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Oberreichenbach Hündin auf der Suche nach Sprengstoff

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Sprengstoffspürhündin Pila voll in ihrem Element: die belgische Schäferhündin sucht nach verdächtigem Sprengstoff. Foto: Buck

Oberreichenbach - Illegale Sprengstoffe gibt es viele. Sie zu finden, ist für Menschen oftmals unmöglich. Für Sprengstoffsuchhunde wie Pila dagegen ist es ein Spiel. Wie die Hündin leben retten kann und was Pila beim Karlsruher SC sucht, erfahren Sie in unserem (SB+)-Artikel.

Sprengstoffe sind gefährlich. Vor allem, wenn sie in falsche Hände geraten. Um Gefahren abzuwenden, gibt es Sprengstoffspürhunde. Pila aus Oberreichenbach ist eine von ihnen. Sie hatte schon einige Einsätze und findet zielsicher, was sie sucht.

Hündin sucht unbeirrt weiter

Als Pila im Garten loslegt, weht ein leichter Wind. Doch sie lässt sich nicht beirren und sucht weiter. Schnüffelt am Baum, dann am Lagerschuppen, an der Laubtonne, geht zurück zum Ausgangspunkt, setzt noch mal an. Auf der Straße fährt ein Auto vorbei. Eine Kamera blinkt und klickt beim Fokussieren und Auslösen. Doch Pila ist in diesem Moment alles egal. Es könnte wohl ein Hubschrauber auf dem Nachbargrundstück landen und sie würde dennoch weitersuchen. Nach wenigen Minuten legt sie sich ab, ist fündig geworden - in einem unscheinbaren Holzstapel. Der Fund: ein in Plastik verpackter alter Böller.

Private Sicherheitsfirma

Pila ist ein Sprengstoffspürhund. Sie ist darauf trainiert, 15 verschiedene Sprengstoffe zu erschnüffeln. Schwarzpulver, wie im Böller verwendet, ist einer davon. Doch die belgische Schäferhündin ist nicht bei der Polizei oder beim Militär, sondern bei einer privaten Sicherheitsfirma angestellt. Wobei "angestellt" der falsche Begriff ist. Pila ist nämlich vor allem Familienhund, wie Björn und Jennifer Hartmann betonen. Die beiden leiten die gleichnamige Sicherheitsfirma in Oberreichenbach und sind vor knapp einem Jahr auf den Zug Sprengstoffsuche aufgesprungen. Nicht weit verbreitet im zivilen Bereich. Hartmann sagt, seines Wissens sei der nächste Sicherheitsanbieter mit Sprengstoffsuchhund in Gärtringen (Kreis Böblingen) verortet.

Pyrotechnik beim Fußball erschnüffeln

Pila war im Rahmen der Ausbildung schon bei diversen Events auf Sprengstoffsuche. Beim Neujahrsempfang des Wirtschaftsrats Deutschland, wo Gesundheitsminister Jens Spahn als Redner zu Gast war, zum Beispiel. "Da hat der Trainer etwas versteckt, ohne, dass ich das wusste", blickt Hartmann zurück. "Da geht einem schon kurz die Düse", gibt die 35-Jährige zu. Innerhalb weniger Minuten hatte Pila den Sprengstoff entdeckt. Auch beim Fußball-Zweitligisten Karlsruher SC ist die Hündin im Einsatz – Pyrotechnik wird hier gesucht. "Da ist der KSC im wahrsten Sinne des Wortes ein gebranntes Kind", scherzt Björn Hartmann. Abgesehen von der Mission, zündelnde Randale-Chaoten von Fußballstadien fernzuhalten, geht es eben auch um die Absicherung von Veranstaltungen.

Kleine Masse reicht für große Detonation

Denn heutzutage müsse man keine Dynamitstangen mehr aneinander kleben, um für eine veritable Detonation zu sorgen. "Da denkt man eher, da hat ein Kind seine Knetmasse vergessen", beschreibt Hartmann eine Substanz. Ihr Mann Björn ergänzt: "Bei modernen Stoffen reichen 20 Gramm für ein Attentat - da ist nicht mehr viel übrig." Und genau deshalb braucht man Hunde wie Pila, die Sprengstoffe zielsicher erschnüffeln. Zumal Menschen die Stoffe schlicht nicht riechen können. Ein Hund hat nämlich 220 Millionen Riechzellen in der Nase - Menschen lediglich um die fünf Millionen. "Jeder Hund entwickelt da sein eigenes Suchsystem", erklärt Hartmann und ergänzt: "Man muss den Hund selbstständig suchen lassen. Wenn da irgendwo was ist, dann sucht der Hund solange, bis er was findet." Die Vierbeiner würden stets die Quelle des stärksten Geruchs suchen, um das Sprengobjekt zu finden. Manche Situationen könnten aber auch überfordernd wirken: "Wenn in einem Raum zum Beispiel 300 Kilo Sprengstoff sind, dann riecht der ganze Raum danach." Da sei es für den schnüffelnden Vierbeiner mitunter schwierig, die Quelle auszumachen beziehungsweise dauere das dann eben deutlich länger. Um auch solche Situationen zu trainieren, werden bei den Übungen auch mal größere Mengen Sprengstoff im Plastikrohr deponiert.

Einfaches Plastikrohr dient als Köder

Stichwort Dauer: 15 Monate dauert die Ausbildung zum Sprengstoffspürhund. Im Alter von vier Monaten gehe es los mit der Ausbildung im Schutzdienst. Dabei geht es laut Hartmann wie bei jedem anderen Hund auch zunächst um Gehorsam und Vertrauen. Dann startet langsam die Fährtenarbeit, immer unter dem Deckmantel des Spiels.

Ein simples Plastikrohr dient zum Beispiel bei Pila als Köder. Anfangs ist das Rohr leer, dann kommen nach und nach andere Sprengstoffe hinein. Der Hund verknüpft dann das Spielzeug mit den Gerüchen der Stoffe, sucht also gleichzeitig Spielzeug und Sprengstoffgeruch. Irgendwann wird mit dem Plastikrohr nur noch "angespielt". Bei erfolgreichem Sprengstofffund gibt es dann das Plastikrohr zum Spielen als Belohnung.

Keine Hundestaffel mehr in Calw

Das ist auch bei Pila so. Nachdem sie die Tüte mit dem Böller gefunden hat, stürzt sie sich vor Freude auf das blaue Plastikrohr. Atemberaubend dabei die Geschwindigkeit und Reaktionsschnelligkeit, mit der die junge Hündin dem Rohr nachjagt. Belgische Schäferhunde seien ohnehin etwas nervöser beim Suchen, erklärt die Hundeführerin. Aber Pila, die die Hartmanns vor einem Jahr als Welpe bekamen, ist von besonders quirliger Natur. "Die kriegst du nur mit Suchen ruhig", meint Hartmann. Erst kürzlich war sie wieder in Dresden beim Sprengstofflehrgang. Auch in diesem Bereich entwickle sich alles weiter. Man habe eine kleine Sprengkette, auf der nur wenige Gramm auf einen Meter Schnur verteilt sind, um einen Baumstumpf gewickelt. Der sei einfach zerfetzt worden. "Da bekommt man dann schon auch Respekt vor dem Zeug", erklärt die 35-Jährige. Hartmann war bis 2015 viele Jahre bei der Polizei, unter anderem auch in Calw. Doch da klappte es nicht mit ihrem Traum Hundeführerin. Calw hat nämlich keine Hundestaffel mehr - bei Bedarf rücken Vierbeiner aus Tuttlingen oder Pforzheim an.

Einstieg in Sicherheitsfirma

Daher entschloss sie sich, bei den Ordnungshütern den Dienst zu quittieren und in der Sicherheitsfirma einzusteigen. Jetzt hat sie sich auch den Traum des eigenen Diensthundes erfüllt. Gerade die persönliche Bindung ist wichtig, um Vertrauen zu schaffen. "Das macht viel aus", erzählt die Ex-Polizistin. Bei einer Übung auf der Wildline-Hängebrücke in Bad Wildbad wird das nötige Vertrauen deutlich. Die Hunde mussten über die 60 Meter hohe Hängebrücke laufen. Der Gitterboden ist dabei für die Pfoten besonders unangenehm. "Höhe, verschiedene Untergründe, andere Umgebungen, all das muss man mit den Hunden trainieren. Dazu braucht es eben eine enge Bindung", sagt Hartmann.

Viel Training und Geld nötig

Doch das ganze Training kostet auch ordentlich Geld. 15.000 Euro müsse man schon veranschlagen, bis Hund und Hundeführer fertig ausgebildet sind, rechnen die Oberreichenbacher Sicherheitsexperten vor. Neben der eigentlichen Prüfung muss man natürlich auch den Hund auf dem aktuellen Stand halten, wenn es neuartige Sprengstoffe gibt. Eine jährliche Zertifizierung soll die Tauglichkeit des Hundes bestätigen. Hinzu kommt wöchentliches Training auf dem Hundeplatz.

Einsatz beim KSC

"Die Prüfung an sich ist da nur der kleinste Teil", erklären die Hartmanns. Bei Pila wäre das eigentlich im Sommer soweit gewesen - doch wie so vieles, hat auch hier das Coronavirus die Pläne gesprengt. Auch wenn die offizielle Prüfung noch fehlt, hat Pila schon ein Einsatzgebiet. Beim KSC wird sie in der kommenden Saison regelmäßig nach verbotener Pyrotechnik suchen. Dann müssen die Kicker auf dem Rasen für ein Offensivfeuerwerk sorgen - denn auf den Rängen wird dank Pila wohl kein Rauchtopf mehr gezündet.

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