Kooperation über das eigene Rathausdach hinweg wird im Oberzentrum Lörrach-Weil am Rhein großgeschrieben, aber bloß im Geheimen: Was das bedeutet, ist den meisten Bürgern unbekannt. Foto:  

Nach dem Willen der Weiler soll es weitergehen mit dem gemeinsamen Oberzentrum Lörrach-Weil am Rhein.

Im Rahmen der Fortschreibung des Landesentwicklungsplanes überprüft die Regierung derzeit die definierten Oberzentren. Die Städte sind aufgerufen, zum Status Quo Stellung zu nehmen und eine Willensbekundung abzugeben, ob eine Änderung gewünscht werde.

 

Im Falle der Weiler Stadtverwaltung fällt diese Willensbekundung eindeutig aus: Die Kooperation mit Lörrach habe sich etabliert, und es werden für die Zukunft Perspektiven gesehen, diese auf weitere Bereiche auszuweiten. Seit 2002 bilden die Nachbarstädte ein gemeinsames Oberzentrum, dessen entscheidendes Gremium der Oberzentrumsauschuss ist. Dieses werde öffentlich aber wenig wahrgenommen, kritisierte Axel Schiffmann. Er sprach sogar von einem „Zombie“, der mit Leben erfüllt werden müsse. Denn die nachhaltige Zusammenarbeit sei insgesamt eine gute Sache und generiere für gemeinsame Vorhaben vor allem beachtliche Zuschüsse.

„Nach außen wenig sichtbar“

„Nach außen ist die Kooperation vielleicht nicht so sichtbar, nach innen auf Verwaltungsebene gibt es aber mehr Berührungspunkte als man denken mag“, meinte Thomas Bayer. „Es wäre schade, wenn wir die Chance, diese Kooperation fortzusetzen, an uns vorüberziehen lassen würden“, äußerte er deshalb.

In der Tat ist die Zusammenarbeit über den Tüllinger hinweg durchaus beachtlich, wie eine Auflistung der Verwaltung zeigte. Nahezu alle Abteilungen der Verwaltung tauschen sich mit den Kollegen aus der jeweils anderen Stadt aus. Lörrach und Weil verfügen mit dem Tüllinger Berg und dem Landschaftspark Wiese über gemeinsame Naturschutzgebiete und kooperieren auch darüber hinaus bei der Biotopverbundplanung.

Feuerwehr und Musikschule kooperieren

Die Feuerwehren helfen sich im Ernstfall gegenseitig aus, die Volkshochschulen unterhalten einen gemeinsamen Dozentenpool und die Musikschulen ein gemeinsames Orchester. Auch bei der Abwasserbeseitigung – beide Städte klären ihr Schmutzwasser in der Anlage Bändlegrund – im IT-Bereich, bei der interkommunalen Kinderbetreuung sowie im Gebäudemanagement nutzt man Synergien.

Das Wichtigste aber: „Ein gemeinsames Oberzentrum ist politisch sehr bedeutsam“, strich Bürgermeister Lorenz Wehrle heraus. Denn gemeinsam können beide Städte für ihre Bevölkerung und die Bürger des Umlandes hoch qualifizierte Dienstleistungen anbieten, für die sie alleine keine raumordnerische Genehmigung erhalten hätten. Beispiel dafür ist das neue Zentralklinikum. Auch die Genehmigungen für die Einkaufzentren Lö in Lörrach oder der Dreiländergalerie in Weil basierten darauf, dass Weil und Lörrach einen gemeinsamen Versorgungsraum bilden.

Sich gemeinsam für Bedrohungslagen rüsten

Für die Zukunft, so die Vorlage der Verwaltung für den Bauausschuss, seien weitere Kooperationen angedacht. So wolle man im Bereich der Cybersicherheit enger zusammenarbeiten, so dass man gegenseitig einspringen könne, wenn Systeme in einer Stadt lahmgelegt werden sollten. Auch für andere Bedrohungslagen, die beide Städte betreffen, sollen gebündelte Strategien entwickelt werden. Hier könnte die Tigermückenbekämpfung einen ersten Anlass zur engeren Kooperation liefern. Größere Maschinen und Fahrzeuge könnten gemeinsam beschafft und genutzt werden, so eine weitere Überlegung.Gute Gründe, den Status eines gemeinsamen Oberzentrums beizubehalten, gebe es also genug, fand man im Bauausschuss.