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Oberreichenbach Kurzfilm wird im Wald gedreht

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Der Oberreichenbacher Wald wurde kurzerhand zum Filmset umgemodelt. Foto: Buck

Oberreichenbach/Brüssel -  Ein Grenzposten im Wald von Oberreichenbach. Ein Filmteam, das an einem Kurzfilm arbeitet. Was das alles mit der Europäischen Union in Brüssel zu tun hat, lesen Sie in unserem SB+ Artikel.

Kameras, Blenden, viele Menschen. Im Oberreichenbacher Wald wird ein Kurzfilm gedreht, unter besonderen Bedingungen. Es geht um Grenzen und die Errungenschaft des grenzenlosen Europas. Der Grund: Die EU-Ratspräsidentschaft Deutschlands.

Hauptdarsteller gehört zur Risikogruppe

"Das ist ja wie bei der Jagd", meint Förster Johannes Fünfgeld, als er auf leisen Sohlen durch den Wald schleicht. Doch der Mann von ForstBW will im Oberreichenbacher Wald keinen Hirsch erlegen, sondern die dort stattfindenden Dreharbeiten zum Kurzfilm "Der Grenzer" nicht stören.

Der Grund für die Dreharbeiten ist Brüssel. Genauer gesagt die EU-Ratspräsidentschaft, die bis zum Ende des Jahres Deutschland inne hat. Deshalb hat man die Initiative "Europa im Film" ins Leben gerufen. Mit dabei sind neben dem Auswärtigen Amt auch die deutsche und baden-württembergische Filmakademie. Von letzterer ist die ganze Schar an Technikern, Kameraleuten und Schauspielern, die sich im Wald nahe des Oberreichenbacher Sportplatzes tummeln. Wobei tummeln in Zeiten von Corona die Lage nicht richtig beschreibt. Am Set herrscht strikte Maskenpflicht für die rund 30 Crewmitglieder - die Schauspieler freilich ausgenommen. Um aber alles sicher zu gestalten, haben sich alle Beteiligten im Vorfeld einem Corona-Test unterzogen. Hauptdarsteller Christian Pätzold ist immerhin 76 Jahre alt, kann getrost zur Risikogruppe gezählt werden. Man wollte kein Risiko eingehen, erzählt Producer Julian Haisch auf dem Weg zum eigentlichen Drehort.

Die Crew ist ganz still

Per Auto und zu Fuß geht es in den Wald - nach wenigen Minuten taucht am Wegesrand ein brummendes Stromaggregat auf. "Das mussten wir noch weiter wegstellen und umdrehen, wegen der Mikrofone", macht der Filmemacher deutlich, wie empfindlich die Technik heutzutage ist. Aber das sei kein Problem: "Das monotone Geräusch kann man später rausfiltern."

Ein paar hundert Meter später eine Reihe von Autos und Sprintern mit Technik, die halb im Graben parken. Das Funkgerät von Haisch piepst: "Technische Probe, bitte Ruhe." Fünfgeld und Haisch pirschen sich auf dem Schotterweg zentimeterweise voran, jeder zu laute Tritt könnte aufgezeichnet werden. Geredet wird kein Wort. Die Abzweigung zum Drehort wird per Zeichensprache erklärt.

Als wäre kilometerweit kein Mensch unterwegs

Jetzt steht man mitten im Wald, gefühlt ist im kilometerweiten Umkreis keine Menschenseele, nur die Vögel und der Wind sind zu hören. "Das ist ja der Trick, dass es so aussieht, als wäre man zwei Stunden reingelaufen, in Wirklichkeit sind es aber nur zehn Minuten", erklärt Haisch. Denn es braucht eben auch die Infrastruktur: "Hier hat jeder Mal Hunger oder muss auf die Toilette." Die Filmemacher von der Filmakademie in Ludwigsburg hatten ein paar Locations im Blick. Auch der Schönbuch war dabei, doch der wäre noch weiter weg gewesen. In Anbetracht der Tatsache, dass die Schauspieler aus Berlin und Wien kommen, ein wichtiger Faktor. "Aus der Gegend kommt keiner", sagt Haisch. Die Schauspieler seien in Hotels in Höfen und Bad Wildbad untergebracht.

Also hat man sich auf den Nordschwarzwald verständigt. "Der hat seinen ganz eigenen Look", blickt sich der Producer im dichten Nadelwald um. Sein Drehbuchautoren-Partner Moritz Lauer war für einen anderen Filmdreh bereits in Bad Wildbad, kannte die Gegend also schon etwas. Ein Problem mit der Forstverwaltung gab es auch nie. "Für uns war klar, dass wir für so ein Projekt offen sind", bekräftigt Fünfgeld: "Das ist eine tolle Geschichte." Sicher, ganz uneigennützig handelt auch ForstBW nicht. Kann man doch später aus Teilen der Aufnahmen für die Selbstpräsentation Kapital schlagen.

"Der Grenzer" folgt nicht blind jedem Befehl

Weiter hinten im Wald sieht man schon die aufgebaute Kulisse. Ein Grenzposten, der Schlagbaum ist hochgeklappt, ein Grenzer sitzt auf dem Stuhl. Das Licht fällt in Flecken zwischen den Bäumen hindurch. Der zu jeder Seite 25 Meter weit gespannte Zaun glitzert in der Sonne. Kameras, Lichter, Blenden - der Aufwand ist riesig. Eine Mitarbeiterin trägt hastig die Akkuladegeräte vom Drehort weg. "Zu laut, die hört man", meint Haisch. Dann ist der Wald plötzlich totenstill. "Klappe, die erste", ruft jemand. Die Szene beginnt.

"Der Grenzer", ein alter Mann, bewacht schon lange seinen einsamen Grenzposten im Wald. Ab und zu lässt er auch Menschen passieren, folgt nicht blind jedem Befehl. Sein Nachfolger steht aber schon in den Startlöchern, will auf Befehl von oben die Grenze dichtmachen. In besagter Szene präsentiert "Der Lehrling", wie er genannt wird, die Anweisung, dass "Der Grenzer" seinen Posten früher räumen muss als vorgesehen. Dagegen wehrt der sich natürlich. Wie es weitergeht? Ob "Der Grenzer" sich über den Befehl hinwegsetzt oder doch abtritt? Das wird nicht klar, denn dann ist die Szene auch schon wieder vorbei.

Nostalgisch, aber dann doch zeitlos

"Eine zeitlose Parabel über Verantwortung, Freiheit und den Mut, Grenzen zu überwinden", soll der rund achtminütige Kurzfilm darstellen. In welcher Zeit der Film spielt? Darauf will sich der 25-jährige Haisch nicht so wirklich festlegen, meint nur: "Der Film nostalgisch, aber zeitlos." Ein Europa mit offenen Grenzen. Diese Errungenschaft will der Film darstellen, spielt damit, was wäre, wenn die Grenzen wieder dicht sind.

Wie das war konnte man während des Corona-Lockdowns vor allem in Grenzregionen am eigenen Leib spüren. Lange Staus, Wartezeiten an den Grenzen, getrennte Liebespaare. Gerade in dieser Zeit hätte die Produktion eigentlich laufen sollen. Eigentlich - wie so vieles, was die Rechnung ohne das Corona-Virus gemacht hat. Der Dreh musste nach hinten verschoben werden, ein paar Anläufe scheiterten an Auflagen. Jetzt hat es endlich funktioniert. Doch auch während der Pause, hat man am Drehbuch gearbeitet. "Da darf kein Stillstand reinkommen, sonst ist das Momentum komplett raus", weiß Haisch.

Wenig Puffer im Zeitplan vorhanden

Stichwort Momentum: Das muss auch an den vier Drehtagen aufrechterhalten werden. Denn viel Puffer haben die Filmemacher an diesem Wochenende nicht. Schief gehen darf quasi nichts. "Wir haben nur intern Spielraum", verdeutlicht Haisch. Klar könne man bei schlechtem Wetter Szenen in der Hütte vorziehen oder auch andere Sachen im Wald drehen. Doch eine Verlängerung ist nur schwer möglich - zu weit weg sind die Schauspieler, zu limitiert ist das Budget. Deshalb werkelt man an diesem sonnigen Freitag auf Hochtouren. Seit 8.30 Uhr ist die Filmcrew hier. Bis 18.30 Uhr wird sie noch vor Ort bleiben.

"Sonntag ist Deadline", hebt der Drehbuchautor noch mal auf den straffen Zeitplan ab: "Der Montag ist eigentlich für den Abbau vorgesehen." Zur ganz großen Not könne man noch Kleinigkeiten in den Kasten bringen, das war’s dann aber auch. Der Abbau geht glücklicherweise einigermaßen flott. Man hat schließlich kein Betonfundament gegossen: "Bei uns muss das nur gut aussehen, nicht lange halten", scherzt der Producer. Gegen ein massives Fundament mitten im Wald hätte abgesehen davon auch Förster Fünfgeld sein Veto eingelegt. Doch der zeigt sich begeistert, die Filmemacher würden alles super machen, den Wald so gut es geht schonen. "Wenn da ein paar Äste umgeknickt sind, macht das nichts aus", macht sich Fünfgeld um den Wald keine Sorgen.

Film wird drei Mal gezeigt

Beim Abbau trifft man sich noch mal an Ort und Stelle, um die gemeinsam ausgesuchte Stelle zu begutachten. Ganz fertig ist der Film dann aber noch nicht. Weil Slowenien die Co-Präsidentschaft hat, arbeiten die Filmemacher auch mit Studenten aus Ljubljana zusammen. Man wollte eigentlich im dortigen Wald einen Drehtag abhalten und eine Szene aus der Ich-Perspektive drehen. Wegen der Corona-Pandemie werden sich Haisch und wenige Kameraleute jetzt wohl privat auf den Weg in die slowenischen Wälder machen. Ob das so klappt? "Wir haben gesagt, wir probieren es zumindest. Wenn dann davon nachher 20 Sekunden im Film landen, ist es gut."

Eines ist aber schon sicher: Der Film wird im Dezember drei Mal gezeigt. An der Filmakademie in Ludwigsburg, dann noch in Berlin und Brüssel im politischen Kontext. Der letzte Satz im Film-Exposé klingt daher, gerade im politischen Kontext, wie eine Warnung: "Eine Geschichte, die dafür sensibilisieren soll, was die Generationen vor uns mit einem grenzenlosen Europa geschaffen haben." Denn in Echt ist auch der Oberreichenbacher Wald viel schöner, wenn der Zaun wieder abgebaut ist.

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