Initiator Wolfgang Pfrommer, Landwirt aus dem Oberreichenbacher Ortsteil Würzbach, kämpft um den Erhalt des Hirsches im Kreisverkehr. Foto: Stocker

Figur am Würzbacher Kreisel wird zum Politikum. Vorgehen des Ministeriums sorgt für Unmut.

Oberreichenbach - Es ist fürwahr ein prachtvolles Exemplar, das da in der Mitte des Würzbacher Kreisels seit rund sechs Jahren steht. Den Hirsch aus Metall hat die Bevölkerung ins Herz geschlossen. Folglich können die Bürger nicht verstehen, dass das Tier, das mittlerweile zu einem Wahrzeichen geworden ist, verschwinden soll.

So will es das baden-württembergische Verkehrsministerium. Insgesamt 386 Kreisverkehre gibt es außerhalb geschlossener Ortschaften im Land. Sie alle wurden vom Ministerium unter die Lupe genommen.Ergebnis: 286 sind zu gefährlich, weil sich darauf Kunstwerke und Bäume befinden. Als Grund für die Maßnahme verweist die Behörde auf die rund 2000 Unfälle in Kreisverkehren allein im vergangenen Jahr.

Der Unmut rund um den Würzbacher Kreisel, wo die Gemarkungsgrenzen der Städte Calw und Bad Teinach-Zavelstein sowie der Gemeinde Oberreichenbach aufeinanderstoßen, nimmt zu. Die Bürger haben schnell die Liebe zu dem Tier entdeckt. Immer wieder wurde der Hirsch dekoriert: in der Adventszeit mit Weihnachtsschmuck oder mit schwarz-rot-goldenen Fähnchen anlässlich der Fußball-Europameisterschaft.

Das zeigt, dass Wolfgang Pfrommer eine glänzende Idee hatte, die vor rund sieben Jahren in einer launigen Jäger-Runde entstanden war. Dort waren alle vom Hirsch begeistert, ist doch der angrenzende Oberen Wald ein bekanntes Rotwild-Revier.

Nun ist die originelle Idee ernsthaft in Gefahr. Und die Bürger gehen auf die Barrikaden. Auf einer Unterschriftenliste machen sich mittlerweile 1700 Menschen für den Verbleib des Hirsches stark. Rund 300 Bürger kamen am vergangenen Samstag zu einer Demonstration, bei der sich auch der Calwer Oberbürgermeister Ralf Eggert und Karlheinz Kistner, Schultes von Oberreichenbach, für den Hirsch stark machten.

Bürokratie erkennt in Kunstwerk Gefahr

Doch das wird schwer. Denn Ende Juni hatte eine Verkehrsschau mit Vertretern von Regierungspräsidium, Landratsamt und Polizei festgestellt, dass das Tier eine Gefährdung darstellt. Gerade dieses Argument wollen die zahlreichen Fans des Hirsches nicht gelten lassen. Denn bevor es dort den Kreisverkehr gab, galt das sogenannte Würzbacher Kreuz als Unfallschwerpunkt im Landkreis Calw. Seit es dort den Kreisel gibt, hat sich die Situation nach der Statistik der Polizeidirektion Calw nicht verschlechtert.

Derzeit sieht es nicht gut aus für den Hirsch. Thiemo Stock vom Landratsamt Calw geht davon aus, dass das Ministerium keine Ausnahme machen wird, schon um keinen Präzedenzfall zu schaffen. Da hilft es auch nicht viel, wenn die Befürworter in den Nachbarkreis Böblingen und damit in den Verantwortungsbereich des Regierungspräsidiums Stuttgart weisen, wo angeblich lockerer mit diesem Problem umgegangen wird.

Den Hirsch beseitigen muss laut Landratsamt die Stadt Calw. OB Eggert setzt erst mal auf Verzögerungstaktik. Straßenbaulastträger wiederum ist der Kreis. Dieses behördliche Wortmonstrum schiebt dem Landratsamt letztlich die Verantwortung zu, sollte der Hirsch doch einmal in einen Unfall verwickelt sein. Aber auch die Kreisbehörde will vorerst mal keinen allzu großen Druck machen.