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Oberreichenbach Die letzte Chance für Würzbach?

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Sie wollen ein Gegengewicht zu den Unterstützern des Bürgerbegehrens bilden und zeigen, dass es auch eine andere Seite gibt: Die WhatsApp-Gruppe namens "Pro Würzbach" hat bereits rund 80 Mitglieder – hier hat sich ein Teil davon in der Waldstraße versammelt. Foto: Privat Foto: Schwarzwälder Bote

Die geplante Erschließung eines neuen Baugebiets nördlich der Waldstraße in Würzbach hat bereits für hitzige Diskussionen gesorgt. Jetzt meldet sich eine Gruppe junger Würzbacher zu Wort: Sie fürchten, dass der Ort ohne neue Bauplätze ausstirbt.

Oberreichenbach-Würzbach. "Wenn das Baugebiet nicht kommt, ist es zu spät für Würzbach", sagt André Schroth. Er selbst hat nach knapp vierjähriger Suche, "Klinken putzen"­ bei Eigentümern, Mehrkosten für nachher hinfällige Anträge und der Überwindung zahlreicher bürokratischer Hürden einen Bauplatz in Würzbach gefunden. Doch er fragt: "Welcher normal denkende junge Mensch nimmt diesen Aufwand auf sich, um in Würzbach zu bleiben?"

Hintergrund ist ein Bürgerbegehren auf Initiative von Bewohnern der Waldstraße, die sich zur "Interessengemeinschaft zum Erhalt des Landschaftsschutzgebietes nördlich der Waldstraße" zusammengeschlosssen haben. Sie haben bereits mehr als 200 Unterschriften gegen das neue Baugebiet gesammelt (wir berichteten). Dafür wurde laut Schroth mit Stichwörtern wie "Flächenrodung" und "Brachland" argumentiert. Das streitet Sigrun Frey, eine der Initiatoren des Bürgerbegehrens, ab. Auf Nachfrage des Schwarzwälder Boten erklärt sie, dass man lediglich in einem Brief an die Gemeinderäte von "Rodungswüste" gesprochen habe – allerdings im Vergleich zum Interkom-Gewerbegebiet. Dass in Wahrheit durch die Erschließung mit rund 3,3 Hektar nur etwa 0,5 Prozent der Gesamtfläche des Würzbacher Waldes wegfallen würden, sei bei der Unterschriftenaktion aber nicht erwähnt worden, so Schroth. Er, sein Bruder Marcel und drei weitere Freunde – alle im Alter zwischen 27 und 32 Jahren – wollen vor allem "Aufklärung" betreiben, damit einerseits die Unterschriftengeber erfahren, welche Konsequenzen ein Bürgerbegehren haben kann. Andererseits soll der "starke Jahrgang" von Würzbachern ihrer Generation im Ort bleiben können.

Gruppe auf rund 80 Mitglieder gewachsen

Denn sie "hängen" an Würzbach und wollen sich dort dauerhaft niederlassen. Zwei von ihnen mussten aber bereits in Mietwohnungen auf den Wimberg und nach Sommenhardt ziehen – weil sie in Würzbach keinen Bauplatz finden. Tatsächlich gibt es laut Bürgermeister Karlheinz Kistner aktuell keinen einzigen öffentlichen Bauplatz im Ort. Schroth verweist auf etwa 20 private Flächen – die seien aber "kritisch"­ zu sehen, weil die Möglichkeit einer Bebauung dort nicht geprüft sei. So bezeichnet er auch das Argument der Baugebiet-Gegner, dass es doch genügend andere freie Flächen gebe, als "falsch".

Schroths Freund Jan Grzybowski, der vor neun Jahren nach Würzbach zog und inzwischen mit seiner jungen Familie das zweite Kind plant, sagt: "Wenn wir in zwei Jahren nicht bauen können, müssen wir hier weg." Einen Großteil der vergangenen neun Jahre habe er vergeblich einen Bauplatz gesucht; bis heute wohne er mit Frau und Kind in einer Mietwohnung.

Doch die fünf jungen Würzbacher sind nicht allein: Nachdem sich das Bürgerbegehren im Spätsommer 2017 formiert hatte, sei das Thema bereits in einer geschlossenen Facebook-Gruppe, der nur Würzbacher angehören, hitzig diskutiert worden. Bevor das Bürgerbegehren im Dezember in der Gemeinderatssitzung Thema wurde – das Gremium lehnte es wegen eines Formfehlers ab – hatte Marcel Schroth eine WhatsApp-Gruppe namens "Pro Würzbach"­ gegründet. Man habe in der Sitzung Präsenz zeigen wollen, um zu signalisieren, dass es neben der Interessengemeinschaft der Baugebiet-Gegner auch eine "andere Seite" gebe. "Im schlimmsten Fall denkt der Gemeinderat, die Mehrheit will keine neuen Bauplätze", so Schroth. Der Gruppe "Pro Würzbach" seien mittlerweile rund 80 Bürger beigetreten.

Dabei betonen die jungen Männer, dass sie keine Spaltung oder gar Streit provozieren wollen. Sie hoffen, mit den Initiatoren des Bürgerbegehrens "einen gemeinsamen Nenner" ­zu finden. Dabei zeigen sie ausdrücklich auch Verständnis für die Bewohner der Waldstraße.

Denn wie Bürgermeister Kistner auf Nachfrage bestätigt, bestehen mit einem Teil der Anwohner in der Waldstraße Pachtverträge, die die Nutzung eines 30 Meter breiten Streifens zwischen Grundstücken und Waldgebiet regeln: Diese Flächen entsprechen dem sogenannten Waldabstand, der laut Gesetz zwischen Bauplatz und Wald bestehen muss. Die Vereinbarung regelt laut Kistner, dass die Anwohner diese Verlängerung ihres Grundstücks pflegen und die "Verkehrssicherheit" – etwa durch Beschneiden von Bäumen – gewährleisten müssen.

Für Waldstraße musste auch gerodet werden

Dafür dürfen sie die Flächen privat nutzen. Mit einer Erschließung des neuen Baugebiets würde sich dieser Waldabstand nach Norden verlagern – und laut Kistner wäre es wahrscheinlich, dass die Gemeinde die Pachtverträge mit den Anwohnern kündigen würde. Einige Grundstückseigentümer würden also eine Verlängerung ihres Gartens verlieren, die seit mehr als 30 Jahren existiert. Das aber, sagen die Baugebiet-Gegner, sei kein Grund für die Initiative. Die Anwohner würden die Flächen nur pflegen und könnten gut darauf verzichten. Ihnen gehe es allein darum, dass durch die Erschließung ein Teil des Landschaftsschutzgebiets wegfalle.

Anfang der 1980er-Jahre war die Waldstraße übrigens im Zuge einer ähnlichen Baugebiets-Erschließung entstanden, wie sie nun wieder stattfinden soll: "Die Anwohner, die sich heute gegen ein neues Baugebiet wehren, haben vor 30 Jahren von genau der gleichen Maßnahme profitiert", so Schroth. Manfred Pfrommer, Waldstraßen-Bewohner und Mitglied der Interessengemeinschaft, widerspricht: "Zur Zeit des Grundstücksverkaufs in den 1970er-Jahren war das aber noch kein Landschaftsschutzgebiet." Und ein Teil der heutigen Waldstraße sei bereits bebaut gewesen. Außerdem sei es "nicht korrekt", dass es sonst keine Bauplätze in Würzbach gebe. Bürgermeister Kistner berichtet, dass zumindest ein Großteil der heutigen Waldstraße vor 1980 noch Waldgebiet gewesen sein muss. Zudem betont Christian Reichle, ebenfalls Mitglied in der "Pro Würzbach"-Gruppe sowie im Gemeinderat, dass auch Würzbach als Ort von neuen Bauplätzen profitieren würde. Schließlich könnten junge Familien eine Gemeinde auch wirtschaftlich und infrastrukturell aufwerten. So setzen die jungen Würzbacher weiter auf den Dialog und hoffen, dass gar kein zweites Bürgerbegehren zustande kommt. Laut Kistner wird das Baugebiet "Nördlich der Waldstraße" nach Abschluss aller Planungs- und Prüfaufträge im Frühjahr wieder Thema im Gemeinderat sein. Er betont, dass er zwischen beiden Seiten vermitteln will und ruft dazu auf, "ganz in Ruhe" die Ergebnisse dieser Aufträge abzuwarten. Dann sollen alle Daten und Fakten zu dem Thema objektiv in einer Informationsbroschüre zusammengefasst werden.

Dass sich Anwohner gegen Veränderungen in ihrer Umgebung wehren, wenn sie darin keinen Vorteil für sich selbst sehen, ist beinahe alltäglich. Aber nur äußerst selten setzen sich junge Bürger ausdrücklich für eine Veränderung ein. Die Gruppe "Pro Würzbach" sucht den Dialog, sie informiert sich bei Rathaus und Landratsamt über ihre Möglichkeiten – und wünscht sich, dass der Würzbacher Wald einen Bruchteil seiner Bäume verliert. Das soll der Preis dafür sein, dass auch künftig junge Menschen in Würzbach wohnen und der Ort noch attraktiver wird. Bürgermeister Karlheinz Kistner sieht sich momentan zurecht als Vermittler und pocht auf objektive Fakten. Bevor ein neues Bürgerbegehren möglich wird, muss vor allem die Frage geklärt werden, ob es wirklich auch ohne das Baugebiet "Nördlich der Waldstraße" genug Bauplätze in Würzbach gibt.

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