Als Nachzügler im Umland unterstützt nach einem Ratsbeschluss künftig auch Oberwolfach die Kinderbetreuung von Außen.
Soll Oberwolfach Tageseltern für die Betreuung von Kindern in der Gemeinde einen finanziellen Zuschuss gewähren oder nicht? Was in den Umland-Kommunen teils seit Jahren gang und gäbe ist, sorgte im Oberwolfacher Gemeinderat für eine engagierte Diskussion mit knappem Abstimmungsergebnis. „Alle Kommunen im Umland machen mit. Oberwolfach ist scheinbar die einzige Kommune, die noch keine solche Förderung gewährt“, resümierte Hauptamtsleiter Anton Schöner zum Einstieg in die Beratung. Diese Info habe Ratsmitglied Anna Dieterle von einem Besuch beim Tageselternverein Kinzigtal mitgebracht. Schon früher habe es eine Anfrage auf Unterstützung gegeben. Wo die abgeblieben sei, „können wir nicht nachvollziehen“, so Schöner. Zwei Tageseltern gebe es aktuell im Ort, zudem werde ein Oberwolfacher Kind von einer Tagesmutter in Fischerbach betreut.
„Ich glaube, das ist gut angelegtes Geld“, sagte Anna Dieterle zur sogenannten Platzpauschale (siehe Info). Ratskollege Rene Herrmann sah das anders: Man habe im eigenen Familienzentrum noch Plätze frei. „Das ist ein freiwilliges Zusatzangebot. Ich frage mich, ob man sich eine solche Doppelfinanzierung angesichts unserer Haushaltslage leisten kann.“ Die Gemeinde nehme für ihr Familienzentrum viel Geld in die Hand, pflichtete Manfred Harter bei: „Wir können stolz drauf sein. Da brauchen wir kein schlechtes Gewissen zu haben.“ Er wolle die Tagespflege nicht schlechtmachen. Eine Förderung neben dem eigenen Angebot sehe er aber „sehr kritisch“. Auch Martin Dieterle verwies auf die Ausgaben fürs Familienzentrum. „Dann noch Konkurrenz zu bezuschussen, finde ich schlecht.“ Er schlug vor, die Betreuung durch Tageseltern nur dann zu fördern, wenn ein Nachweis erbracht werde, dass es sich um Betreuungszeiten handle, die nicht vom Familienzentrum abgedeckt werden. „Alles andere, da würde ich mich gegen einen Zuschuss sträuben.“
Tageseltern als Konkurrenz zum Familienzentrum?
Oberwolfach biete Betreuung ab einem Jahr bis zur Grundschule. „Wir machen uns Konkurrenz“, so Dieterle. „Es geht ja um die, die niemanden haben“, hakte Roland Haas ein. Er plädierte für eine Förderung: „Wenn man sieht, wie wenig das ist – und wir sind die Einzigen, die da nicht mitziehen.“ Dieterle sah die Tageseltern nicht als Konkurrenz, sondern als Ergänzung. Sie war für die Förderung ohne Sonderregelung: „Wir legen uns eher ein Ei, weil dann auf dem Rathaus wieder einer prüfen muss: Ist das ein berechtigter Einzelfall oder nicht? Ich glaube, das Geld können wir uns gerade noch so leisten. Wenn’s an dem scheitert, dann müssen wir noch ganz andere Sachen streichen!“ Auch Simone Engst war für die Förderung: „So viele sind es jetzt auch nicht, dass es uns da ein Loch reißt.“ „Mit unserem Angebot sind wir viel weiter als andere Kommunen“, sagte Bürgermeister Jürgen Nowak mit Blick aufs Familienzentrum. Tagesmütter habe es aber auch schon früher in Oberwolfach gegeben. Unterm Strich seien es eher wenige Eltern, die das Angebot nutzten. „Das halte ich nicht für sehr negativ für unser Familienzentrum.“ Mit sieben Ja- gegen fünf Nein-Stimmen beschloss der Rat mit knapper Mehrheit, Tageseltern künftig mit der Platzpauschale zu unterstützen.
Platzpauschale
Von der Platzpauschale profitieren Tageseltern, die Kinder im Alter von null bis einschließlich sechs Jahren mit Erstwohnsitz in Oberwolfach betreuen. Diesen bezahlt die Gemeinde jeden Monat pro Kind 30 Euro (bei fünf bis 15 Stunden Betreuung pro Woche) oder 60 Euro (bei mehr als 15 Stunden pro Woche). Zusätzlich gibt es für regelmäßige Betreuung zu „außergewöhnlichen Zeiten“ zehn Euro pro Monat. Dazu zählt die Betreuung vor 7.30 Uhr oder nach 17.30 Uhr sowie an Wochenenden und über Nacht. Bedingung, neben dem Wohnsitz des Kindes: Das Kind muss mindestens einen Monat in der Tagespflege betreut werden.