Sophia Franke sagt im Kreistag, wie der Landschaftserhaltungsverband die Natur im Landkreis ein Stück besser macht. Foto: Juergen Lueck

Wie der Landschaftserhaltungsverband die Natur im Landkreis Freudenstadt ein Stück besser macht. Geschäftsführerin Sophia Franke: „Ohne Menschen, die mitmachen, geht es nicht.“

Klimawandel, Artenschwund und die Natur. Im Kreistag sagt Sophia Franke, Geschäftsführerin des Landschaftserhaltungsverbands (LEV), wie sie den Landkreis ökologischer macht.

 

Franke: „Wir verstehen uns als Brückenbauer zwischen Mensch und Natur. Das die Landschaft bei uns so schön und artenreich bleibt, geht nur durch Menschen, die draußen aktiv sind.“

Wie der LEV arbeitet, beschreibt Joana Czermin: „Im Christophstal gibt es unterhalb der Bebauung Schillerstraße einen steilen Hang auf sechs Hektar. Der ist von niemand zu nutzen – wir haben die Eigentümer gefragt, ob wir dort tätig werden können. Alle haben zugestimmt und ziehen an einem Strang.“

Schafe und Ziegen weiden

Seit 2023 ist der LEV dabei, aus dem zugewucherten Hang im Christophstal wieder eine Magerwiese zu machen. Über drei Winter wurden die Trockenmauern freigelegt, Gehölz mit eine Spezialhubschrauber entfernt. In diesem Jahr durften zum ersten Mal auf der ganzen Fläche Schafe und Ziegen weiden. Ziegen, um die Stockausschläge der gerodeten Gehölze weg zu knabbern, Schafe für Blüten und Gräser. Profis, aber auch Ehrenamtliche halfen dabei. Czermin: „Sogar eine Schulklasse hat mit angepackt.“ Dazu wurden noch die Bäume von ungepflegten Streuobstwiesen im Areal beschnitten.

Das Ergebnis, so Czermin: „Der Wendehals – der solche Strukturen liebt, ist schon wiedergekommen. Wir hoffen, dass hier jetzt bald wieder Thymian, Oregano, Glockenblumen oder die schwarze Teufelskralle wächst. Der Dung der Beweidung ist gut für Insekten, so dass wir hoffen, dass sich auf den freigelegten Trockenmauern wieder Kreuzottern und Feuerfalter ansiedeln.“

Landwirte sollen nicht verlieren

Und damit ist wieder ein Stück Natur geschaffen – die auch für den Biotopverbund benötigt wird. Ein Programm des Landes. Biotop-(Naturinseln) sollen dafür sorgen, dass bedrohte Arten engmaschiger Heimat finden. Der LEV (besetzt mit Kommunen, Landwirtschaft, Naturschutz) soll dafür sorgen, dass die Landwirte nicht die Verlierer sind.

LEV-Geschäftsführerin Franke: „Wir haben einmal viele Potenziale ermitteln, wo es keine Nutzungs-Probleme mit den Landwirten gibt. Dazu haben wir Flächen, die dem Land gehören. Bei den bisherigen Projekten im Westkreis sind es hauptsächlich private Wiesenbesitzer, im Ostkreis arbeiten wir hauptsächlich mit Landwirten zusammen.“

Das geht aber nicht immer ohne Konflikt mit landwirtschaftlicher Nutzung. Franke: „Wir legen viel Wert auf einvernehmliche Lösungen. Wir sind auf die Landwirte angewiesen.“

Es gibt auch Fälle, wo beides gut zusammenpasst. Beispielsweise beim Steinriegel-Verbund in Horb-Altheim. Das heißt: Der LEV legt die Steinhaufen am Rande der Äcker frei, pflegt das Gehölz drum herum.

Der Landwirt spart sich die Arbeit, Eidechsen und andere seltene Arten findet eine neue Heimat. Für Altgrasstreifen am Ackerrand oder Wildkräuter auf dem Acker bekommt der Landwirt Fördergelder.

LEV kostet den Kreis fast nichts

Den Landkreis kostet der LEV kaum einen Cent. Das Geld für die Zuschüsse und die Naturpflegemaßnahmen (2024 gut 600 000 Euro) kommt vom Land. Die sechs Beschäftigten des LEV werden hauptsächlich vom Regierungspräsidium bezahlt und von den beteiligten Kommunen. Die Sachmittel bezahlt der Landkreis.