Die Produkte aus der Gemeinde sollen geliefert werden. Foto: ©P roxima Studio – stock.adobe.com

Lebensqualität: Gemeinde Oberreichenbach möchte eigenen digitalen Marktplatz etablieren

Die Gemeinde Oberreichenbach bekommt einen digitalen Marktplatz. Eine Maßnahme, um die Lebensqualität im ländlichen Raum zu steigern.

Oberreichenbach. Im Kampf gegen den Verlust an Lebensqualtität im ländlichen Raum startet die Gemeinde Oberreichenbach in das nächste Kapitel einer schon mehr als zehn Jahre bestehenden Erfolgsgeschichte. Der digitale Marktplatz in Oberreichenbach soll nun Gestalt annehmen, um möglichst viele Betriebe sichtbar zu machen und möglichst vielen Einwohnern ein neues Serviceangebot zu bieten.

Begonnen hatte alles schon 2009 mit der Idee, als eine von fünf Projektkommunen der KoDa eG herauszufinden, wie man durch genossenschaftliche Organisation die Lebensqualität in ländlichen Kommunen steigern könnte. Das Problem sei zum einen die demografische Entwicklung mit immer mehr älteren Menschen, die gerne zuhause betreut werden wollen und dem Rückzug der örtlichen Nahversorgung mit Lebensmitteln, Gütern des täglichen Bedarfs, Post, Banken, Gastronomie und Dienstleistungen, so Bürgermeister Karlheinz Kistner. Wenn der einzige Laden vor Ort schließe, die Dorfkneipe zu mache und sich das kulturelle Angebot auf das Schützenfest eines Vereins beschränke, der keinen Jugendwart mehr hat, fliehe die junge Bevölkerung in die Städte. Übrig bleiben dann Kommunen, die in Bezug auf Lebensqualität nicht überzeugen können.

Verein gegründet

Um diesen Kampf aufzunehmen, entwickelten sich in Oberreichenbach in den vergangenen Jahren unterschiedliche Projekte. Mit der Gründung von "Für uns in Oberreichenbach" organisierte sich nachbarschaftliche Hilfe in Form eines Vereins, der die Bereiche der Versorgung älterer Menschen abdecken soll, die nicht durch die Leistungen der Sozialverbände abgedeckt sind – also Hol- und Bringdienste, soziale Betreuung und Unterstützung im Alltag.

Das Bürgerauto Oberreichenbach folgte dann vor fünf Jahren und leistete in der Versorgung älterer Menschen gerade in Pandemiezeiten einen großen Beitrag. Am 7. Oktober feiert der Dorfmarkt Oberreichenbach fünfjährigen Geburtstag. Mit dem Dorfmarkt konnte die Versorgung mit Lebensmitteln in Oberreichenbach gesichert werden. Das kommunale Einzelhandelsgeschäft konnte aufgrund der hohen Prüfungskosten einer Genossenschaft nicht als solche ins Leben gerufen werden und existiert heute als UG, für die viele Einwohner und Unternehmen einen Anteil gezeichnet hatten, um so die Investitionssumme von 40 000 Euro zusammen zu bekommen.

Im nächsten Schritt soll nun ein digitaler Marktplatz entstehen. Gerade in der Pandemie habe sich gezeigt, wie wichtig es sei, Lebensmittel auch online bestellen zu können und diese bis an die Haustür geliefert zu bekommen, so Bürgermeister Kistner. Man gehe nun den logischen weiteren Schritt und baue die lokale Versorgung auch digital aus.

Cashback-Karte geplant

Da die Programmierung eines eigenen digitalen Marktplatzes zu viel gewesen wäre, habe man sich für das Portal "KaufinBW" entschieden. Die Kommune Oberreichenbach übernimmt zudem die einmalige Aufnahmegebühr eines jeden lokalen Unternehmens. Nun gelte es, neben der Digitalisierung der Produkte des Dorfmarktes, sowohl die Unternehmen der Kommune als auch die Bürger von diesem Angebot zu überzeugen. Unterstützt werde die Aktion durch eine eigene Cashback-Karte. Wer sich als Kunde registriert und bei den teilnehmenden Unternehmen und im Dorfmarkt einkauft, erhält eine Rückerstattung in Form unterschiedlich hoher Prozente. Da der Dorfmarkt ohne Gewinnerzielungsabsicht wirtschafte und die Einkaufsvorteile als Einzelhändler an die Kunden zurückgeben kann, ist dies für alle Beteiligten eine Win-Win Situation, betont der Bürgermeister.

Zudem erhält der Dorfmarkt und der Verein "Für uns in Oberreichenbach" am 7. Oktober ein neues Fahrzeug durch die Aktion "VRMobil". Das Projekt VRmobil ist eine gemeinsame Aktion der deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken in Zusammenarbeit mit den genossenschaftlichen Gewinnsparvereinen. Mit Geldern aus dem Gewinnsparen werden gemeinnützige Institutionen in der Region unterstützt. Mit diesem Fahrzeug sollen dann nicht nur Waren der regionalen Erzeuger für den Dorfmarkt abgeholt werden. Auch Onlinebestellungen über den digitalen Marktplatzt können so regional ausgeliefert werden.

Für das kommende Jahr will Kistner dann seine Bewerbung für einen richtigen Marktplatz in Oberreichenbach beim ELR-Förderprogramm einreichen. Dieser soll – wie soll es auch anders sein – gegenüber dem Dorfmarkt entstehen. Neben entsprechender Fläche für Marktangebote soll ein Spielplatz und ein Car-Sharing Angebot dort Platz finden.

Man müsse durch diese Form der Organisation und Einbindung aller Bürger die Möglichkeit schaffen, all diese Angebote zu verstetigen, denn oftmals hänge das vorhandene ehrenamtliche Angebot von den konkreten Personen ab, die dies anböten. Durch die Schaffung von Organisationsformen, die durch die gesamte Bürgerschaft zum Beispiel genossenschaftlich getragen würden, sichere man sich diese Angebote auch für die Zukunft, argumentiert er.

Für Bürgermeister Karlheinz Kistner zählen bei all diesen Projekten eigentlich immer nur drei Worte. "Just do it", einfach machen. "Man kann vieles zerreden, wir packen es einfach an", so der Bürgermeister