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Oberreichenbach Der Oberreichenbacher "Bienenstock"

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Blicken dem neuen Pflegeheim freudig entgegen: Katarzyna Mnich (von links), Stefanie Rempe, Sylvana Elser und Bürgermeister Karlheinz Kistner.Foto: Buck Foto: Schwarzwälder Bote

Ein ganzer Strauß an Angeboten für pflegebedürftige Senioren kommt nach Oberreichenbach. Der Betreiber des Schömberger Haus Tanneck, Oliver Zajac, errichtet ein ganzes Pflegezentrum. Das vereint stationäre Plätze, Tagespflege und den ambulanten Pflegedienst.

Oberreichenbach. Es ist ein Mammutprojekt, was Oberreichenbach in den nächsten Monaten und Jahren bevorsteht. Das neue Pflegeheim an der Wildbader Straße soll entstehen.

Bis zu 45 stationäre Pflegeplätze wird es dann geben, 15 Senioren können in der Tagespflege aufgenommen werden. Hinzu kommt, dass der ambulante Pflegedienst "Landpflege" ebenfalls nach Oberreichenbach zieht.

"Das wird ein ganzes Pflegezentrum", freut sich Oliver Zajac, der bereits das Haus Tanneck in Schömberg betreibt. Jetzt also ein Neubau in Oberreichenbach. "Wenn man mich vor fünf oder sechs Jahren gefragt hätte, ob ich noch eine Einrichtung mache, hätte ich gesagt ›Ne‹", gibt Zajac ganz offen zu. Aber inzwischen freue er sich auf das neue Projekt. Das habe auch mit Oberreichenbach an sich zu tun. "Das Lebensgefühl im Ort passt einfach", fühlt sich der Pflege-Unternehmer willkommen. "Wir haben uns immer wieder ausgetauscht", blickt Bürgermeister Karlheinz Kistner zurück.

Die Anfänge sind schon lange her. Aus dem Arbeitskreis "Helfende Hände" von 2009 ging irgendwann der Arbeitskreis "Lebenslanges Leben in Oberreichenbach" hervor. In den Jahren 2016/2017 kamen dann erste Gedanken auf, ein Pflegeheim in Oberreichenbach zu errichten. Im Juni 2017 wurde im Gemeinderat dann entschieden, dass man die Fläche an der Ecke Weinstraße/Wildbader Straße verkaufen will.

Irgendwann kam der Investor aus der Pfalz um die Ecke und zauberte Oliver Zajac mit dem Haus Tanneck aus dem Hut. Kistner, einst Bauamtsleiter in Schömberg, war direkt begeistert. Man kam zusammen und einigte sich auf eine Zusammenarbeit, beauftragte Facharchitekten, um das Gebäude schon am Reißbrett entstehen zu lassen.

Inzwischen liegt auch die Baugenehmigung des Landratsamtes vor, die ersten Gewerke werden ausgeschrieben. Der Spatenstich erfolgt, wenn alles glatt läuft, noch in diesem Jahr. Fertiggestellt sein soll das Gebäude dann im Spätherbst 2022. Darauf freut sich Kistner schon jetzt, der das Pflegeheim in einem größeren Kontext betrachtet: Der Schultes will nämlich etwas erschaffen, was Oberreichenbach zuvor nie hatte – einen echten Marktplatz. Wegen der zerklüfteten Teilort­struktur der Gemeinde hatte man nie wirklich ein echtes Dorfzentrum. Das soll jetzt vollends entstehen.

Denn neben Rathaus, Dorfmarkt und neuem Wohngebiet wird auch das Pflegeheim den Ort näher zusammenbringen. "Man entwickelt hier was, und wir freuen uns, daran mitarbeiten zu können", zeigt sich Zajac angetan von der Idee. Deshalb sei er auch froh, dass Tankstelle und Autohaus Rentschler nebenan durch die Übernahme zum November hin (wir berichteten) eine Zukunftsperspektive hätten.

Die Tankstelle wird Zajac künftig für seinen Fuhrpark brauchen. Denn die ambulante "Landpflege" siedelt von Schömberg mit Sack und Pack nach Oberreichenbach um. Hier sei der ambulante Dienst von Anfang an mit eingeplant, egal ob beim Thema Verwaltungsräume oder mit Stellplätzen. Die Fahrzeuge, die mit einer Biene markiert sind, fänden dann einen neuen "Bienenstock" in Oberreichenbach, erklärte Zajac metaphorisch. Eigenschaften einer Biene sah Kistner übrigens auch in Zajac selbst: "Emsig, fleißig und sozial, das passt doch", lobte der Rathauschef.

Unter dem Umzug leiden werde niemand, freilich bediene man auch in Schömberg weiterhin Kunden. Und dass man sich etwas aus dem Pforzheimer Raum zurückziehe, sei kein Problem. Laut Zajac gebe es dort ohnehin um die 47 Pflegedienste, im ländlichen Raum deutlich weniger. "Ambulante Pflege ist auf dem Land ›undankbar‹. Da braucht es ein gewisses Maß an Idealismus", verdeutlichte Zajac, dass es eben ein Problem sei, nur um die 80 Einwohner pro Quadratkilometer zu haben. Da bleibe viel Zeit und Geld auf der Straße liegen. Deshalb verspricht man sich vom Standortwechsel einen Vorteil: "Wir können jetzt Gebiete anfahren, die vorher einfach nicht machbar waren."

Machbar ist hingegen trotz Pflegenotstand die personelle Seite des neuen Pflegeheims. Darauf ist Zajac besonders stolz. Denn "die drei Gesichter des Pflegeheims" sind schon fix. Katarzyna Mnich wird die Pflegedienstleitung im stationären Bereich übernehmen. Sylvana Elser bleibt weiterhin Pflegedienstleitung des ambulanten Bereichs, operiert künftig aber von Oberreichenbach aus. Beide sind, teils mit Unterbrechungen, schon seit 2008 im Haus Tanneck zu Gange. "Das sind wirklich gute Mitarbeiter mit langjähriger Erfahrung", lobt der Chef.

Die Dritte im Bunde ist erst seit neun Monaten in Schömberg, wurde extra mit Hinblick auf das neue Pflegeheim in Oberreichenbach eingestellt. Stefanie Rempe ist examinierte Pflegefachkraft und wird die Leitung der Tagespflege übernehmen. Außerdem fungiert sie als Hausdame, soll die verschiedenen Angebote koordinieren. Auch mit dem Haus in Schömberg, denn dort werden Dinge wie Sozialdienst, Hauswirtschaft und Verwaltung auch künftig bleiben.

Zajac will das neue Pflegezentrum trotz aller Vorfreude langsam füllen. Zunächst würden zwei Gruppen aus Schömberg umgesiedelt, um dort Platz für den anstehenden Umbau zu schaffen. Hinzu käme eine Gruppe aus Oberreichenbacher Senioren. Er habe sogar schon eine Bewerberin, die ins neue Heim umziehen wolle, berichtete der Pflege-Betreiber. Auch Kistner wusste von einer älteren Frau, die schon erste Ansprüche auf einen Platz angemeldet habe. "Dann sind es ja schon zwei", freute sich Zajac, dessen Eltern das Haus Tanneck 1982 übernahmen. Bis der Einzug klappt, dauert es aber mindestens noch zwei Jahre. Zumal der schmucke Bau nach Fertigstellung noch keine Möbel hat. Allein der Bau des Pflegeheims kostet laut Zajac zwischen 5,5 und sechs Millionen Euro.

Bürgermeister Kistner hatte zum Schluss noch einen Traum vor Augen: "Wenn eine Zusammenarbeit vom Verein ›Für uns in Oberreichenbach‹ und dem Pflegeheim klappt, wäre das super." Zajac hatte damit kein Problem und verwies auf Koordinatorin Rempe. Stichwort Kooperation: Auch der Dorfmarkt überlegt, wie man beispielsweise einen Café-ähnlichen Raum zum Gesamtkonzept beisteuern könnte. "Das ist eben Lebensqualität durch Nähe", schwärmte Kistner und Zajac befand: "Hier entsteht ein hervorragendes Fundament." Bald auch eines aus Beton, wenn noch in diesem Jahr der Spatenstich erfolgt.

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