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Oberndorfer Museum Bald ist auch Ahnenforschung möglich

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Simon Zimmermann ist ab Februar für das Archiv und das Museum im Schwedenbau zuständig. Foto: Cools

Dort, wo sich Archivarbeit und Militärgeschichte vereinigen, will Simon Zimmermann Wurzeln schlagen. Ab 1. Februar übernimmt er die Leitung des Archivs und des Museums von Andreas Kussmann-Hochhalter. Mehr über die Pläne des neuen Museums-Leiters in unserem (SB+)Artikel.

Oberndorf - Für Geschichte hat sich Simon Zimmermann schon immer interessiert, was er beruflich machen will, wurde ihm aber erst während einer Berufsorientierung im Studium klar. "Die Stelle in Oberndorf hat mir auf Anhieb gefallen", erinnert er sich, wie er vor eineinhalb Jahren hierher kam. Die Mischung aus Selbstorganisation und dem Umgang mit historischen Unterlagen sagte ihm auf Anhieb zu.

Aufgewachsen ist der 35-Jährige im nordhessischen Bad Wildungen. Er leistete neun Monate als Funker bei der Marine ab, war unter anderem bei Einsätzen im Mittelmeer dabei. In Freiburg, wo das Bundesarchiv und das Militärarchiv zu finden sind, studierte er Geschichte und Archäologie. Für seinen Master-Abschluss zog es Zimmermann ins britische Chester. Anschließend arbeitete er im Archiv seiner Heimatstadt, ehe es ihn 2019 nach Oberndorf zog.

Zimmermanns besonderes Interesse gilt Einzelerfahrungen im Weltkrieg. "Ich mag diese Perspektive nicht, wenn man das Geschehen wie ein Feldherr von oben betrachtet und die Soldaten nur Nummern oder Fähnchen sind. Viel spannender ist es, zu rekonstruieren, wie sie den Weltkrieg wahrgenommen und was sie erlebt haben."

Phase der Reorganisation startet 2021

Mit seinem Leitungsposten g eht auch eine Phase der Reorganisation einher. 2020 war das Team noch zu viert, im kommenden Jahr nur noch zu zweit. "Der Archivarbeit wird 2021 ein größerer Stellenwert zukommen. Ich möchte das Archiv auf Vordermann bringen", erklärt Zimmermann.

Des Weiteren sollen Archivakten digitalisiert werden, um deren Nutzung zu vereinfachen. Denn im Archiv fehlt es weniger an spannenden, historischen Unterlagen als vielmehr an interessierten, jungen Menschen.

"Der typische Archiv-Erstnutzer ist im Rentenalter. Das ist viel zu spät. Ich möchte die Jüngeren dafür begeistern", sagt der 35-Jährige, bietet das Archiv doch eine gute Grundlage für Recherchen für die Schule, das Studium oder das private Vergnügen.

Simon Zimmermann will auch die Schnittstellen mit anderen Einrichtungen im Schwedenbau nutzen, etwa jugendliche Besucher der Stadtbücherei neugierig auf das Archiv machen. Auch für Schulprojekte sei das Archiv eine gute Anlaufstelle, findet der 35-Jährige.

Die größte Hürde stelle eben der Aufwand zum Zugriff auf das Material dar. Persönlich im Archiv zu erscheinen, um Akten zu wälzen – das sei nicht mehr zeitgemäß, meint Zimmermann. In Zeiten der Online-Recherche müsse man sich anpassen und die Unterlagen digital zugänglich machen.

Was damit jedoch nicht ersetzt werden kann und Zimmermann ebenso wie begeisterten Archiv-Besuchern Freude macht, ist das Haptische, alte Urkunden auf Pergament etwa vor sich zu haben und anfassen zu können.

Rund 30 000 bis 40 000 Stücke umfasst das Oberndorfer Archiv, darunter zahlreiche Fotografien. Hauptbestandteil sind Unterlagen, die das städtische Verwaltungshandeln von früher bis jetzt nachvollziehbar machen. Im Archiv finden sich aber auch alte Zeitungsartikel des Schwarzwälder Boten, Dokumente aus privaten Nachlässen oder Material von Firmen und Parteien.

Ein großes Thema für Archivbesucher sei meist die Oberndorfer Stadtgeschichte, weiß Zimmermann. Was dem Oberndorfer Archiv noch fehlt und sich erfahrungsgemäß großen Interesses erfreut, sind Register aus dem Standesamt, die es möglich machen, Genealogie-Forschung, also das Erforschen der Familiengeschichte, zu betreiben. "Das kommt noch, sobald wir das Archiv allgemein geordnet haben", erklärt Zimmermann. Meist suchen das Archiv ältere Menschen auf, die auf ihr Leben, die lokale Lebenswelt von damals und ihre Familiengeschichte zurückblicken wollen.

Industriegeschichte ist Alleinstellungsmerkmal

Zu den Aufgaben des Stadtarchivars gehört das Erschließen, Verzeichnen und Konservieren von Akten. Das bedeutet, Zimmermann muss das Material sichten, einordnen, organisieren und aufbereiten beziehungsweise zugänglich machen. Neben Ordnungsprinzipien sind dabei auch die gesetzlichen Grundlagen für die Nutzung zu ermitteln. Nicht alles darf zugänglich gemacht werden.

Auch im Museum sind Neuerungen geplant. Dazu ist aber erst eine Inventarisierung notwendig, bei welcher der Bestand erfasst und in eine Software, die kostenlos vom Land Baden-Württemberg zur Verfügung gestellt wird, eingepflegt wird, meint der neue Leiter. Zudem möchte er das Waffenmuseum besser aufstellen. "Oberndorfs Alleinstellungsmerkmal ist die Industriegeschichte. Die meisten Besucher kommen wegen der Waffen", meint der 35-Jährige.

2021 und 2022 wird sich so manches historisches Ereignis jähren, kündigt er an, etwa der Beginn der Ordonnanzgewehr-Herstellung, des so genannten Mauser-Modells 71, das vor 150 Jahren in den 1870ern von der deutschen Armee verwendet wurde.

Große Pläne hat er für 2021 noch nicht geschmiedet. Zu unsicher sei die Lage wegen der Corona-Pandemie. "Die meiste Zeit in 2020 hatte das Museum geschlossen", sagt er. Anders war das beim Archiv. Das durfte nach kurzer Zeit wieder öffnen und erfreute sich doppelt so vieler Nutzer als im Jahr zuvor. Zu zähen Zeiten habe man teilweise nur einen Besucher pro Monat gehabt.

Aufgrund von Corona sei es ihm bislang auch schwer gefallen, über Vereine in Oberndorf Fuß zu fassen. Gut, dass er in seiner neuen Position als Leiter im Archiv und im Museum alle Hände voll zu tun hat.

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Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach sieben Tagen geschlossen.

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