Mit Sturmgewehren und anderen Waffen gelang Heckler & Koch (HK) laut einer Pressemitteilung "trotz der Corona-Pandemie das erfolgreichste Geschäftsjahr seit vielen Jahren". Der Gewinn nach Steuern schnellte im vergangenen Jahr auf 13,5 Millionen Euro in die Höhe, wie das Unternehmen aus Oberndorf (Kreis Rottweil) am Mittwoch mitteilte. 2019 lag dieser gerade mal bei 1,6 Millionen Euro. Der Umsatz stieg 2020 um 15 Prozent auf 275 Millionen Euro.
Oberndorf - Kasse machte HK im vergangenen Jahr mit militärischen Großaufträgen in Großbritannien, Frankreich und den USA. Der Verkauf von Pistolen an Privatleute in den USA zog hingegen nicht an. In Deutschland lieferte die Firma im vergangenen Jahr Pistolen an die Bundespolizei sowie Maschinengewehre an die Bundeswehr, zudem wurden Waffen an die Spezialeinheit KSK ausgeliefert.
Die Rückkehr von HK in die wirtschaftliche Erfolgsspur begründet die Waffenfirma in der Mitteilung mit der seit 2018 eingeleiteten Restrukturierung und Effizienzsteigerung in der Produktion sowie erheblicher Kostensenkungen in "allen Unternehmensbereichen". Einen starken Impuls habe dabei der 2019 abgeschlossene Sanierungstarifvertrag mit der Belegschaft gegeben. Damals waren die Mitarbeiter einverstanden, mehr Stunden pro Woche zu arbeiten, ohne dafür bezahlt zu werden. Dieser Weg scheint sich nun auszuzahlen. HK-Chef Jens Bodo Koch: "Die Gewinne ermöglichen es uns, nun dauerhaft stabilen Cashflow zu generieren. Trotz der hohen Verschuldung ist HK wieder ein gut aufgestelltes und solides Unternehmen." Der Sanierungstarifvertrag werde nicht über den Sommer hinaus fortgeführt. Anschließend wolle man laut Koch mit den Tarifparteien über flexiblere Arbeitszeitmodelle sprechen.
Bundeswehr-Großauftrag steht noch aus
Die wirtschaftlichen Perspektiven sind also positiv. Und ein weiteres Ausrufezeichen in Sachen Großaufträge scheinen die Schwarzwälder möglicherweise ja auch noch setzen zu können. So steht das Unternehmen dicht davor, sich den prestigeträchtigen Großauftrag der Bundeswehr zu sichern – der Auftrag über 120.000 neue Sturmgewehre war schon vor Jahren ausgeschrieben worden, nach Verzögerungen entschied sich der Bund im vergangenen Herbst zunächst für den kleinen Konkurrenten Haenel aus Thüringen.
Wegen möglicher Patentrechtsverletzungen vollzog das Bundesverteidigungsministerium unlängst aber eine Kehrtwende und schloss Haenel vom Verfahren aus – mit der Absicht, den rund 250 Millionen Euro schweren Auftrag an HK zu vergeben. Weil Haenel Rechtsmittel eingelegt hat, verzögert sich die finale Vergabe aber um weitere Monate.
Die Waffenschmiede hat verlustreiche Jahre und interne Querelen hinter sich – zwei Großaktionäre trugen einen Machtkampf aus, inzwischen ist diese Auseinandersetzung aber entschieden. "Die Rückkehr in die Gewinnzone 2019 und das Ergebnis 2020 bestätigen, dass Heckler & Koch nach schwierigen Jahren wieder auf Kurs ist", sagte Finanzvorstand Björn Krönert.