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Oberwolfach Wiege der Lachse steht im Gelbach

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Es ist eine moderne Zuchtanlage – am Montag wurde das dazugehörige Lachs-Infozentrum im Oberwolfacher Gelbach seiner Bestimmung übergeben. Landwirtschaftsminister Peter Hauk (CDU) gehörte zu den Gästen.

Oberwolfach. Hauk erinnerte sich dabei seiner Studienzeit in Freiburg, die ökologisch auch vom Chemie-Unfall in Basel im November 1986 geprägt war. Damals schien der Rhein auf lange Sicht ökologisch tot zu sein. Knapp 35 Jahre später wurden für die ersten fünf Monate des Jahres 2020 an der Fischtreppen-Kamera in Iffezheim schon 158 Rückkehrer-Lachse gezählt, die in ehrenamtlichen Wiederansiedlungsprojekten im Oberlauf der badischen oder elsässischen Rhein-Nebenflüsse ausgesetzt worden waren. Nach der Reise von Grönland über die Irische See zieht es sie wieder zurück in ihre "Kinderstube".

Landwirtschaftsminister Hauk hebt die hohe Bedeutung hervor

Die Wiederansiedlung des Lachses gilt Hauk zufolge als "größtes europäisches Artenschutzprojekt", in welchem auf Basis der EU-Wasserrahmenrichtlinie und dem darin festgelegten "mittleren Niedrigwasserabfluss (MNQ)" der Zielkonflikt zwischen Energiewirtschaft und Naturschutz moderiert wurde. Erst mit dieser Richtlinie konnte im badischen Landesteil daran gegangen werden, für die Wiederansiedlung der Wanderfische in den sieben Nebenflüssen des Rheins Hindernisse durch Fischtreppen und ähnliche Maßnahmen durchgängig zu machen.

Bis sich der Lachs auch in den Schwarzwaldflüssen wieder blicken lässt, wird er noch einige Jahre der menschlichen Aufzuchthilfe bedürfen. Seit 2009 befindet sich am Oberwolfacher Gelbach die zentrale Aufzuchtstation des baden-württembergischen Landesfischereiverbands. Elf Jahre oder 11 000 ehrenamtliche Arbeitsstunden später kann Stephan Stäbler dem Minister und den übrigen Ehrengästen eine moderne Zuchtanlage präsentieren, in der bis zu einer halben Million Junglachse pro Generation aufgezogen werden können.

Beim Rundgang durch die üblicherweise nicht zugänglichen Anlage bekam Hauk eine Experten-Führung von den nur wenige Millimeter großen frisch gestreiften Lachsembryos über die etwa fünf Zentimeter langen "Einjährigen" bis hin zu den Becken der vier- und fünfjährigen Lachse, die für die Nachzucht verwendet werden.

Im Boden des Besucherzentrums selbst ist eine begehbare Glasplatte eingelassen, die den Einblick in eine "Kindertagesstätte" von etwa fünf Zentimeter großen Lachsen gewährt. Im Außenbereich sind die Becken mit Netzen gegen den Reiher geschützt. Als größten Fressfeind hat Stäbler im Gelbach aber den Eisvogel ausgemacht: "Ohne Netz fressen die uns in fünf Monaten eine ganze Population von 2000 Junglachsen weg."

Der Eisvogel ist die größte Gefahr für die jungen Fische

Bürgermeister Matthias Bauernfeind hob in seiner Begrüßung auf die touristische Bedeutung der Lachszucht und des Infozentrums ab, liegen die Anlagen doch nur wenige Gehminuten vom sehr beliebten "Guck a’Mol-Wegle" entfernt. Sein ehemaliger Kollege Henry Heller referierte in seiner Funktion als Vorsitzender der Leader-Aktionsgruppe Mittlerer Schwarzwald über die Erfolgsgeschichte des Bauprojekts, welches erstmals 2010 von Bauernfeinds Vorgänger Jürgen Nowak als Idee eingebracht worden war. 2017 wurde es als eines von nur zwei aus 17 Wettbewerbsprojekten von der Kommission ausgewählt. "Naturnaher Tourismus auf dem Land" in Kombination mit einer "außerschulischen Bildungslandschaft" lautete das Erfolgsrezept.

Architekt Bernd Schmidt hat die Wünsche der Fischer eins zu eins umgesetzt. Entstanden ist parallel zum Gelbach ein lichtdurchfluteter großer Schulungsraum mit den Zuchtanlagen im Erdgeschoss. Als Willkommensgeschenk überreichte Schmidt einen ausgewachsenen Lachs als Hefe-Backwerk.

Nikolas Störmer, der Erste Landesbeamte der Ortenau, fand erst auf der Autofahrt von Offenburg kinzigaufwärts zu seiner Laudatio. "Was bewegt den Fisch, bei Willstätt in die Kinzig einzubiegen und dann noch gut 40 Kilometer stromaufwärts zu schwimmen?" Störmer gab die Antwort selbst, "wie jedes Lebewesen will er seinem Nachwuchs die beste Kinderstube bieten, und die liegt nun mal hier im wunderschönen Gelbach."

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Die Baukosten für das Info-Zentrum liegen bei etwa 550 000 Euro, 263 000 Euro davon wurden mit "Leader"-Mitteln finanziert. 100 000 Euro gab die Gemeinde Oberwolfach dazu, um den Maximal-"Leader"-Förderbetrag überhaupt möglich zu machen.

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