Fürs Foto haben Berta und Heinz Hölzle zum Gespräch mit dem "Schwarzwälder Boten" kurz den Mund- und Nasenschutz abgestreift.Foto: Schabert Foto: Schwarzwälder Bote

Jubilare: Im Leben viel gemeinsam geleistet / Der diamantenen Hochzeit folgt jetzt der 90. Geburtstag des Würzbacher Schmieds

Zwei großer Ereignisse auf einen Streich: Heinz und Berta Hölzle sind inzwischen seit 60 Jahren verheiratet – quasi gleichzeitig wird Heinz Hölzle jetzt 90 Jahre alt. Der Würzbacher Schmied blickt auf ein bewegtes Leben zurück.

Oberreichenbach-Würzbach. Wer mit Heinz und Berta Hölzle zusammensitzt und plaudert, hat das Gefühl, ein viel jüngeres Ehepaar vor sich zu haben. Wahrscheinlich haben vielfältige Arbeit und Interessen sie geistig jung gehalten. Im vergangenen Jahr durften beide am 22. April die diamantene Hochzeit begehen. Am Sonntag hat der am 31. Januar 1931 geborene Heinz Hölzle seinen 90. Geburtstag. "Das Feiern holen wir nach", schaut Heinz Hölzle frohgemut in die Zeit nach Corona.

Die Pandemie ließ 2020 wie jetzt größere Festlichkeiten nicht zu. Sonst hätten sicher die Gratulanten Schlange gestanden. Denn die rüstigen Senioren haben natürlich eine große Familie, viele Bekannte, Freunde und alte Geschäftspartner. Aber es gibt lediglich Einzelbesuche der beiden Töchter, des Sohnes – ein weiterer Sohn ist 1976 tödlich verunglückt –, der fünf Enkel und drei Urenkel.

Mit dem Kegeln, das die Hölzles in der Freizeit gemeinsam pflegten, haben sie nach 40 Jahren vor einem Jahrzehnt aufgehört. Bis vor fünf Jahren gingen sie noch regelmäßig mit dem Schwarzwaldverein Calw auf Wanderung. "Das haben wir viel zu spät begonnen", sind sich beide einig. Aber nach wie vor pflegen sie mindestens zwei Mal pro Woche eine ordentliche Spazier-Runde. "Wenn nicht gerade auf Sky ein Fußballspiel daran hindert", bemerkt augenzwinkernd Tochter Karin Schroth. Denn beide sind auch Fußballfans und lassen sich besonders den VfB Stuttgart nicht entgehen.

Dann ist Heinz Hölzle noch mit seiner Vogelzucht beschäftigt. "Da muss ich heute noch die Voliere säubern", denkt er an die anstehende Arbeit. Im Käfig im Gartenhaus zwitschern und flattern meist um die 20 bunte Kanarienvögel. Kennengelernt haben sich die vor 60 Jahren Vermählten, als sie mit einer Freundin sonntags im Café in Martinsmoos eingekehrt war und sich mit dieser auf den Heimweg machte. Er kam zufällig mit zwei Freunden mit dem Auto vorbei und sie boten den Mädels an, diese den weiten Weg heim nach Schönbronn zu fahren. Es sollte nicht die letzte Begegnung sein. "Mir fielen gleich seine schönen blauen Augen auf", schwärmt Berta Hölzle heute noch. Dass ihr und sein Vater sowie er selber Schmied waren, war Zufall, aber passte.

Einstieg ins familiäre Handwerksunternehmen

Den Beruf erlernt hat Heinz Hölzle bei seinem Vater Jakob Hölzle. Der Senior war 1926 Gründer des immer wieder dem Lauf der Zeit angepassten Betriebs. Nach Lehre ab 1949 und Meisterprüfung 1956 stieg der Schmied und Fahrzeugbauer in das elterliche Handwerksunternehmen ein.

Der junge Meister betätigte sich besonders auch im Wagenbau. Die hölzernen Räder dazu bezog er vom "Wägner Gwinner", die Eisenreifen zog er auf. Sein Können als Hufschmied kam den Besitzern von 60 ständigen vierbeinigen Kunden und deren Pferdehufen zugute. Heute führen die Firma Heinz und Berta Hölzles Schwiegersohn Roland Schroth und ihre Tochter Karin am 2004 eingeweihten neuen Standort am nord-westlichen Ortseingang.

Immer mehr wurden in den 1950er-Jahren den zahlreichen Landwirten Traktoren mit Anbaugeräten vom Pflug über Sähmaschinen bis zum Kartoffelernter verkauft und gewartet. Luftbereifte Gummiwagen wurden teils von Hölzle selber hergestellt. Der Beruf des Schmieds trat mit der Zeit in den Hintergrund. Um auch die gesuchte Landmaschinenmechaniker-Ausbildung bieten zu können, drückte Heinz Hölzle 1974 nochmals die Schulbank und legte für diesen Zweig die Meisterprüfung ab.

In diese Zeit fielen auch die Anstrengungen um die bis 1977 abzuschließende Einführung von Überrollbügeln für Traktoren und der Einbau von Blinkanlagen. Dies und die tatkräftige Unterstützung durch Bruder Rudi Hölzle sind ihm und seiner Frau in besonderer Erinnerung.

Nach einer kaufmännischen Ausbildung bei "Berg & Schmid" in Nagold und Tätigkeiten bei Perrot und dem Kreisjugendamt in Calw war auch Berta Hölzle inzwischen Teil des Familienbetriebs, der neben Landmaschinen und Tankstelle in der Ortsmitte seit 1926 bis 2001 auch ein von der Schwiegermutter 1926 gegründetes Lebensmittelgeschäft umfasste.

Mit einem zweigeschossigen Werkstattanbau hatte das Ehepaar 1961 die Voraussetzungen geschaffen, dass Verkauf, Service und Reparatur aller Geräte für die Land- und Forstwirtschaft bis hin zu Stalleinrichtungen und Melktechnik, Kommunalmaschinen sowie Zweiräder mit und ohne Motor in die breite Angebotspalette aufgenommen werden konnten.

Gerne hätte Bürgermeister Karlheinz Kistner am Sonntag Heinz Hölzle zum 90. Geburtstag und 2020 ihm und seiner Frau zur diamantenen Hochzeit persönlich gratuliert.

Dass die Corona-Maßnahmen dies verhindern, bedauert er umso mehr, als der Würzbacher Geschäftsmann sich – trotz seiner vielfältigen Aufgaben als Firmenchef – auch noch viele Jahre als Gemeinderat und nach jahrelanger Stellvertreter-Tätigkeit von 1995 bis 1999 als Innungs-Obermeister der Metallbauer-Innung Calw engagierte.

Der damalige Bürgermeister Dietmar Greif verabschiedete Hölzle nach 15 Jahren 1999 aus dem Ratsgremium. Von 1964 bis 1975 hatte er schon dem Gemeinderat der bis dahin eigenständigen Gemeinde Würzbach angehört.

"Ich wünsche Ihnen auf diesem Wege alles Gute, Gesundheit und Gottes Segen. Sie können hoffentlich Ihren Ehrentag nach Ihren Wünschen – trotz der Einschränkungen – schön gestalten", schrieb Kistner im vergangenen Jahr.

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