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Oberried Schauinsland-Staubsauger entgeht kein Atom

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Radioaktivitäts-Detektive: BfS-Präsidentin Inge Paulini und Notfallschutz-Abteilungsleiter Matthias Zähringer präsentieren die neue Anlage auf dem Schauinsland. Foto: Deckert

Oberried - Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser: Auf dem Freiburger Hausberg Schauinsland misst in knapp 1200 Metern Höhe eine extrem feinfühlige Anlage Radioaktivität in der Luft. Eine klare Kampfansage an alle Bösewichte, die glauben, im Geheimen Atomwaffen entwickeln und testen zu können – und eine Warnung an alle Staaten, die womöglich krampfhaft versuchen, Reaktorunfälle zu vertuschen.

Weil die Arbeit in den vergangenen Jahren nicht weniger geworden ist, hat das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) kräftig investiert. Am Donnerstag stellte die Behörde ihr neues Messgerät für Radioaktivität vor, das mit hochmoderner Technik eine 15 Jahre alte Anlage ersetzt. Man könne damit "detektivische Arbeit" bei der Suche nach Radioaktivität in der Umwelt leisten, sagt die Behörden-Präsidentin Inge Paulini über das 400.000 Euro teure Gerät.

Das BfS wurde 1989 als Reaktion auf die fatale Reaktorkatastrophe in Tschernobyl gegründet; es hat seinen Hauptsitz im niedersächsischen Salzgitter und beschäftigt rund 500 Menschen. Eine der Hauptaufgaben ist die Umweltüberwachung. Dabei ist das BfS mit seiner Station auf dem Schauinsland bei Freiburg Teil eines rund 70 Messanlagen umfassenden Netzwerks ähnlicher Einrichtungen weltweit, die sofort messen und alarmieren können, wenn sich irgendwo in der Welt ein illegaler Atomwaffenversuch oder ein Reaktorzwischenfall mit austretender Radioaktivität ereignet.

Gemessen wird die Radioaktivität in der Luft. Dafür hat das Amt auf dem Schauinsland quasi einen "Staubsauger" installiert, wie der Abteilungsleiter für Notfallschutz beim Bundesamt, Matthias Zähringer, die Anlage umschreibt. Die klare Bergluft über der Stadt wird von dem Gerät eingesaugt und über sechs Filtermatten einem Detektor zugeführt, der wiederum erkennen kann, ob man es mit in der Natur vorkommender Radioaktivität oder mit Partikeln aus einer wie auch immer gearteten Atomanlage zu tun hat.

Die Filtermatten des Geräts erinnern dabei in der Tat an Staubsaugertüten. Sie werden regelmäßig entnommen, analysiert, versiegelt und zur weiteren Auswertung an ein Institut nach Wien geschickt. Dabei muss so genau und sauber gearbeitet werden, dass man im Zweifelsfall gerichtsfestes Beweismaterial hat, um gegen mögliche Verstöße gegen das internationale Kernwaffenteststopp-Abkommen (CTBT) vorgehen zu können. Diese Überwachung ist heute die Hauptfunktion der BfS-Messtechnik im Schwarzwald. Nukleare Zwischenfälle in Kernkraftwerken oder anderen Atomfabriken zu messen, ist quasi ein "Nebeneffekt".

Die Station auf dem Schauinsland arbeitet mit ungeheurer Präzision: Das Atomunglück im japanischen Fukushima vor siebeneinhalb Jahren habe man beispielsweise "deutlich messen können", sagt Zähringer nicht ohne Stolz. Selbst unterirdische Atomwaffentests in Nord­korea sind für solche Apparate nachweisbar, da hierbei Edelgase austreten, deren Verteilung in der Atmosphäre nachweisbar ist.

Im November 2017 steigt die Belastung durch Ruthenium-106 urplötzlich massiv an

Auch Tschernobyl, wo das BfS gerade eine große Messübung durchgeführt hat, ist weiterhin ein Thema: Wenn es dort zum Beispiel zu einem Waldbrand kommt, kann die erhöhte freigesetzte Radioaktivität selbst im Schwarzwald nachgewiesen werden. Das radioaktive Cäsium, das dort 1986 bei der Reaktorkatastrophe ausgetreten ist, hat heute erst seine Halbwertszeit erreicht. Folge: Es ist noch immer eine große Belastung –­und etwa in Pilzen aus hiesigen Wäldern nachweisbar.

Ein weiteres "russisches Thema" für die Behörde ist die seit dem November 2017 stark erhöhte Strahlung durch das radioaktive Element Ruthenium-106. Die internationalen Untersuchungen zu einem möglichen Atomunfall im Ural laufen zwar noch – was genau die Strahlungsanstiege verursacht hat, liegt derzeit aber noch im Dunkeln.

Radioaktivität wird auf dem Schauinsland bereits seit der Nachkriegszeit gemessen, betont BfS-Präsidentin Paulini: Schon in den 50er-Jahren wurde klar, dass oberirdische Atomtests in der Wüste Nevadas auch im Schwarzwald nachweisbar sind, sagt die studierte Biologin. Entdeckt wurde das eher nebenbei, als Forscher auf dem Berg damit befasst waren, die kosmische Höhenstrahlung zu messen. Seither hat man dort ein Auge aufs Atom geworfen.

In den vergangenen 15 Jahren war die Messeinrichtung auf dem Schauinsland, die von den Mitarbeitern des BfS mehrmals in der Woche aufgesucht und ausgewertet wird, in einer Art Baucontainer untergebracht. Nun hat diese Anlage ihr Rentenalter erreicht. Mit dem neuen Messgerät des US-Herstellers "General Dynamics", der weltweit etwa die Hälfte solcher Messstationen ausstattet, erhält das Team der Behörde auch ein "richtiges" Gebäude drumherum, und der Blechcontainer als Arbeitsplatz hat ausgedient. Zumindest bald, denn in den kommenden Wochen werden sicherheitshalber noch beide Anlagen parallel laufen, bis der neue Messapparat seinen Dienst komplett aufgenommen hat.

Das BfS verfügt dann über eine der modernsten Messstationen für Radioaktivität weltweit, berichtet Bundesumweltstaatssekretärin Rita Schwarzelühr-Sutter (SPD, Wahlkreis Waldshut) am Donnerstag vor Ort. Dass diese Überwachungsarbeit weiter notwendig bleibe, habe zuletzt immer wieder Nord-Korea mit seinen teils heftigen Kernwaffentests bestätigt.

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