In Tübingen gibt es ein Modellprojekt zu mehr Öffnungsschritten in Corona-Zeiten. (Archivbild) Foto: dpa/Tom Weller

Seit einer Woche läuft in Tübingen ein Schnelltest-Modell. Die Stadt will damit ausprobieren, wie den Menschen in der Corona-Pandemie mehr Freiheiten gegeben werden kann. Jetzt kam es zu einer Panne. Dennoch ist die Stadt zuversichtlich.

Tübingen - Trotz der jüngsten Fehler bei der Abnahme von Corona-Schnelltests gibt die Stadt Tübingen grünes Licht für eine Fortsetzung ihres bundesweit vielbeachteten Modellprojekts. Es gelte noch viele Probleme zu lösen, heißt es nach Angaben der Stadt von Montag in einem ersten Zwischenbericht von Oberbürgermeister Boris Palmer (Grüne), der Pandemiebeauftragten Lisa Federle und dem Infektiologen Peter Kremsner an das Sozialministerium. Das Zwischenfazit des Projekts „Öffnen mit Sicherheit“ sei dennoch positiv und es werde empfohlen, das Test-Modell weiterzuführen. Die Projektphase soll bis zum 4. April gehen.

In der Universitätsstadt läuft seit etwa einer Woche ein Modellprojekt zu mehr Öffnungsschritten in Corona-Zeiten. An neun Teststationen können die Menschen kostenlose Tests machen, das Ergebnis wird bescheinigt. Damit kann man in Läden, zum Friseur oder auch in Theater und Museen.

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„Nach hiesiger Einschätzung liegen weiterhin gute Voraussetzungen vor, um das Modellvorhaben fortzusetzen“, sagte Kremsner, der es als Direktor des Instituts für Tropenmedizin an der Uniklinik Tübingen wissenschaftlich begleitet. Das Modell gilt als Versuchsballon: Von der grün-schwarzen Landesregierung noch vor der Landtagswahl am 14. März abgesegnet, könnte es weitreichende Folgen für die künftigen Öffnungsstrategien haben.

Getestete waren möglicherweise nicht positiv

Im Laufe der vergangenen Woche wurden nach Angaben der Stadt an den Teststationen des Deutschen Roten Kreuzes und privater Partner 29 473 Tests durchgeführt, 75 davon waren positiv - viele davon allerdings nur zunächst. Es habe sich gezeigt, dass einige Stationen im Freien eine relativ hohe Zahl an Menschen in Quarantäne geschickt hätten, obwohl sie möglicherweise gar nicht positiv waren, teilte die Stadt mit. Die niedrigen Außentemperaturen hätten die Zuverlässigkeit der Tests beeinflusst. Die Stadt gehe von lediglich knapp 30 Infektionsfällen aus, die sich im PCR-Test schließlich auch bestätigen würden.

„Wir haben bewusst auf Perfektion verzichtet, um rasch starten zu können“, sagte OB Palmer. „Es war klar, dass deswegen immer wieder Probleme auftreten werden.“ Die Stadt versuche, Schwierigkeiten so schnell wie möglich zu lösen. Das gelte auch für zwei Teststationen eines privaten Anbieters, die am Montag wegen Personalmangels geschlossen bleiben mussten.

Unter 1000 getesteten Menschen werde damit ein Infizierter entdeckt, zeigte sich Federle dennoch überzeugt. „Es zeigt sich wieder, dass man mit präventiven Tests die Menschen findet, die andere anstecken, ohne es selbst zu wissen.“ Die Ausbreitung des Virus werde durch das Modellprojekt erheblich gebremst.

Niedrige Temperaturen ursächlich

Grund für die Fehler an mindestens zwei Schnelltest-Ständen waren nach Angaben der Kern Medical GmbH (KME) die niedrigen Temperaturen sowohl beim eigentlichen Test als auch bei dessen Auswertung. Laut dem Hersteller Abbott hätten die Test-Kits bei Zimmertemperaturen zwischen 15 und 20 Grad verwendet und ausgewertet werden müssen. „Wir gestalten unsere Teststationen gerade um, damit die korrekte Temperatur zur Auswertung der Tests gewährleistet ist“ sagte KME-Gesundheitsmanager Florian Vek.

Ins Rollen gebracht hatte den Fall der Tübinger Unternehmer Martin Konold, dem am Samstag in der Innenstadt die Schnelltestkits bei einer Außentemperatur von vier Grad auf einer Bank liegend aufgefallen waren. Er hatte seine Beobachtung mit einem Tweet öffentlich gemacht. Zudem habe er den Vorfall an die Notärztin Federle weitergegeben, die auch Präsidentin des DRK-Kreisverbands Tübingen ist.

Bisher können auch Bewohnerinnen und Bewohner aus anderen Bundesländern nach Tübingen kommen und sich sozusagen freitesten. OB Palmer kündigte aber an, das Test-Modell gegebenenfalls auf die Menschen im Landkreis einzuschränken. „Das heißt, wir würden dann die Tests den auswärtigen Gästen nicht mehr zur Verfügung stellen, damit würden sie auch nicht an die Voraussetzungen kommen, um unsere Angebote zu nutzen“, erklärte Palmer dem Deutschlandfunk am Montag.

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