Auf der kleinen Bühne in Oberkollbach ging es zur Sache. Foto: Verein Foto: Schwarzwälder Bote

Kultur: Zwischen Käsewürfel und Haushaltsführung

Oberreichenbach-Oberkollbach. Wenn Käsewürfel unter den Teppich gekehrt und Klopapierrollen zum Fenster rausgeworfen werden, wenn Wäsche gehobelt und nicht gebügelt wird, dann befindet man sich entweder in einem Haushalt, in dem so einiges schief läuft, oder eben beim Theater des SV Oberkollbach.

 

Haushalt ist easy und lässt sich deshalb so ganz nebenbei erledigen, sagen die Männer. Und davon kann Maria ein Lied singen. Alles läuft seinen gewohnten Gang bis zu dem Tag, an dem herauskommt, dass es nicht allzu rosig um die Schreinerwerkstatt bestellt ist.

Maria wirft ihrem Heinz Inkompetenz im Geschäft vor und Heinz seiner Maria, dass er den Haushalt mit links bewerkstelligen würde. Gesagt getan, handeln beide einen Deal aus. Papa übernimmt den Part von Mama und Mama den von Papa. Und so beginnen vier turbulente Tage.

Mit Sandra und Andre Rexer in den Hauptrollen war die Komödie "Haushalt für alle" von Beate Irmisch hervorragend besetzt. Die Streitigkeiten der Eheleute wirkten so lebensecht, dass man den beiden, im echten Leben Geschwister, unterstellen könnte, sie hätten ihre Szenen nicht nur in knapp 40 Proben eingeübt, sondern schon ihr ganzes Leben lang.

Akteure können glänzen

Auch in den Nebenrollen konnten die Akteure glänzen. Michaela Erlenmaier gab die zunächst steife Sekretärin Luise, die unter der Leitung ihrer neuen Chefin aufblühte; den Glasermeister Strunzel, der erst Maria den Hof machte, bevor er dann doch in Luise die Richtige fürs Büro und fürs Leben finden konnte, wurde von Jens Kraft gespielt.

Tochter als Zicke

Nina Rentschler verkörperte Betty, die Tochter des Hauses, so verwöhnt, dass man sie getrost als Zicke bezeichnen konnte. Pascal Bertsch, der neben der Aufgabe der Co-Regie auch die Rolle des fleißigen und immer gut gelaunten Gesellen Hannes übernommen hatte, war dagegen das vermeintlich einfache Opfer, der Betty aber zum Schluss gehörig die Meinung geigen durfte.

Carmen Kirchherr als Oma Else und Klaus Schlecht als Opa Viktor stritten um Gebisse, versuchten sich in Yoga, erzählten einen Flachwitz nach dem anderen und kamen leicht angeschwipst vom Altennachmittag heim. "Wenn man sieht, wie manche Zuschauer Tränen lachen, braucht man nichts mehr hinzuzufügen", so Schlecht, der schon 19 Spielzeiten miterlebt hat.

So kann die Theatergruppe in ihrer Jubiläumssaison auf drei äußerst erfolgreiche Wochenenden zurückblicken. Stefan Kirchherr, der als Moderator durch den Abend führt, meint: "Eng ist es bei uns nicht. Höchstens klein. Dafür aber fein."

Tatsächlich sind die kleine Bühne und die enge Bindung zum Publikum ein Alleinstellungsmerkmal in der Region. Bis auf den letzten Platz waren alle Vorstellungen ausverkauft und auch die schauspielerische Leistung war der Höhepunkt der bisherigen Entwicklung. SVO-Vorstand Timo Seeger und Regisseur Alex Bross ziehen daher ein einstimmiges Fazit: "Besser hätte es nicht laufen können."