Bei der Verabschiedung aus dem Amt überreichte Landrat Frank Scherer (linkes Bild, rechts) dem Oberwolfacher Bürgermeister Jürgen Nowak die Jubiläums-Urkunde für 40 Jahre im öffentlichen Dienst. Stolz trug der Oberwolfacher Bürgermeister später die Deutsche Feuerwehr-Ehrenmedaille (mittleres Bild), die ihm der Ortenauer Kreisverbandsvorsitzende Michael Wegel auf einmündigen Vorschlag der Freiwilligen Feuerwehr Oberwolfach angeheftet hatte. Sichtlich gerührt zeigte sich Nowak, als ihm seine erste Bürgermeisterstellvertreterin Erna Armbruster (rechtes Bild, von links) an der Seite seiner Frau Elisabeth die erste Ehrenbürgerurkunde der Gemeinde Oberwolfach überreichte. Fotos: Möller Foto: Schwarzwälder-Bote

Verabschiedung des Oberwolfacher Schultes

Von Arwen Möller

Oberwolfach. Nach 32 Jahren im Amt ist am Donnerstagabend Oberwolfachs Bürgermeister Jürgen Nowak verabschiedet worden. Zur Feier waren zahlreiche Vertreter aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft gekommen, um den Schultes mit Dank, Ehrungen und Präsenten zu beschenken.

Ein roter Teppich geleitet die rund 400 geladenen Gäste in die Oberwolfacher Festhalle. Im Foyer begrüßt die erste Bürgermeisterstellvertreterin Erna Armbruster, im Saal empfangen Jürgen Nowak und seine Frau Elisabeth und schütteln jedem Besucher die Hand. Es hat schon etwas höfisches, wenn ein Bürgermeister so viele Jahren die Geschicke eines Ortes geleitet hat und so beginnt die Verabschiedung passend mit der getragenen Weise "Des Großen Fürsten Reitermarsch", das die Trachtenkapelle Oberwolfach unter der Leitung von Roman Schilli anstimmt.

"Der Kurfürst von Oberwolfach hält Hof", greift dann auch seine Stellvertreterin Erna Armbruster das Bild in ihrer Begrüßung auf und kündigt als Moderator einen Überraschungsgast an: Helmut Dold alias D’Hämme. Doch bevor dieser mit Witz und Worten in Aktion tritt, bittet sie Frank Scherer, Landrat des Ortenaukreises, um seine Ansprache. Dieser würdigte Nowaks Arbeit auch im Namen seiner Vorgänger Günter Fehringer und Klaus Brodbeck. Nach 32 Jahren sei der Oberwolfacher Schultes der dienstälteste und der längste im gesamten Ortenaukreis. "Für das Amt muss man kommunikativ sein, hartnäckig, und trotzdem Bürger bleiben, wie ein Nachbar. Und man muss kreativ sein, sollte nicht auf irgendetwas warten, sondern selbst den Ball spielen", zitierte Scherer aus dem Interview des Schwarzwälder Bote, in dem Nowak die Eigenschaften eines Bürgermeisters skizziert hatte, und bilanzierte: "Jürgen Nowak war ein Kreativspieler."

Kreativ stellte Moderator Dold den Grußworten noch ein weiteres Bild voraus, das Altbundespräsident Roman Herzog geprägt hatte: Ein Grußwort sei so kurz wie ein Minirock. Und so dankte CDU-Bundestagesabgeordnete Kordula Kovac dem Oberwolfacher Schultes und schloss mit Verweis auf den Genießer in Nowak: "Unser Kühlschrank wird dir immer offen stehen." Grünen-Landtagsabgeordnete Sandra Boser dankte ebenfalls. Sie habe viel aus der Zusammenarbeit mit Jürgen Nowak mitgenommen.

Spontan ergriff auch Helmut Rau, CDU-Landtagsabgeordnete und langjährige Weggefährte Nowaks, das Wort: "Als ich vor 24 Jahren hier angefangen habe, waren Sie schon da." Viel habe man geschafft. Wolfachs Bürgermeister Thomas Geppert sprach stellvertretend für alle Bürgermeister und die diversen Verbände der Raumschaft. Und er zitierte, was ein Bürger über den Oberwolfacher Schultes gesagt hat: "Er hat in seiner Amtszeit die ganze Gemeinde einmal umgegraben und erneuert." Carsten Gabbert, Bürgermeister von Schuttertal, sprach für den Gemeindetag Baden-Württemberg, damit für 51 Kollegen und dankte für Nowaks Engagement für den ländlichen Raum. Valentin Doll dankte seitens der Freien Wähler im Ortenaukreis

Sichtlich gerührt zeigte sich Nowak vom gerappten Auftritt der Kindergartenkinder und den Dankesworten von Maria Künstle, Leiterin des Kindergarten St. Josef: "Sie haben hervorragende Arbeit für Oberwolfach und unsere Kinder geleistet." Und sie ließen am Ende Gold über Nowak regnen. Das Grußwort von Pascal Geispieler, dem Bürgermeisterstellvertreter der Partnergemeinde Still, unterstrich Nowaks "Dynamismus" fürs 50-jährige Bestehen der deutsch-französischen Freundschaft: "Du hast immer gewusst, dases die Frauen und Männer sind, die Europa bauen." Und er schloss: "Es lebe der Frieden."

Nach dem Auftritt des Kinderchors "Wolftalspatzen" folgten persönliche Worte des katholischen Pfarrers Benno Gerstner und seines evangelischen Kollegen Pfarrer Stefan Voss sowie von Lydia Seyffert, der Rektorin der Wolftalschule. Der Kommandant der Oberwolfacher Feuerwehr, Markus Spinner, kündigte den Ortenauer Kreisverbandsvorsitzende Michael Wegel an, der Nowak zu dessen großer Überraschung die Deutsche Feuerwehr-Ehrenmedallie überreichte. Nach Tanzauftritten der Volkstanzgruppe hatte der Vorsitzende der Trachtenkapelle, Markus Schätzle, im Namen aller Vereine Ideen und Accessoires für Nowaks "Unruhestand". Auch die Alten Herren mit Leiter Gottfried Harter versuchten mit ihrem Auftritt, Nowak fürs Training zu rekrutieren. Rechnungsamtsleiter Thomas Springmann blickte seitens der Gemeindemitarbeiter auf Nowaks "lange Ära oder die Ära des Langen". Unter anderem schenkten ihm seine Mitarbeiter ein großes, hölzernes Ortsschild.

Mit dem Stück "Ben Hur" läutete die Trachtenkapelle das Finale ein: die Verabschiedungsansprache durch seine Vertreterin Erna Armbruster. "Das mach ich nie wieder, jemanden aus der Arbeit verabschieden", schickte sie voraus. Wie Schiller bereits gesagt habe, Abschiede seien immer mehr traurig als freudig. Doch die vielen aufgezählten Fakten, die Nowak in Oberwolfach geschaffen hatte, ließen dann doch mehr Bewunderung aufkommen. "Wir möchten uns bei Jürgen Nowak bedanken", sagte sie für den versammelten Gemeinderat und überreichte ihm die Urkunde zum ersten Ehrenbürger der Gemeinde. Sichtlich bewegt nahm dieser die Auszeichnung an der Seite seiner Frau Elisabeth entgegen, die Blumen zum Dank bekam.

"Schön war die Zeit", zitierte dann Nowak in seiner Abschlussrede gerührt das gleichnamige Lied. Bürgermeister von Oberwolfach zu sein, das sei sein Traumberuf gewesen. Warum er nun dennoch gehe, begründete er mit dem Wunsch: Zeit zu schenken, für die Frau, für die Familie. "Nach 32 Jahren hat es eine Gemeinde verdient, dass der Motor ausgetauscht wird", meinte er. Nach dem Dank bei allen Beteiligten betonte er für die Zukunft: "Wir bleiben hier, wir sind hier zuhause." Und zur Ehrenbürgerwürde meinte er mit bebender Stimme: "Dass mir diese Ehre erwiesen worden ist, ist top."

Mit vier schönen, gewaltigen, wilden und Blockbuster verdächtigen Stücken sowie dem Badnerlied, gespielt von der Trachtenkapelle Oberwolfach, klang der Abend aus.

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