Bundeskanzler Friedrich Merz nahm sich beim Deutschlandtag der Jungen Union in Rust auch einmal Zeit für ein Foto. Foto: Köhler

Der Bundeskanzler war am Samstag beim Deutschlandtag der Jungen Union im Europa-Park zu Besuch. Die Öffentlichkeit bekam davon nur wenig mit.

Es war der erste Besuch von Kanzler Friedrich Merz in der Ortenau seit Amtsantritt – und natürlich auch im Europa-Park. Eine Vergnügungsreise sollte es jedoch nicht werden. Wer glaubte, dass der Regierungschef zum Achterbahn fahren gekommen sei, lag gehörig daneben.

 

Merz beschränkte sich auf einen nichtöffentlichen Austausch im Rahmen des Demokratie-Workshops zu Ehren Wolfgang Schäubles – und seinen Auftritt beim Deutschlandtag der Jungen Union.

Auch das war kein Zuckerschlecken, denn der CDU-Nachwuchs hatte den Kanzler zuvor für das geplante – und in den Augen der Jungen Union zu teure – Rentenpaket scharf kritisiert und wollte ihn in Rust nun zur Rede stellen.

Kanzler hatte rund 40 Minuten Verspätung

Der Ablauf: 10.30 Uhr, 10.40 Uhr, am Ende 11.10 Uhr: Die Rede des Kanzlers verschob sich immer weiter nach hinten. Je näher der Termin rückte, desto mehr Spannung kam auf. Im Europa-Park-Dome herrschte Rätselraten: Wann kommt der Kanzler? Und: Zeigt er sich vor dem Europa-Park-Eingang doch noch öffentlich? Gegen 11 Uhr gab es die Antwort: Nein.

Rund zehn Polizeibeamte sorgten vor Ort für Sicherheit. Foto: Köhler

Aus den Katakomben des Parks, wo der 70-Jährige noch an einem Symposium zu Ehren Wolfgang Schäubles teilnahm, ging es für Merz, die Familie Mack und einige ausgewählte Begleiter, zwar nach draußen, aber in einen abgesperrten Bereich, wo Parkbesucher mit guten Augen vielleicht einen Blick auf Merz erhaschen konnten. Den Dome betrat er dann jedoch über einen Seiteneingang. Immerhin: Einige Mitglieder der Jungen Union nutzten die Chance, ihren Parteichef ganz aus der Nähe zu sehen. Bei seinem Weg in Richtung Sitzungssaal wagte eine junge Frau, ihn nach einem Bild zu fragen. Merz nahm sich die Zeit und lächelte in die Handykamera.

Beim Thema Rente blieb der Applaus aus

Die Rede: Bei den Organisatoren des Deutschlandtags herrschte offenbar Sorge vor einem Eklat. Im Dome wurde am Samstag kein Alkohol ausgeschenkt. Wie wurde der Kanzler also im Saal zu seiner Rede empfangen? Sehr positiv. Unter der Einlaufmusik „High Hopes“ von „Panic at the Disco“ machte sich Merz, gefeiert wie ein Spitzensportler, auf den Weg zum Rednerpult. Der ganze Saal stand, klatschte laut, viele schwenkten eine Deutschlandfahne.

Unter den Gästen waren die Familie Mack, Bundestagsabgeordneter Yannick Bury und Landesjustizministerin Marion Gentges. Foto: Köhler

Auch die Rede kam überwiegend gut an. Lang anhaltenden Applaus gab es für Merz’ Aussage zur AfD: „Es wird keine Zusammenarbeit geben. Und nicht, weil es eine Brandmauer gibt. Vergesst dieses Wort. Uns trennen Welten von dieser Partei.“ Der Kanzler verteidigte jedoch auch das geplante Rentenpaket – hier blieb der Jubel erwartungsgemäß aus. Nach seiner gut halbstündigen Rede stellte sich Merz noch den – größtenteils sehr kritischen – Fragen der jungen Unionspolitiker. Um 12:30 Uhr verabschiedete sich Merz mit Geleitschutz aus dem Europa-Park-Dome und schließlich vom Gelände.

Keine Zwischenfälle

Die Sicherheitslage: Den gesamten Vormittag über blieb es sehr ruhig, es gab keine Zwischenfälle. Die Polizeipräsenz war vergleichsweise gering, nur etwa zehn Beamte sicherten bei der Ankunft des Kanzlers den Eingang.

Bürgermeister, Landrat und Europa-Park-Chef waren beeindruckt

Die Stimmen: Zahlreiche Gäste aus der Ortenau ließen es sich nicht nehmen, den Kanzler einmal live zu erleben. Bundestagsabgeordneter Yannick Bury, Landesjustizministerin Marion Gentges und die Familie Mack verfolgten die Rede in der ersten Reihe. Auch einige Rathauschefs waren gekommen, darunter Marco Gutmann (Schwanau), Andreas Heck (Hohberg) und Siegfried Eckert (Gutach), der die Ortenau in Tracht vertrat.

Friedrich Merz bei seiner Rede Foto: Köhler

Als „sehr positiv“ bewertete Rusts Bürgermeister Kai-Achim Klare im Gespräch mit unserer Redaktion den Auftritt des Kanzlers. Er durfte Merz persönlich begrüßen, dieser habe ihm einige Komplimente für die Arbeit in der Europa-Park-Gemeinde gemacht. Klare hob hervor, dass Merz trotz der spürbaren Spannung aufgrund des Rentenpaketstreits „klar und präzise“ geantwortet habe. Klare lobte Merz’ „klare Positionierung“ gegen Nationalismus in Europa und sein Bekenntnis zur Koalition.

Landrat Thorsten Erny berichtete, dass ihn vor allem Merz’ Aussagen zur Notwendigkeit von Kompromissen beeindruckt habe. Der Kanzler hatte betont, dass auch richtungsweisende Beschlüsse in der deutschen Geschichte nicht immer reibungslos abgelaufen seien.

Europa-Park-Chef Roland Mack attestierte dem Kanzler im Gespräch mit unserer Redaktion, er verbreite „Aufbruchstimmung“. Darüber hinaus freuten ihn die europafreundlichen Aussagen. „Das nimmt man ihm einfach ab.“