Ursula Eichin, Günter Eichin (hinten) und Hans Zimmermann haben in dieser Woche die Äpfel ihrer landwirtschaftlichen Flächen in Maulburg geerntet. Foto: Christoph Schennen

Hans Zimmermann, seine Frau und sein Schwager lassen ihr Obst nicht auf den Boden fallen und verfaulen.

Vielerorts sieht man Streuobstwiesen, auf denen das Obst auf dem Boden verfault. Bei den Eichins ist das anders: sie schätzen Naturprodukte noch wert. In ihren Garten hinter ihrem Haus und auf ihrer Wiese im Dorf wachsen Äpfel, Birnen, Quitten und Kirschen. Die Eichins haben Äpfel der Sorten Braeburn, Golden Delicious, Boskoop, Jonagold und Ontario. Die Mirabellen vom Baum, der nahe der Straße steht, würden häufig gestohlen, ärgert sich Hans Helmut Zimmermann.

 

Er, seine Frau Ursula und Ursulas Bruder Günter Eichin haben in dieser Woche ihr Obst geerntet. Vergangenes Jahr hatten die Eichins 28 Kisten mit jeweils 30 Kilogramm Obst, fast alles Äpfel. „Dieses Jahr werden es weniger sein“, bedauert Hans Zimmermann. Das Obst wird nicht gespritzt, es hat Bio-Qualität.

Eichins Most schmeckt wie Cidre

Bei der Ernte verwenden die Senioren Leitern mit Stützen, die es den drei Senioren (Hans ist 80, Ursula 71, Gunter 72) und ihren vier Helfern – ausgestattet mit Pflückkörbchen – ermöglichen, die Äpfel auch ganz oben im Baum zu pflücken. Die Äpfel werden von einem Bekannten aus Minseln gepresst. Die einzelnen Apfelsorten und die Birnen werden bei der Pressung nicht getrennt. „Die Mischung aus Äpfeln mit mehr Säure und Äpfeln mit mehr Zucker ergibt einen feinen Saft“, sagt Günter Eichin. „In unseren Einkochautomaten erhitzen wir diesen Saft dann 20 Minuten bei 70 Grad.“ Danach wird er im alten Kuhstall der Eichins in fünf Liter fassende Plastikschläuche gefüllt und die Plastikschläuche in einem Karton gelagert.

Ein Teil des Apfelsaftes wird in einem Fass belassen, wo die Flüssigkeit gärt und sich Alkohol bildet. Diesen Most, der einen Alkoholgehalt hat wie ein Bier, trinken Zimmermann und die Eichins ebenfalls gerne. Er schmeckt in etwa wie das, was Heinz Schenk immer im „Blauen Bock“ getrunken hat: Ebbelwoi. In Frankreich nennt man ein solches Getränk Cidre.

Wenn Günter Eichin während eines Gesprächs mit Bekannten kurz verschwindet, dann liegt das daran, dass im Keller das Fass mit dem Most lagert. Er holt Nachschub. „Wir haben Most für ein Jahr“, freut sich Eichin. „Most war früher das Hauptgetränk der Bauern“, weiß Ursula Eichin.

Die Maulburger Familie lässt aus ihren Kirschen auch das weltberühmte Schwarzwälder Kirschwasser brennen. Vergangenes Jahr erbrachten die Kirschen 16 Liter Schnaps.

Auch Obstbrand für Kirschtorte im Angebot

Hans Zimmermann hat für den Obstbrand Etiketten entworfen, dessen obere Hälfte ein Wappen und ein Schild mit einer grünen Eiche auf blauen Grund ziert. Das Kirschwasser ist mit 48 Volumenprozent ein wahres Feuerwasser, das in der Gastronomie laut Günter Eichin gar nicht verkauft werden dürfte. „Dort sind höchstens 43 Volumenprozent erlaubt.“ Ursula Eichin braucht den Obstbrand für ihre Schwarzwälder Kirschtorte. Sie hat auch einen kleinen Garten, in dem Rotkohl, Wirsing, Kohlrabi, Blumenkohl, Lauch und Bohnen wachsen. In einem kleinen Gewächshaus gedeihen Tomaten, die aromatischer schmecken als die aus dem Supermarkt. Der Baum neben den Gemüsebeet ist voll mit Quitten, die Ursula Eichin zu Quittengelee verarbeitet. Brot backt sie nicht, auch Kartoffeln pflanzt sie nicht an.

Die Obsternte ist mit viel Arbeit verbunden. Im Herbst und Winter werden die Obstbäume beschnitten. „Querlaufende Triebe belässt man, hoch laufende Triebe werden gekappt. Schösslinge werden abgeschnitten, damit der Baum nicht zuwuchert“, sagt Hans Zimmermann. Wichtig sei es, dass die Äste sich nicht überlagern und beschatten.

Hans Zimmermann und Günter Eichin haben Kurse besucht, um sich Wissen über Obstanbau anzueignen. Es lohnt sich. Die Familie ist das gesamte Jahr gut versorgt mit Apfelprodukten.