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Oberwolfach Der Wald der Zukunft wandelt sich

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Wie schnell der Borkenkäfer-Befall sich ausbreiten kann, zeigt sich bei dieser Baumgruppe: Schätzle macht einen betroffenen Baum ausfindig, für die Waldarbeiter werden aber vier markiert. Wird nicht gehandelt, stirbt der Baum ab (rechtes Bild). Foto: Schwarzwälder Bote

Sie sind nur kniehoch, aber schon jetzt setzt Förster Markus Schätzle große Hoffnungen in die Pflänzchen. Robuster sollen sie sein und mit Trockenheit besser umgehen können. Überhaupt müsse sich der Wald wandeln, um dem Klimawandel zu trotzen.

Oberwolfach. Die Trockenheit und damit verbunden der Schädlingsbefall der Bäume sind große Strapazen für den Wald. "Er leidet", sagt Schätzle. Aber der Wald, der jetzt Probleme mache, sei etwa 100 Jahre alt, erklärt er auf dem Weg zum Elmle zwischen Wolfach und Oberwolfach, wo die jungen Zedern stehen, die im vergangenen Jahr angepflanzt wurden. Diese Baumart aus dem Mittelmeerraum ist robuster gegen Trockenheit – und vor allem gegen den Borkenkäfer.

Das Unheil habe 2018 seinen Lauf genommen, erklärt er. Im Winter habe es Stürme gegeben, im Sommer extreme Dürre. Und damit waren dem Schädling Tür und Tor geöffnet. Auf der so entstandenen Freifläche von rund einem Hektar stehen die Zedern auf circa einem halben Hektar. Auf der Restfläche wachsen Tannen, Lärchen und Douglasien. Die Bäume wurden von den Gemeindewaldarbeitern gepflanzt und werden für drei bis fünf Jahre mit dem Freischneider im Sommer von den wuchernden Brombeeren befreit. "Auf den ersten Blick sieht’s gut aus", sagt er zufrieden mit Blick auf die 275 jungen Libanonzedern, die im April vergangenen Jahres gesetzt wurden. "Sie haben den ersten Winter und das erste extreme Frühjahr gut überstanden", erklärt Schätzle.

Wenn alles gut gehe, würden sie im Jahr etwa 30 Zentimeter wachsen. "Bis wir wissen, ob es wirklich funktioniert, werden aber noch einige Jahrzehnte ins Land gehen", erklärt er, denn der Wald reagiere natürlicherweise extrem langsam.

Entwicklung lässt sich nicht aufhalten

Bis dahin könne aber noch einiges passieren. "Es ist ein Versuchsanbau", so Schätzle.

Etwas weiter, wo sich der Hang von West auf Nordwest Richtung Wolftal dreht, stehen die 275 jungen Atlaszedern – denn dort verringert sich die Sonneneinstrahlung und das wiederum verbessert die Wasserversorgung etwas. "Ich vermute, dass Atlaszedern im Vergleich mit den Libanonzedern doch etwas mehr Feuchtigkeit brauchen", erklärt der Förster. Auch diese Bäumchen sehen erfolgversprechend aus. Zwar stünden sie momentan noch ziemlich eng. Aber: Einige Bäumchen würden sich vielleicht von der Wuchsform her nicht zukunftsfähig entwickeln. "Da wird man in 20 Jahren nochmal durchforsten und ausdünnen müssen", erklärt er.

Und warum gerade Zedern? Das Klima ändere sich und passe sich dem des Mittelmeerraums an. "Diese Entwicklung lässt sich nicht aufhalten." Monokulturen, wie Fichten, die nach dem Zweiten Weltkrieg in der Region angepflanzt wurden, hätten an diesem Standort keine Chance mehr. Die Fichte brauche deutlich mehr Wasser. Die Baumart stammt aus kühleren Bergregionen. "Und das sind wir hier nicht mehr", sagt Schätzle, "wir entwickeln uns eher zur Weinbauregion". Und durch die Trockenheit habe der Borkenkäfer, der für Fichten gefährlich ist, viel leichteres Spiel.

Jede Baumart hat ihre Widersacher

Ob die Zeder der Baum der Zukunft ist? Schätzle schüttelt den Kopf. Auch die Douglasie sei momentan sehr gefragt, aber nicht das Allheilmittel. Und niemand wisse, was in 50 Jahren ist. "Jede Baumart hat ihre Widersacher", sagt Schätzle. Die der Zedern und Douglasien seien aber noch nicht da. Trotzdem mache es keinen Sinn, nun den Anteil auf 50 Prozent zu erhöhen. "Wir dürfen den Fehler mit der Fichte nicht wiederholen", so Schätzle. Wichtig sei es, sich zukünftig breit aufzustellen und von keiner Baumart mehr als 20 Prozent im Wald zu haben. Die Fichte werde es durch natürliche Verjüngung auch in Zukunft geben – aber sie würde nicht mehr angepflanzt.

"Der Blick auf den Wald sagt mir, dass es noch lange dauert, bis Kalamitäten bei der Fichte nicht mehr vorkommen", erklärt der Förster mit Blick auf den gegenüberliegenden Hang. "Wir profitieren hier von den Privatwaldbesitzern – jeder passt auf seinen Wald auf und hat auch ein Auge zum Nachbarn", erklärt er. Das sei in Sachen Borkenkäfer Gold wert. Denn es helfe nur permanentes Beobachten. "Wenn erst ganze Bestände befallen sind, bekommt man das nicht mehr in den Griff", erklärt er.

Die Atlaszeder (Cedrus atlantica) stammt aus dem Atlasgebirge in Marokko und Algerien. Ihr Holz eignet sich für Möbel, Dekorativartikel und Vertäfelungen. Es ist gut bearbeitbar, spaltbar, mit unproblematischer Trocknung.

Die Libanonzeder (Cedrus libani) kommt vor allem in der Türkei, im Libanon und Syrien vor. Das Holz bietet ähnliche Verwendungsmöglichkeiten wie andere kommerzielle Koniferen, zum Beispiel als Bau-, Tischler- und Möbelholz.

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