Laufener Bildungscampus hat ein neues Glanzstück bekommen. Platz für 77 Kinder. Hoher Umweltstandard.
Bis zu 77 Kinder und sieben Erzieherinnen haben Grund zur Freude – bei den meisten ist es freilich noch Vorfreude: Die Kindertagesstätte Laufen ist jetzt offiziell eröffnet. Und die wenigen Gäste staunten Bauklötze. Warum? Das lesen Sie in unserem (SB+)Artikel.
Albstadt-Laufen - "Mit einem lachenden und einem weinenden Auge" hat Oberbürgermeister Klaus Konzelmann am Montag den symbolischen Schlüssel – das Hefegebäck hielt der Schwerkraft gerade so Stand – vom Architekten Steffen Glöckler entgegen genommen für die Kindertagesstätte Laufen, die nun offiziell eröffnet ist. Warum lachend? Die coronabedingt wenigen Gäste mussten sich, um das zu erkennen, nur umschauen in der neuesten und vielleicht schönsten Kita auf Albstädter Boden. Warum weinend? Zurzeit kommen nur 13 Kinder dank der Notbetreuung in den Genuss der Räume, bei deren Planung dem Ehinger Architekturbüro "glöckler | frei Architektur.Freiraum" nicht weniger als die Quadratur des Kreises gelungen ist angesicht der Möglichkeiten, die das Hanggrundstück bietet. Dass die Firma "Müllerblaustein Holz-Bau-Werke" aus Blaustein zudem im Zeitplan – Baubeginn war im Oktober 2019 – und im Kostenrahmen von 5,1 Millionen Euro geblieben ist, kommt angesichts der coronabedingt erschwerten Bedingungen in der Rubrik "bemerkenswert" noch hinzu.
Geschuldet war das laut Michael Gölz von Müllerblaustein auch der guten Zusammenarbeit mit dem Amt für Bauen und Service und seinem Leiter Bernd-Michael Abt sowie dem Baudezernat insgesamt mit dem Ersten Bürgermeister Udo Hollauer an der Spitze und dem für Kitas zuständigen Dezernat zwei mit Bürgermeister Steve Mall. Glöckler, der die allererste Skizze für das Gebäude gerahmt an Kita-Leiterin Isabel Heller überreichte, staunte selbst, wie gut der Generalübernehmer alles umgesetzt hat, wofür der Architekt dem Team von Müllerblaustein um Projektleiter Markus Mayer, Natalie Schmutz und Michael Gölz, Leiter für Schlüsselfertigbau, dankte. Letzterer hatte ebenfalls ein Geschenk dabei: Ein Schaukelpferd aus der Lehrwerkstatt des Unternehmens.
Pfarrer Thilo Hess hatte sein Grußwort online gestellt, geht er darin doch auf 50 Jahre evangelischer Kindergarten unter der Schalksburg ein, die nun enden (siehe Info). Für die neue Kita bat Hess um den Segen Gottes und gratulierte Ortsvorsteher Peter Landenberger und allen Stadt- und Ortschaftsräten aus Laufen, die "wie die Löwen" gekämpft hätten für das Gebäude, das gleichsam für eine blühende Zukunft des Stadtteils stehe.
Isabel Heller freute sich über den Start, wenn auch vorerst noch mit Notbetreuung, in dem "ganz tollen Haus". Und das kann sich in der Tat sehen lassen: Auf 970 Quadratmetern Grundfläche sind 1240 Quadratmeter Nutzfläche in 6410 Kubikmetern umbautem Raum entstanden. 1877 Quadratmeter Freifläche inklusive begrüntem Dachgarten mit Türmchen rund um die Oberlichter – zur Beschattung – und einer Bobbycar-Rennbahn sind so arrangiert, dass von allen 4,5 Gruppenräumen Zugänge ins Freie führen.
Eine Gastro-Küche und eine Pädagogische Küche mit kindgerecht niedrigen Arbeitsflächen bieten Möglichkeiten, die Mensa so zu versorgen, dass die Kinder beim Kochen helfen und dabei etwas lernen können. Im Bewegungsraum dürfen sie sich sportlich, im Mal-Werken-Raum kreativ austoben. Hinzu kommen Sanitärräume für Kinder und Personal, Lager-, Putz- und Hauswirtschaftsräume, Büros und ein Elternraum, etwa für Eltern, die ihr Kind am Anfang begleiten. Ein Aufzug, ein Behinderten-WC und eine Außenrampe machen das Gebäude barrierefrei.
Bernd-Michael Abt hob außerdem die energetischen Besonderheiten hervor, entspricht das Haus doch einem KfW-55-Standard: Eine Photovoltaik-Anlage auf dem Dach liefert spitze bis zu 45 Kilowatt, die kontrollierte Be- und Entlüftung garantiert Wärmerückgewinnung. Ein Nahwärmenetz versorgt Kita, Schule, Turn- und Festhalle sowie das Sportheim des TSV zentral von einer Heizung, und das Regenwasser wird in die Eyach geleitet. LED-Beleuchtung spart Strom und die Fenster – in vielen Räumen bodentief mit traumhafter Aussicht auf Laufen und die Eisenbahn – sind dreifach verglast. Für Beschattung außen sorgen bei Hitze Außen-Jalousien.
Grußwort der Kirchengemeinde:
Laut Isabel Heller arbeiten sich die Kinder in ihrer Kita-Karriere buchstäblich hoch: Im Erdgeschoss werden Kinder unter drei Jahren betreut, oben die älteren. Ortsvorsteher Peter Landenberger berichtete von Gesprächen zwischen Isabel Heller und Katja Ortwein, Leiterin der Grundschule Lautlingen mit Außenstelle in Laufen, über Kooperationen, die den Kita-Kindern auch den Übergang in die Schule erleichtern sollen. Die Nähe zum TSV biete auch mit dem Verein Kooperationsmöglichkeiten, und um auch optisch einen Bildungscampus herzustellen, soll die Schule außen noch passend zur Kita gestrichen werden, so Landenberger.
Wann es nun endlich los geht für alle Kinder – bis zu 77 haben Platz, sieben Erzieherinnen kümmern sich um sie – hängt nun noch von der Landesregierung und der Corona-Verordnung ab. Die Kita jedenfalls ist – bis auf die Außenanlagen – fertig und der Wunsch des Oberbürgermeisters dürfte sich dort erfüllen: "Dass alle, die hier ein- und ausgehen, jeden Tag Freude daran haben."
Mit dem Neubau der Kita Laufen geht die Trägerschaft der Bildungseinrichtung im westlichsten Albstädter Stadtteil von der evangelischen Kirchengemeinde Laufen auf die Stadt Albstadt über. Pfarrer Thilo Hess erinnert in seinem Grußwort an die Anfänge nach dem Zweiten Weltkrieg, als die Kinder im Pfarrhaus, dann in einer Baracke hinter der Kirche betreut wurden, bis 1970 der evangelische Kindergarten in der Gallusstraße errichtet wurde. Hess dankte allen, die diesen in 50 Jahren mental wie finanziell unterstützt hätten, und betonte: "Für die Kirchengemeinde war der Kindergarten ein großes Stück Identität. "Wir hatten Glück mit unserem Kindergartenteam", freute sich der Seelsorger und dankte den Erzieherinnen, weit mehr als nur Selbstverständliches geleistet hätten. Die Bitten für den Neubau und alle seine Nutzer ließ Hess in Form von Ballons aufsteigen, wünschte allen einen "guten, gelingenden und harmonischen Start" und dass sich alle bald heimisch fühlen mögen.