Was lange währt, wird endlich gut: In Oberreichenbachs Ortsteil Siehdichfür hat das monatelange Gezerre rund um den Glasfaseranschluss ein Ende. Ab Ende des Monats kann man bereits schnelles Internet bestellen.Foto: Fritsch Foto: Schwarzwälder Bote

Breitbandausbau: Oberreichenbacher Ortsteil Siehdichfür soll jetzt flächendeckend hohe Geschwindigkeiten erreichen können

Um an schnelles Internet zu kommen, mussten sich die Bürger des Oberreichenbacher Ortsteils Siehdichfür lange gedulden. Nun nimmt das lange Gezerre ein gutes Ende. Ab Ende April könne man über den Netzbetreiber und Anbieter "NSWnetz" nun schlussendlich schnelles Internet beziehen.

 

Oberreichenbach-Siehdichfür. Es war ein sich ziehender, sehr langwieriger Prozess, den die Gemeinde Oberreichenbach durchleben musste. Durch ein monatelanges Hin und Her ging das Glasfaser-Projekt nur schleppend voran.

Der Kabelverzweiger in Siehdichfür war vor einigen Monaten noch von der Telekom blockiert worden, die diesen auf der Vectoringliste verortet hatte. Die Gemeinde durfte laut Kistner den Verteilerkasten der Telekom nicht überbauen. Im Januar entschied sich das Telekommunikationsunternehmen aus Bonn dann jedoch, diesen von der besagten Liste zu nehmen und dem Landkreis Calw mit "NSWnetz" den Weg frei zu machen.

Das waren gute Nachrichten für Bürgermeister Kistner. Doch die Bundesnetzagentur stellte sich als weiteres Hindernis heraus. Die Behörde, die den Breitbandausbau in Deutschland steuert und reguliert, sprach von Uneinigkeiten zwischen verschiedenen Telekommunikationsunternehmen. Auch habe Kistner zu der Zeit davon erfahren, dass der Antrag von "NSWnetz" zur Ausbauabsicht wohl mehrfach abgeschmettert wurde.

Zusammenarbeit mit Bernd Land gewürdigt

Mittlerweile sind jedoch alle Hürden überstiegen. Vor allem dank der Zusammenarbeit mit Bernd Land, der beim Landkreis Calw für den Breitbandausbau verantwortlich ist, soll das Projekt in Kürze vollendet werden. Bis Mitte April war eigentlich angesetzt, dass man in Siehdichfür schnelles Internet nutzen könnte. Durch die Corona-Krise habe sich das ganze laut Kistner etwas verschoben. Man könne allerdings bereits beim Anbieter "NSWnetz" einen Vertrag unterzeichnen und dann ab Ende April schnelles Internet bestellen. Der Kabelverzweiger in Siehdichfür, den man aufgerüstet hatte, wird nun also endlich genutzt. Von dort aus sei der gesamte Ortsteil mit einer Internet-Geschwindigkeit von bis zu 50 Mbit/s abgedeckt. "Teilweise sogar mehr", freut sich Kistner. Eine insgesamt sehr starke Verbesserung, vor allem wenn man bedenkt, dass zuvor nur vier Haushalte mit einer solchen Leistung versorgt werden konnten. Zudem kam man bei diesen Haushalten – trotz der damals versprochenen 50 Mbit/s – teils nur auf die halbe Geschwindigkeit. Nun soll sich für den gesamten Ortsteil alles zum Besseren wenden. In Siehdichfür wird man nun über ein FTTC-Netz (Fibre to the curb) versorgt. Glasfaser ist hierbei bis zum Kabelverzweiger verlegt. Von dort aus geht es über Kupferleitungen zu den Häusern – die berühmte letzte Meile.

Großer Verteilerkasten ist noch zu mehr fähig

Der neue große Verteilerkasten sei allerdings zu mehr fähig. Er habe laut Kistner eine hohe Kapazität, sodass auch die Neubaugebiete in Oberreichenbach mit Glasfaser versorgt werden können. Seit Anfang März laufen Bauarbeiten zur Erschließung des Baugebietes "Im oberen Dorf – zweiter Bauabschnitt". Dabei wurde ein Regenwasserkanal vom Reichenbach über die Wein- und Bundesstraße bis in das neue Baugebiet im Bereich des Rathauses gelegt, erklärt der Schultes.

Gleichzeitig werde die Netze BW neue Stromkabel zur Versorgung des Baugebietes und zur Verbesserung der Netzstabilität verlegen. Im Zuge dieser Arbeiten verlege die Gemeinde Oberreichenbach Breitband-Leerrohre. Den Eigentümern der Gebäude der Schulstraße 3 bis 17 sowie der Wildbader Straße 51 bis 60 bietet die Gemeinde an, einen Glasfaser-Anschluss bis ins Haus zu verlegen.

Bandbreiten bis zu 400 Mbit/s möglich

Damit soll extrem schnelles Internet mit einer Geschwindigkeit von bis zu 400 Mbit/s über den Breitbandanbieter "NSWnetz" ermöglicht werden. "In der öffentlichen Straße verlegt die Gemeinde kostenlos das Leerrohrnetz", sagt Kistner. Das Einblasen der Glasfaserkabel in diese Rohre biete die Gemeinde für den Pauschalbetrag von 600 Euro an.

Die Verwaltung habe den Eigentümern empfohlen, dieses Angebot in Betracht zu ziehen. "Für diesen Preis bekommt man so etwas nie wieder", wirbt Kistner. Im ersten Bauabschnitt, der bereits erschlossen ist, werde dieselbe Leistung verfügbar sein.