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Obernheim "Jeder will Fasnet, aber keiner will arbeiten"

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Ein Teil der geehrten HZO-Mitglieder (von links): Hans Marquart, Hans-Peter Wittmer, Annemarie Türk, Claudia Moser, Gaby Bayer, Günter Härter, Chris Grotz mit Zunftmeister Thorsten Scheurer und Karl Erwin Helble. Foto: Hoffmann Foto: Schwarzwälder Bote

Neun Mandatsträger der Obernheimer Hexenzunft haben ihr Vorstandsamt abgegeben. Die Nachfolgersuche gestaltete sich bei der Hauptversammlung schwierig. Als Hauptgrund wird die fehlende Bereitschaft genannt, sich ehrenamtlich für die Zunft einzubringen.

Obernheim (bmü). Turbulent ging es in den vergangen Monaten bei der Obernheimer Hexenzunft zu: Zunftmeister Thorsten Scheurer berichtete bei der Hauptversammlung nicht nur von den besonders schönen Seiten der Fasnet: Bei den Feierlichkeiten zum 80-jährigen Bestehen präsentierte sich die Hexenzunft im Frühjahr von ihrer besten Seite. Doch im Hintergrund habe es, so Scheurer, schon da intern zu brodeln begonnen.

Dass die Ausrichtung eines solchen Großereignisses ein Kraftakt für die Verantwortlichen gewesen ist, sehe kaum jemand, erklärt Achim Junker, der nach vielen Jahren aus dem Zunftrat ausschied, im Gespräch mit dem Schwarzwälder Boten. "Wir sollen immer Fasnet machen, aber niemand will helfen", bemängelt er. Nicht nur wenn es um Ehrenämter geht, auch beim Zunftabend gebe es immer weniger helfende Hände oder Menschen, die einen Programmpunkt beisteuern möchten – etwas, was vielen der Altvorderen im Zunft- und Hexenrat stinkt: "Die Zeiten haben sich geändert. Die Auflagen wurden erhöht und das will sich nicht jeder antun", meint Junker mit Blick auf Formalitäten und Kosten rund um Sicherheit und die Rechteverwertungsgesellschaft Gema. Ohne Mithilfe der weiteren Obernheimer Vereine hätte die HZO die Veranstaltungen zum Jubiläum wohl kaum stemmen können.

Der scheidende Tintenmeister bemängelt, "dass es immer die Gleichen waren beim Schaffen". Damit soll nun Schluss sein: Neun Mandatsträger haben das Vorstandsgremium bei der Hauptversammlung verlassen.

Säckelmeister Frank Stehle bestätigt, dass es in der Vergangenheit im Gremium brodelte –­ schließlich sei der Sitzungstisch dazu da, dass Unstimmigkeiten angesprochen und kontrovers diskutiert werden. Achim Junker hat seine Entscheidung, aus dem Zunftrat auszuscheiden, schon vor einem Jahr für sich getroffen. Dass mit Vizezunftmeister Peter Seifert, Säckelmeister Frank Stehle, Detlef Moser, Martin Müller, Christoph Gehring, Alexander Wicker, Thorsten Kijek und Fabian Moser gleich acht weitere Mitglieder aus dem Zunft- und Hexenrat ausscheiden, hänge nicht mit seiner Entscheidung zusammen. "Sicher stinkt es dem einen oder anderen, aber die Entscheidung hat jeder für sich getroffen", erklärt Junker.

"Es kam nicht auf Knall und Fall", sagt Zunftmeister Thorsten Scheurer. Nach einigen Unstimmigkeiten hätten nach und nach Amtsträger angekündigt, ihren Posten bei der Hauptversammlung niederzulegen.

Fünf Posten bleiben unbesetzt

Die Suche nach Nachfolgern für die Ehrenämter bestätigte den fehlenden Rückhalt: Laut Scheurer ist es schwierig gewesen, Mitglieder zu finden, die bereit seien, ein Amt zu übernehmen. Um die 40 Leute habe er persönlich angesprochen. "Viele sagten zwar ihre Hilfe zu, aber kaum jemand wolle wirklich Verantwortung mit einem Posten übernehmen", erklärt Scheurer. "Das war schwierig und frustrierend." Die Konsequenz: Fünf Stühle bleiben künftig am Ratstisch leer – eine Sache, die dem Vorsitzenden der Zunft zu schaffen machte: Er beantragte deswegen, die Wahl des Zunftmeisters geheim durchzuführen – damit er sehen könne, ob er seitens der Mitglieder noch über eine ausreichende Akzeptanz verfügt. Und die stehen hinter ihm: die Mehrheit wählte Thorsten Scheurer auf weitere vier Jahre zum Vorsitzenden der Zunft. Scheurers zweite soll jedoch auch seine letzte Amtszeit an der Spitze der Zunft sein, kündigte er an. Zwei Jahre lang steht ihm Marina Grosser als Stellvertreterin zur Seite.

Jeweils einstimmig wurden Tobias Moser und Stefanie Stanger in den Zunftrat aufgenommen. Jedoch – weitere vier Posten als Zunftrat bleiben unbesetzt. Als Hexenmeister wurde Daniel Dettling wieder gewählt; den Hexenrat ergänzen Merdan Cicek, Kevin Lander und Benjamin Stanger; der letzte Posten bleibt auch hier unbesetzt.

Narrentreffenbewerbung wird zurückgezogen

Scheurer weist im Gespräch mit dem Schwarzwälder Boten darauf hin, dass die Satzung der Zunft es möglich mache, Ämter nachzubesetzen, falls sich doch noch jemand einen Ruck gebe. Dennoch ist die Personaldecke sehr dünn –­ zu dünn mit Blick auf die ursprünglich geplante Ausrichtung des Landschaftstreffens der Fasnetslandschaft Neckar-Alb 2023 in Obernheim. "Das sind noch dreieinhalb Jahre und einfach zu wenig Zeit mit so wenig Leuten", erklärt Scheurer. Der Rückzug der Bewerbung sei nur vernünftig.

Nichtsdestotrotz soll die Fasnet 2020 so laufen wie bisher. "Wir nehmen das als Herausforderung an und schauen, was wir auch mit reduzierter Manpower auf die Beine stellen", zeigt sich Scheurer zuversichtlich.

Die meisten ausgeschiedenen Zunft- und Hexenräte sicherten ohnehin ihre Unterstützung zu –­ aber jetzt seien die Anderen am Zug.

Zu Ehrenmitgliedern der Hexenzunft ernannt wurden Gaby Bayer, Irene Staudacher, Christ Grotz, Hans Marquart und Helmut Wolf.

Die goldende Ehrennadel für 50-jährige Zunftzugehörigkeit ging an das Mitglied Karl Erwin Helble.

Die silberne Ehrennadel für 40 Jahre in der Zunft erhielten Hans Moser und Hans-Peter Wittmer. Den großen Hexenorden für 25 Jahre erhielten Gaby Meinelschmidt, Günter Härter und Michael Kille; den Hexenorden für zehn Jahre in der Zunft erhielten Claudia Moser, Cerstin Stehle und Annemarie Türk.

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Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach sieben Tagen geschlossen.

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