In diesem Frühjahr war es über längere Zeit ziemlich kalt – das ist nicht gut für die Blüte der Obstbäume. Bernhard Ritter von der Obstbrennerei Ritter gibt Einblicke in den Schwarzwälder Obstanbau – und seine klimatischen Besonderheiten.
Das Frühjahr zeigte sich in den vergangenen Wochen von seiner eher frostigen Seite – Ende April fielen in Furtwangen noch einmal dicke Schneeflocken vom Himmel. Das mag nicht nur der Mensch, den es nach Sonnenstrahlen dürstet, so gerne, sondern auch die Obstbäume. Einer, der sich mit selbigen bestens auskennt, ist Bernhard Ritter von der Obstbrennerei Ritter. Als studierter Landwirt ist er mit der Vegetation bestens vertraut – und weiß auch vom Obstanbau im Schwarzwald zu berichten.
Denn was nicht auf den ersten Blick klar ist: Das Bio-Obst, das die Ritters als Grundlage ihrer Qualitätsschnäpse verwenden, kommt nicht aus Furtwangen, sondern vom Bodensee. „Zum Brennen reicht das nicht in diesen Höhenlagen“, bedauert Ritter, der selbst aus der Bodensee-Region stammt. Der Liebe wegen zog es ihn in den Schwarzwald. Seit Mitte der 80er Jahre bewirtschaftet er mit seiner Frau den 400 Jahre alten Ritter-Hof.
Weniger Ausbeute und weniger Süße
Dass das Wetter hierzulande anders tickt, wurde ihm einst im April 1986 bewusst: „Es lagen 20 Zentimeter Schnee im Schwarzwald – und am Bodensee haben sie Futter gemäht“, erzählt er. Kein Wunder also, dass Streuobstwiesen rund um Furtwangen alljährlich nicht allzu viel Ernte beschert wird, denn: „Frost ist einfach Gift für sie.“ Die Bäume – etwa Mirabellen und Zwetschgen – die er selbst rund um den Ritter-Hof hat, dienen lediglich dem privaten Verzehr – doch für die kommerzielle Produktion würde dies nie und nimmer reichen. Denn in manchen Jahren gibt es überhaupt keine Ausbeute. „Manchmal hängen sie auch voll – aber das ist nicht so typisch“, sagt der Landwirt. „Es sind einfach ungünstige Bedingungen hier.“ Ein weiterer Unterschied zu den Äpfeln vom Bodensee: „Die sind auch nicht so süß.“
Richtung St. Georgen oder Gremmelsbach sähe die Sache schon wieder etwas besser aus. Doch, sagt er, „wenn es ein gutes Jahr gibt, kann es auch mal süße Sachen geben“. Dass dies nicht üblich ist, liege jedoch nicht nur an der kühleren Temperatur. Denn: Es komme auch auf die Erde an, erläutert Ritter. „Das ist hier einfach ungünstiger – im Schwarzwald gibt es nicht so dicke Humusschichten wie anderswo.“
Vor ihm ist kein Baum sicher
Ritter, der als landwirtschaftlicher Sachverständiger im Außendienst schon viel herumgekommen ist, haben es die Obstbäume angetan. Wohin er auch gehe, sagt er schmunzelnd: „Wenn ein Baum blüht, sehe ich ihn sofort auf 100 Meter Entfernung.“ Und das, obwohl die hiesigen Exemplare optisch weniger hermachten als anderswo. „Ich habe hier noch nie einen großen Birnbaum gesehen“, sagt der Landwirt.
Dennoch könne man auch rund um die Bregstadt ab und an leckeres Obst ernten, denn: Auch die richtige Pflege spiele eine nicht unerhebliche Rolle. In den 80er Jahren habe er einmal einen Apfelbaum vom Bodensee auf dem Hof gepflanzt, erzählt Ritter. „Er ist üppig gewachsen – und alle drei Jahre hängt er voll mit Äpfeln.“ Sein Tipp: „Gut pflegen und mäßig schneiden.“ Auch ein Bekannter in Triberg habe einst einmal 20 Bäume gesetzt, erinnert er sich. „Er hat sie gut gepflegt und hatte immer wieder Äpfel.“ Das erstaunt ihn auch heute noch. „Da war ich wirklich überrascht, was es dort für süßes Obst gab.“ Sein Fazit also: „Es ist nicht ausgeschlossen.“
Wilde Apfelbäume rund um Rohrbach
Und auch rund um Furtwangen gebe es immer wieder Prachtexemplare an Apfelbäumen, die sich von der Kälte nicht allzu sehr beeindrucken lassen: So gebe es etwa auf der Passhöhe Neueck eine Reihe von rund 50 Bäumen – und auch in Rohrbach stünden Streuobstbäume und wild gewachsene Bäume am Straßenrand, „die immer wieder tragen und sehr robust sind“.
Und in diesem Jahr scheint die Kälte den Bäumen nicht allzu sehr geschadet zu haben, denn, hat Ritter bemerkt: „Die Bäume stehen aktuell in herrlicher Blüte.“
Das Hegen und Pflegen der Natur ist etwas, was dem Landwirt am Herzen liegt. Deshalb möchte er demnächst auch selbst entlang des ehemaligen Bahndamms in Schönenbach eine Reihe von Streuobstbäumen pflanzen, berichtet er und ergänzt optimistisch: „Wenn man die richtig pflegt und aufpäppelt, wird das vielleicht auch was.“