Die „Wirtschaftswoche“ wirft einen genaueren Blick auf das Oberndorfer Rüstungsunternehmen und dessen CEO Jens Bodo Koch. Was ist aus dem einstigen Schmuddelkind der Wehrtechnik-Szene geworden?
Ganz neu ist der Besen nicht mehr, und „Besen“ würde auch nur einen Aspekt der Arbeit illustrieren, die Jens Bodo Koch bereits seit Mai 2018 für den Oberndorfer Waffenhersteller Heckler und Koch leistet.
Perspektive: günstig. Das sieht auch die „Wirtschaftswoche“ so, die dem Vorstandschef unter dem Titel „Entwaffnend seriös“ unlängst einen größeren Beitrag widmete.
„Zeitenwende“ trägt zum Erolg bei
Dass Heckler und Koch ein bisschen Star der Rüstungs-Szene ist, verhehlt der Artikel nicht. Auch nicht, dass die geopolitischen Entwicklungen, etwa der Krieg in der Ukraine und die damit von der Politik ausgerufene „Zeitenwende“, Unternehmen in die Karten spielen, die in Sachen Wehrtechnik Tradition und Visionen haben. Dabei wird klar, dass nicht viel gefehlt hätte, um vom Oberndorfer Unternehmen wenig mehr als Tradition übrig zu lassen und den Betrieb weitgehend zu begraben.
Die „Wirtschaftswoche“ dröselt in diesem Zusammenhang auch noch einmal die undurchsichtigen Eigentümerstrukturen, die bis heute Fragen aufwerfen, auf, erinnert an Kapitalfluss in betriebsfremde Engagements und Reibereien zwischen den Großanteilen, die den Waffenhersteller an den Rand der Existenz brachten.
Wo Wurstelei regiert
Damit nicht genug: Als Koch den Chefposten bei Heckler und Koch übernimmt, trifft er auf eine ineffiziente Betriebsorganisation – vom Fertigungsprozess bis in die Führungsebenen.
Es entsteht ein Bild, das einer „Wurstelei“ in fraglos großem Stil eher ähnelt als einer konzis geführten, lösungsorientiert und in die Zukunft gerichteten Unternehmung.
Das Ganze geschieht zudem nicht nur hinter den aus Sicherheitsgründen hohen Zäunen und Mauern, die das Betriebsgelände auf dem Oberndorfer Lindenhof umgeben, sondern sprichwörtlich hinter verschlossenen Türen.
Guter Ruf und schlechtes Image
Noch nicht einmal bei offiziellen Anlässen gibt es echte Information. Die Öffentlichkeit spekuliert über eine dubiose Waffenschmiede, die als Unternehmen regional zwar gut verankert ist, und deren Produkte international angesehen zu sein scheinen, bei dem man aber eher nicht genauer hinschauen sollte.
Gute Zahlen
Das ist inzwischen deutlich anders: „Jens Bodo Koch hat die Skandalfirma Heckler und Koch zu einem ernsthaften Mittelständler umgebaut“, schreibt die „Wirtschaftswoche“. Die Zahlen stimmen wieder. Die Vorsteuerrendite liege bei fast zehn Prozent. Das schaffen die meisten anderen Waffenbauer nicht, schreibt das Fachmagazin.
Noch nicht einmal Rheinmetall, in der Öffentlichkeit wohl die bestbekannte Rüstungsschmiede in Deutschland und mit einem Werk auch am historischen Waffenstandort Oberndorf vertreten, kann solche Zahlen ausweisen. „Das Unternehmen ist wieder gut in Form“, zitiert die Wirtschaftswoche auch Georg Faigle, der auf Seiten der IG Metall für den Oberndorfer Waffenhersteller zuständig ist.
Fortlaufende Millionen-Investitionen
Investitionen in die Produktionstechnik und die betrieblichen Abläufe zahlen sich aus. HK konnte den Betrieb dadurch noch einige Zeit im Bestand ausdehnen. Inzwischen sind auch diese Grenzen überschritten. Am Standort Oberndorf knacken die Investitionen der jüngeren Zeit kommendes Jahr wohl die 100-Millionen-Euro-Marke.
Ende 2024 hatte der Waffenhersteller zudem die Übernahme eines mittelständischen Spezialisten für Oberflächenveredelung in Oberndorf bekannt gegeben: Hohe Fertigungstiefe kann ein Risiko bedeuten, eröffnet aber auch die Chance, Prozesse zu sichern und spezialisierte Kundenanfragen auch für kleinere Margen mit hohen Sicherheits- und Qualitätsanforderungen bedienen zu können.
„Grüne-Länder-Strategie“
Koch verhehlt seinen Stolz darüber, dass mit Luxemburg die vierte europäische Flächenarmee nach Norwegen, Frankreich und natürlich Deutschland auf die Sturmgewehre made in Oberndorf setzt, nicht. Gerade ist die Partnerschaft mit der Bundeswehr übrigens in die nächste Runde gegangen.
Und er betont das Festhalten an der „Grüne-Länder-Strategie“. Das heißt, man verkaufe Waffen nur „an Staaten, die der Europäischen Union und/oder der Nato angehören oder Nato-gleichgestellt sind.“
Zum neuen Stil, der im Haus gepflegt wird, kommt ein neues Auftreten nach außen: HK richtet sich dabei nicht so sehr an die Fanboys – und -girls, die es durchaus auch gibt – scharfer Waffen mit kultigem Namen.
Natürlich gibt es halbautomatische Waffen für den zivilen Markt, und das US-Geschäft mit Privatkunden, die auf HK stehen, läuft. Wie bei anderen Unternehmen mit hohem Markenwert existiert daneben ein entsprechendes Merchandising-Sortiment.
Vor allem aber will sich HK als Anbieter von Produkten etablieren, die nach Ansicht vieler notwendig sind, um Frieden und Sicherheit zu garantieren. So wie andere Unternehmen Fahrräder, Kochtöpfe oder Kuchenteller herstellen.
Innovationsfähigkeit sichert den Standort
Das Portfolio soll so aufgestellt sein, dass es auch perspektivisch funktioniert: Zu Nachhaltigkeit gehört Innovationsfähigkeit. Das fördert die Wirtschaftskraft am Standort und stützt den Rückhalt in der Region, in der die Produkte entstehen. Und diese Produkte selbst schließlich sollen gut und verlässlich sein. Das darf man sagen und zeigen. Denn, so formuliert es Jens Bodo Koch gerne: „Wir sind das scharfe Ende der Demokratie.“