Der Obernheimer Bürgermeister Josef Ungermann kennt sich mit den Bebauungsplänen in seinem Ort bestens aus. Wer sich bezüglich einer Bauvoranfrage informieren möchte, ist bei ihm jederzeit willkommen. Sauer stößt Ungermann jedoch auf, dass sein Ratsgremium immer wieder im Nachgang bereits realisierte Bauvorhaben bewilligen muss.Foto: Weiger Foto: Schwarzwälder Bote

Aufreger: Gemeinderat ist sauer über grassierende Unsitte unter Bauherren / "Frustpotenzial maximal"

Der Groll war nicht zu überhören: Immer wieder muss das Obernheimer Ratsgremium im Nachgang Bauvorhaben genehmigen, die längst fertig sind. Das könne nicht sein, monierte Bürgermeister Josef Ungermann in der jüngsten Sitzung.

Obernheim. "Und täglich grüßt das Murmeltier" – man war am Dienstag versucht, an die legendäre Filmkomödie zu denken. In jener steckt Bill Murray als Wetteransager Phil Connors in einer Endlos-Zeitschleife, erlebt wieder und wieder Dasselbe.

Genauso muss es den Obernheimer Gemeinderäten ergangen sein: Zum wiederholten Mal ging es um Bauvorhaben, die genehmigt werden mussten – wohlweislich aber erst nach deren Fertigstellung. In der jüngsten Sitzung ging es konkret um einen Geräteschuppen im Ortskern, einen Stahlcontainer mit Holzverkleidung und einem Satteldach aus Trapezblech. Der Knackpunkt: Der Geräteschuppen steht bereits, der Bauherr hatte erst im Nachhinein den Bauantrag zum Neubau gestellt – mittlerweile offenbar Usus in der Heuberggemeinde.

Genehmigungspflichtig ist besagter Schuppen aufgrund seiner Abmessungen. Für das entsprechende Gebiet gibt es laut Verwaltung jedoch keinen Bebauungsplan. Das Problem ist damit nicht, dass grundsätzlich spezielle Vorgaben hätten eingehalten werden müssen. Einwände gegen das Bauvorhaben, das stellte Bürgermeister Josef Ungermann klar, erhebe die Verwaltung nicht. Auch der Gemeinderat winkte das Vorhaben nachträglich durch. Dennoch kam von der Rathausspitze klare Kritik – eben wegen der falschen Reihenfolge im Genehmigungsprozess.

Zumal auf der Tagesordnung ein weiteres Vorhaben stand, bei dem es zum wiederholten Mal Gesprächsbedarf gab. Hier sieht der Bau anders aus als es die genehmigten Bauunterlagen erlaubt hätten, und der Gemeinderat beriet das Änderungsbaugesuch. Größere Balkone am Gebäude selbst waren das eine, großzügige Stützmauern um das Areal herum das andere.

Die Räte hatten sich bereits vor einem Jahr wegen exakt dieser Mauern um die Sichtverhältnisse im angrenzenden Kreuzungsbereich der Straßen Am Scheibenbühl/Obere Dorfstraße gesorgt. Jetzt wurde zusätzlich eine Mauer versetzt – Anlass für neuerliche Debatten.

Der Groll im Gremium, das wurde deutlich, war groß. Die entsprechende Sitzungsvorlage wurde ergänzt, der Ton rauer. Sollte das Sichtfeld durch die versetzte Mauer in der Kreuzung eingeschränkt sein oder die Bauausführung grundsätzlich von den Plänen abweichen, wird der Gemeinderat darauf bestehen, dass die nach hinten versetzte Mauer bis zum genehmigten Maß zurückgebaut wird. Die Gemeinde, daran ließ Ungermann keinen Zweifel, stehe in dieser Sache in engem Kontakt mit den Verantwortlichen des Bauamts und der Straßenverkehrsbehörde.

Der Bürgermeister war sichtlich ungehalten: "Es kann doch nicht sein, dass wir wieder und wieder bereits verwirklichte Maßnahmen genehmigen." Das sei keinesfalls zu tolerieren, schimpfte er. Verwaltung und Gemeinde mache das mürbe. Es möge angehen, dass bei Bauwilligen – die in Obernheim übrigens sehr gern gesehen seien – Unwissenheit über Abläufe herrsche oder manches nicht böswillig geschehe. "Aber dann muss ich mich vorher eben gründlich informieren", betonte Ungermann. Im Übrigen erhalte jeder, der sich im Obernheimer Rathaus über sein Bauvorhaben kundig machen wolle, stets zuverlässig Auskunft. Oder zumindest einen guten Rat, wohin er sich für mehr Details bezüglich einer konkreten Bauvoranfrage wenden könne. Denn Obernheim selbst verfügt über kein eigenes Bauamt. Zuständige Behörde ist das Landratsamt des Zollernalbkreises.

Gemeinderat Frank Oehrle stimmte dem Rathauschef unumwunden zu: "Mein Frustpotenzial in dieser Sache ist maximal – so kann es einfach nicht laufen." Jürgen Moser berichtete indes, in anderen Kommunen agiere man durchaus weniger freundlich als in Obernheim.

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