Markus Zehnder hat im Zollernalbkreis seit 1992 unzählige Baumfachwarte geschult und tausenden Schulkindern den Obstbau nähergebracht.
Alte regionale Obstsorten sind seine Leidenschaft: Seit April 1992 ist Markus Zehnder auf den Streuobstwiesen des Zollernalbkreises unterwegs. Zum 1. September ist der „Streuobst-Papst“ in den Ruhestand gegangen, unterstützt seinen Nachfolger Achim Beck aber vorerst noch.
Denn im Herbst stehe eine weitere Schulung für Baumfachwarte an – und die Vorbereitungen wären für den Garten- und Landschaftsbaumeister Beck ganz ohne Unterstützung zu stressig.
Im Zollernalbkreis hat der Obstbau eine lange Tradition, weiß Zehnder
Die Leidenschaft für Streuobst hat Zehnder, ein gebürtiger Schramberger, erst im Zollernalbkreis entdeckt. Davor war er bei der Forstlichen Versuchsanstalt in Freiburg tätig – und sich schon damals für den Erhalt bedrohter Baumarten stark gemacht.
Im Zollernalbkreis habe er Kontakte zu den örtlichen Obstbauvereinen geknüpft. „Die älteren Baumfachwarte haben von besonderen Sorten erzählt“, sagt er, „und sie haben mir die Bäume gezeigt.“
Davon habe er dann Veredelungsreiser geschnitten, habe die alten Sorten in einer regionalen Baumschule vermehren lassen. Er weiß: Auf den Hängen der Zollernalb hat der Obstbau eine lange Tradition: „Die ersten Obstbauberater wurden bereits 1889 beim damaligen Oberamt eingestellt.“
Ein Glücksfall, findet Zehnder: Die größten Streuobstwiesen gehören den Kommunen
Eine besondere Streuobstwiese für Zehnder ist jene hinter dem Heselwanger Friedhof – weil hier für ihn alles angefangen hat: Hier hat er nach seinem Amtsantritt mit der Altkronenpflege begonnen und später die ersten historischen Sorten gepflanzt.
Ein Glücksfall sei es, dass sich die größten Streuobstwiesen im Landkreis in kommunalem Besitz befinden. Kommunen und Landkreis würden die Pflanzaktionen kräftig unterstützen, zum Beispiel durch Übernahme der Materialkosten.
Auf die ersten Pflanzaktionen in Heselwangen folgten weitere in Hechingen, Bisingen, Rangendingen, Grosselfingen und Albstadt. Seit 1991 werden Neupflanzungen vom Landkreis gefördert – insgesamt wurden bislang 9500 Bäume gepflanzt.
Rund 6000 Schüler haben gemostet und vieles über Streuobstwiesen gelernt
Und mit Aktionen wie dem „Schwäbischen Hanami“ oder dem „Grünen Klassenzimmer“ wird kräftig geworben. Für den Streuobstunterricht an den Schulen im Kreis gibt es seit 2013 ein Förderprogramm: 301 Schulklassen haben bereits teilgenommen, rund 6000 Schüler haben gemostet und gelernt, welche Pflanzen essbar sind und welche Insekten auf den Streuobstwiesen leben.
Der 65-jährige Obstfachmann weiß aus Erfahrung: Das Lernen hört nie auf. Auch frisch geschulte Fachwarte müsse man ähnlich wie beim Autofahren in die Praxis einführen. Hauptaufgabe des Kreisobstberaters sei es, zu vernetzen: Privatleute, Vereine, Kommunen und Landkreis.
Vergessene Baumarten wieder zu entdecken, freut Zehnder besonders
Eine besondere Freude ist es für den Streuobst-Profi, wenn er einen Baum entdeckt, „von dem man nicht wusste, dass es ihn überhaupt noch gibt“. Zum Beispiel die „Normannische Ciderbirne“, die man aus einer Baumschule in der Normandie eingeführt hatte, nachdem im eisigen Winter 1884/85 die Obstbäume auf der Alb erfroren waren.
Ein robuster Baum, sagt er, mit schlanker Krone und kleinen Birnen. Gut geeignet, um am Straßenrand gepflanzt zu werden. Der Klimawandel? Der sei sehr wohl zu spüren: Anhaltende Dürre mache den Bäumen zunehmend zu schaffen. Und die Hitze treibe das Obst früher zu Blüte und Reife.
Im Ruhestand zurücklehnen und ausspannen? Kommt für Markus Zehnder nicht in die Tüte: Er will weiterhin – und landesweit – Schulungen anbieten, zum Beispiel zur Sortenbestimmung.