“ – stimmt? Offenbar nicht.

Aufgefüllt hatten die Helferschar Schüler des Gymnasiums Ebingen, Azubi der Stadtverwaltung und Mitglieder des Vereins „Schatten“, was Petra Graf besonders freut.

„Räumlich kommen wir an die Grenzen“

Nach zehn Tagen dürfen sich alle Organisatoren über ihren Erfolg freuen – und tun es auch: „Es war schon anstrengend, aber ich bin echt begeistert, wie viele hier toll zusammengearbeitet haben und dass sich die Besucherzahl täglich gesteigert hat“, sagt Doris Burgmann. „Allerdings kommen wir langsam räumlich an unsere Grenzen.“

Volles Haus an allen zehn Tagen. Besonders zum Abschluss am Dienstag platzte das Marienheim aus allen Nähten und an den Tischen wechselten die Gäste mehrfach durch. Foto: Eyrich

Die Martinskirche, in der mehr Platz gewesen wäre, komme der kleinen Küche wegen nicht in Frage, und auch Achim Wicker überlegt bereits, welche Ausweichmöglichkeiten geeignet wären. Er, Petra Graf, Doris Burgmann und Michael Weimer dankten am Dienstag jedenfalls allen Helfern mit einer Rose – und Diakon Lukas Bender von der evangelischen Kirchengemeinde dem unsichtbaren Helfer im Hintergrund, der auf die Vesperkirche 2024 seinen Segen gelegt hatte.