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Oberwolfach Traditionsgasthaus wird Wohnhaus

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Der Umbau des Erdgeschosses im Gasthaus Zur Linde wurde vom Gemeinderat einstimmig genehmigt. Dort entstehen drei Wohnungen. Foto: Haas Foto: Schwarzwälder Bote

Recht zügig ist die Sitzung des Gemeinderats am Dienstagabend in der Oberwolfacher Festhalle über die Bühne gegangen. Der Antrag auf Umbau der "Linde" in Wohnungen weckte aber viele Erinnerungen aus der fast 400-jährigen Geschichte.

Oberwolfach. Sämtliche Beschlussvorschläge der Verwaltung wurden vom vollzählig anwesenden Gremium ohne lange Diskussion einstimmig angenommen. Es waren überwiegend Baugenehmigungen, die es zu bearbeiten galt (siehe Info). Der Antrag auf den Umbau des Erdgeschosses des ehemaligen Gasthauses Zur Linde, um drei Wohnungen zu schaffen, entlockte Gemeinderätin Erna Armbruster (Freie Wähler) die bedauernde Feststellung, dass damit das Ende eines ortsprägenden "Traditionshauses" der Gemeinde in zentraler Lage besiegelt werde.

Erscheinungsbild soll erhalten bleiben

Es werde allerdings, so der Besitzer und letzte Lindenwirt in einer langen Folge, Klaus Heitzmann, im anschließenden Gespräch mit dem Schwabo, das imposante Erscheinungsbild des historischen Gebäudes erhalten bleiben. Von langer alter Tradition wird auch das große Kellergewölbe unter den Gasträumen künden.

Immerhin blickt das Gasthaus auf eine 400-jährige Tradition zurück. Familienbilder über dem ehemaligen Stammtisch beim heimeligen Kachelofen lassen bis auf den markanten weißbärtigen Urgroßvater, Johann Heitzmann, zurück blicken. Und an dessen Sohn, den einstigen Schiffskoch Karl Heitzmann, erinnern eine kunstvoll präparierte Schildkröte und ein Seestern.

Mehrfach stand das angeblich im Dreißigjährigen Krieg abgebrannte Gasthaus im Mittelpunkt des Oberwolfacher Dorfgeschehens. 1934 wurden dort mehrere Szenen zum Heimatfilm "Mühle im Schwarzwald" gedreht. Als Schauspieler wirkte unter anderem Beppo Brem mit, der auch in der Nachkriegszeit nochmals in mehreren Filmen zu sehen war. Hauptdarstellerin war die damals bekannte Gretl Theimer.

1949 wurde vom oberen Stock mit dem einstigen großen Tanzsaal, in dem auch Laienspiele zur Aufführung kamen, von Adolf Schrempp bei den Luitgardspielen mit Tausenden von Zuschauern und mit über 200 Mitwirkenden Regie geführt.

Den älteren Oberwolfachern ist noch in Erinnerung, wie Mesner Alfons Scherer vom Fenster über dem Haupteingang Sonntag für Sonntag nach der "Spotkirch‘" die amtlichen Nachrichten der Gemeindeverwaltung verkündete. Aber er vermittelte auch kleinere Verkaufsgeschäfte in unvergessener Manier: "Habe ein schlachtreifes Schwein zu verkaufen. Von wem, zu erfragen bei mir!" Sogar Lausbubenstreiche kamen zur Sprache: "So genannte Halbstarke haben verbotener Weise im Frohnbächle gefischt! Sie sollen sich freiwillig auf dem Rathaus melden, denn sie sind allesamt namentlich bekannt!"

Heimat zahlreicher Vereine des Orts

Schließlich war die "Linde" unter Narrenfreund Karl Heitzmann die Urheimat der Oberwolfacher Narren. Auch die Fußballer des SV Oberwolfach waren dort mit "Edelfan" Pfarrer Anton Rapp, "Rappedoni" genannt, zu Hause, ehe man zum Umkleiden und Feiern in das neue Clubhaus abwanderte. Hatte der selbst das Tor des SVO hütende Nachfolger Ernst Heitzmann als Wirt besonders gute Laune, dann begleitete er die in Siegerlaune schwelgenden Kicker bei ihren Schlachtgesängen auch noch am Klavier.

Substanziell bedroht war das Haus, als der Kirchenbauernhof in unmittelbarer Nachbarschaft in der Nacht zum Pfingstmontag im Jahr 1951 lodernd in hellen Flammen stand.

Es waren überwiegend Baugenehmigungen, die es zu bearbeiten galt. An diesen wollten die Ratsmitglieder nicht ohne Not herumkritteln, zumal es behördliche Vorgaben einzuhalten gilt. Grünes Licht bekamen so der Abbruch und Neubau einer Lagerhalle in der Schulstraße, der Neubau eines Heizungsgebäudes an der Schwarzwaldstraße, der Umbau eines Wohnhauses auf Mühlengrün, der Neubau eines Büro- und Betriebsgebäudes mit Sozialanlagen an der Wolfbergstraße sowie der Bauantrag zum Teilabbruch und Wiederaufbau der Seilerei mit Neubau einer integrierten Betriebsleiterwohnung an der Wolfbergstraße.

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