Ehemalige Schüler und Interessierte lauschten gespannt, als Fritz Brodbeck mit viel Feingefühle von seiner Zeit an der Oberwolfacher Schule erzählte.
Ein ganz besonderes Geschenk zum Anlass des 750-jährigen Gemeindebestehens durften die Oberwolfacher im Rahmen einer Lesung von Fritz Brodbeck erfahren. Der ehemalige Lehrer an der Volksschule im Ortsteil Walke trug mehrere Abschnitte aus seinen sorgsam und feinfühlend zu Papier gebrachten Memoiren vor.
Da steckte nicht nur minutiöse Erinnerung und feinste Beobachtungsgabe, sondern auch viel feinfühlende schriftstellerische Fabulier- und Formulierkunst drin. Die Zuhörer wurden in den Bann genommen.
Viele der inzwischen um die 70 Jahre alten ehemaligen Schüler von der Walke hörten „mit gespitzten Ohren“, gleichsam mit wachsamen „inneren Augen“ in die Jahre zwischen 1963 und 1970 nicht nur im Schulhaus, sondern im ganzen Ortsteil zurück. Nicht nur die ehemaligen Schüler, sondern auch viele Interessierte aus dem damaligen Umfeld wollten sich die einzigartige Gelegenheit, lebendige Erinnerungen an eine schöne und unbeschwerte Jugendzeit aufzufrischen, nicht entgehen lassen.
Großes Interesse an Anekdoten aus alter Zeit
So war der Bürgersaal bis über den letzten Sitzplatz hinaus gefüllt. Mit den im gesamten Rathaus zusammengesuchten Stühlen konnte der Bedarf gerade einigermaßen gedeckt werden. Übrigens in genau diesem Raum, so war gleich eingangs zu erfahren, hat Friedrich Brodbeck anno 1963 seinen Lehrerdienst begonnen.
Unterstützung beim Vortragen erhielt Brodbeck durch seine ehemalige Schülerin an der Wolfacher Realschule, Alexandra Grabsch, die sich sehr einfühlsam in ihre eigenen frühen Jugendjahre zurückversetzen konnte. Es ergab sich so ein harmonisches Zusammenspiel von ihrem Draufsehen und dem unmittelbaren Miterleben von Brodbeck, was sich vor mehr als sechzig Jahren nicht nur in den damaligen Walker Schulhausmauern, sondern im gesamten kleinen „Walker Dorfzentrum“ auch mit den Gasthäusern Zum Hirschen und Zum Walkenstein abspielte.
Das kleine „Dörflein“ innerhalb der Dorfgemeinschaft von Oberwolfach mit den vielen Seitentälern war ja damals gerade erst durch die neu gebaute Marienkirche in seiner Infrastruktur gestärkt worden und auch das öffentliche Leben erfuhr durch das Gasthaus Löns von Else und Gebhard Bächle und über „‘s Becke“ und die Metzgerei Herzog hinaus noch zusätzlichen Impuls.
Aus dem Vorlesebuch traten sie heraus, die oft zaghaft, zurückhaltend und staunend in die Welt hinausblickenden Buben und Mädchen der Grundschulklassen, die auch noch von den Lehrern Hans Bächler, Heinz Greulich und – noch vor Fritz Brodbeck – von Herbert Weltin in den drei großen Schulsälen unterrichtet worden waren. Noch klang beim Vortragen die Begeisterung nach, wie man unter bescheidenen Verhältnissen und in Anpassung an Jahreszeit und Wetter im Fachbereich Sport unterrichtete, unter „einfachsten Bedingungen“, um Brodbeck zu zitieren.
Erinnerungen an Anton Rapp lebten wieder auf
Mit Schmunzeln und bisweilen frohem Lachen kamen auch Begegnungen mit dem legendären „Fußball-Pfarrer“ Anton Rapp – von den meisten im Dorf der „Rappe-Doni“ genannt – zur Sprache.
Am Schulmorgen nach einem nächtlichen WM-Boxkampf von Muhammed Ali, damals noch Cassius Clay, staunte der junge Lehrer und das gesamte kleine „Pausen-Kollegium“, wie genau der Herr Pfarrer über den Verlauf Bescheid wusste. Er musste die halbe Nacht am Radio und/oder Schwarz-Weiß-Fernseher verbracht haben.
Ausgiebig und unter Namensnennung der jungen „Matadoren“, auch in der Sportabteilung des SVO, wurden die Fahrten zu den Turnwettkämpfen beschrieben und vom Verleihen der Lorbeerkränze und Siegerurkunden berichtet. Mitunter wurden die Oberwolfacher bei solchen Wettkämpfen nicht nur wegen der Leistung bestaunt sondern auch, weil die ganze Riege mit einem einzigen Mercedes-Pkw aus dem Wolftal angereist war.
Amüsant und anekdotenreich die Geschichten um den „Schuemacher-Flori“ von der „Insel“ und vom Walker Schmid, Senior und Junior, als urwüchsige Walker Originale.
Der Flori verstand es mit seiner reichhaltigen Illustrierten-Sammlung im Zeitalter von „Quick“, „Revue“ und „Bunte“ seine Wohnstube mit einem spaltbreiten Blick in die ferne und vornehme Welt der damaligen Filmstars zu einem kleinen Walker Bildungszentrum vor allem in der unterhaltsamen Sparte zu machen, das er noch mit dem Besitz eines der frühesten Fernseher in Oberwolfach noch getoppt hat.
Gerne kam Fritz Brodbeck nach dankbarem und begeistertem Beifall der Zuhörer der unausgesprochenen Bitte nach, noch einige kleine Geschichten als Zugabe vorzutragen, so unter anderem auch jene von der zirkusreifen „Stuhl-Akrobatik“ vom Schmied-Otto am Stammtisch im „Hirschen“ oder vom „Jägerlatein“, das beim „Walkenstein“ durch die „Grünröcke“ mit süffisantem Lächeln bis hin zum schallenden Gelächter abendfüllend zum Besten gegeben wurde.