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Oberreichenbach Hochsicherheitstrakt gegen Wolf nötig?

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Engagierte Landwirte: Michael Haist (von links), Markus Dietz, Angelina Burkhardt, Hans-Jochen Burkhardt, Andreas Lamparth und Katharina Jonas machen sich Sorgen um ihre Existenz. Foto: Mutschler

Oberreichenbach-Würzbach - Andreas Lamparth ist aus Altensteig, Markus Dietz aus Neuenbürg und Michael Haist sogar aus Baiersbronn gekommen. Sie alle treffen sich bei Hans-Jochen Burkhardt in Würzbach, um auf ihre Sorgen aufmerksam zu machen. Burkhardt ist Vorsitzender des Arbeitskreises Mutterkuhhaltung Nordschwarzwald/Gäu.

Die neue "Förderkulisse Wolfsprävention" sorgt dafür, dass Schaf- und Ziegenhalter Förderung für Herdenschutzmaßnahmen erhalten. Rinderhalter hingegen bekommen  keine Förderung. Die Tierhalter fühlen sich nicht nur deshalb alleingelassen.

"Mutterkuhhaltung" bedeutet, dass das weibliche Rind nicht zur Milchproduktion gehalten wird. Stattdessen zieht es sein Kalb in den ersten zehn Lebensmonaten auf. Das geschieht im Stall – und vorwiegend auf der Weide.

Burkhardt selbst hat 90 solcher Mutterkühe. Insgesamt gibt  es im Nordschwarzwald laut seinen Angaben rund 25.000 Mutterkühe mit Nachzucht, also rund 50.000 Großvieheinheiten mit einer Weidefläche von 50.000 Hektar. Die Kühe sind das ganze Jahr über draußen: entweder in sogenannten Offenställen oder eben auf der Weide. Dort werden im Normalfall auch die Kälber geboren – artgerechte Haltung also, ohne Arzneimittel und Kraftfutter.

Mit ihren Tieren führen die Landwirte laut  Burkhardt  auch Landschaftspflege durch, und sie unterstützen die regionale Fleischerzeugung. "Wir machen alles, was seit Jahren gefordert wird. Und jetzt haben wir die Probleme." Denn gerade diese Art der Haltung mit großen Weiden, meist in Waldnähe, und die offenen Ställe machen die Rinder zu idealen Zielen für den Wolf, befürchten die Mutterkuhhalter. Besonders gefährdet sind  die Kälber direkt nach der Geburt. "In den ersten drei Wochen sind sie noch wackelig auf den Beinen, einfach Babys", sagt Burkhardt. Aus Angst um die Tiere wurden in diesem Jahr alle seine Kälber im Stall geboren – anstatt auf der Weide.

Aus wirtschaftlichen Gründen sei  man also jetzt gezwungen, die Kühe wieder im Stall zu halten. Und selbst die Offenställe seien "nie wolfssicher. Man müsste alles zumachen", sagt Burkhardt. Er  befürchtet, dass er den Hof komplett einzäunen muss: "Ein Hochsicherheitstrakt wie an der deutsch-deutschen Grenze. Da sind keine Wölfe drüber gekommen." Entweder der  Wolf oder  Tiere auf der Weide: "Beides zusammen funktioniert nicht", ist er sich sicher.

Nun müsste man  doppelt einzäunen, damit die Kälber die Weide nicht verlassen. "Das dauert in Zukunft sehr viel länger", sagt er. Und will damit auf ein Problem hinweisen, das "niemand wahrnimmt". Die Nebenerwerbslandwirte betreiben die Zucht aus Idealismus und Tradition. Und er befürchtet, dass gerade die kleinen Betriebe irgendwann nicht mehr rentabel sind und die Züchter aufgeben. 150 Jahre lang habe es keine Probleme gegeben, "aber wenn du nur noch Theater hast, überlegst du es dir", sagt er. Frustriert  fügt er an: "Das System funktioniert nur noch, weil es so Idioten gibt wie uns.

Lässt sich ein Rudel nieder, so steigt die Gefahr eines Übergriffes schnell an

Übergriffe des Wolfs auf Rinder seien selten, habe ihm das Landesumweltministerium mitgeteilt. Deshalb sind Rinder- und Pferdehalter auch von der "Förderkulisse Wolfsprävention" ausgenommen. Das heißt, sie müssen nicht die von Schäfern geforderten Herdenschutzmaßnahmen erfüllen, um im Falle eines Wolfsangriffs entschädigt zu werden. Dies wäre  auch gar nicht möglich, erklärt Burkhardt. Er bezweifelt, dass Zäune einen wirksamen Schutz bieten. Auch würden Herdenschutzhunde in Verbindung mit Kühen nicht funktionieren –  zumal die Weiden oftmals nahe der Wohnbebauung seien. Er glaubt außerdem nicht, dass Rinder nicht in Gefahr seien.

Die Zahlen aus dem Jahr   2016 geben Aufschluss darüber: Reinhold Rau, Leiter des Dezernates Land- und Forstwirtschaft und Verbraucherschutz im Landratsamt Calw, bezog sich in seinem Sachstandsbericht zum Thema Wolf in der jüngsten Sitzung des Umweltausschusses des Calwer Kreistags auf Zahlen der Dokumentations- und Beratungsstelle des Bundes zum Thema Wolf (DBBW).

So seien 60 bestehende Wolfsrudel, 13 Paare ohne Nachwuchs sowie drei Einzeltiere nachgewiesen worden. 2016 habe es  285 Wolfsübergriffe mit 1079 getöteten Tieren gegeben, darunter 855 Schafe und 67 Rinder. Die Gefahr der Angriffe auf Rinder steige, wenn sich in dem Gebiet ein Rudel niedergelassen habe, was nach Ansicht von Experten spätestens in fünf bis zehn Jahren der Fall sein dürfe.

Burkhardt selbst habe bereits zwei Vorfälle, möglicherweise mit dem Wolf, in seinen Herden gehabt. Der erste ist im Mai 2017 gewesen. Manchmal passiert es, dass ein Rind bei der Geburt des Kalbs die Gebärmutter mit her­aus drücke. Bei dem Vorfall im Mai ist genau das geschehen und "die komplette Gebärmutter gefressen" worden. "Das sind 40 Kilo Fleisch. Füchse machen das nicht", ist er sich sicher.

Zwei Wochen später seien auf der gleichen Weide die Litzen des Elektrozauns her­untergedrückt gewesen. In diesem Zaun findet  Burkhardt Haare, die er in einem ­DNA-Beutel sicherte. Erst im Dezember, also nach der Wolfsattacke in Meistern, einem Stadtteil von Bad Wildbad, habe er sie an die Forstliche Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg (FVA) in Freiburg geschickt. Das Ergebnis erhielt er auf Nachfrage kurz vor Weihnachten: "Hundeartige Haare", also von Hund, Fuchs – oder eben Wolf. "Diese Herde ist den ganzen Sommer auf Hunde losgegangen", erzählt er,  und ist sich sicher: "Irgendwas war da. Ob es ein Wolf war, können wir aber nicht sagen." Wenn man Hans-Jochen Burkhardt  reden hört, ist aber klar, dass für ihn diese Vermutung naheliegt.

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