Begegnungen und kultureller Austausch stehen im Mittelpunkt des dreitägigen Events. Foto: Rainer Langenbacher

Beim zweiten Oberndorfer Literaturfest stehen Begegnungen mit Autoren und intensive Dialoge im Mittelpunkt.

Beinahe hätten zwei Besucher des Oberndorfer Literaturfests die Nacht im Schwedenbau verbringen müssen. Als Verena Jaburg mit ihrem Team die Türen schließen wollte, raschelte es plötzlich im hinteren Teil des Raumes. Tatsächlich entdeckten sie zwei Leser, die noch immer vertieft in ihre Bücher waren. Eine Szene, die sinnbildlich für die Veranstaltung der Marion und Otto Biesenberger-Stiftung steht, die in diesem Jahr zum zweiten Mal stattfand: Bücher können fesseln – und die Zeit vergessen lassen.

 

Reise durch Jahreszeiten

„Das Literaturfest rundet den kulturellen Bereich bei uns in Oberndorf sehr schön ab“, sagte Bürgermeister Matthias Winter. Er moderierte den zweiten Abend, an dem Martin Seidler gemeinsam mit dem Gitarristen Volker Höh auftrat. In einer eindrucksvollen Sprechperformance verbanden sie Poesie mit klassischer Gitarrenmusik und nahmen das Publikum mit durch die vier Jahreszeiten. Seidler, bekannt aus der SWR-Sendung „Kaffee oder Tee“, verbrachte gleich zwei Tage in Oberndorf und zeigte sich begeistert von der Landschaft: „Von meinem Hotel auf dem Lindenhof bin ich bis zur Burg Waseneck gewandert“, erzählte er. Ganz ohne Allüren plauderte er nach der Veranstaltung mit seinen Fans und berichtete, er habe „ruhig und sicher“ geschlafen. Die Verbindung von Poesie und Musik verlieh der Stadtbücherei eine besondere Atmosphäre.

Reifenprobleme inklusive

Der fast zwei Meter große Moderator outete sich zudem als großer Fan von Christine Westermann. Er war eigens einen Tag früher angereist, um ihre Lesung aus der ersten Reihe zu verfolgen. Die Fernseh- und Radiomoderatorin aus Köln eröffnete am Donnerstag das Literaturfest, nachdem Dr. Richard Rebmann, Verleger des Schwarzwälder Boten und Vorsitzender der Marion und Otto Biesenberger-Stiftung, die Gäste begrüßt hatte. An allen drei Abenden standen jeweils rund 90 Literaturbegeisterte auf der Gästeliste. Freier Eintritt, kulinarische Häppchen und der enge Austausch mit den Autoren zeichnen die Veranstaltung aus.

Christine Westermann las aus ihrem Buch „Die Familien der anderen – Mein Leben in Büchern“. Ihre Empfehlungen machten Lust, sofort selbst zum Buch zu greifen, wie Dr. Gwendolin Gundlach von der Stiftung ankündigte.

Westermann reiste gemeinsam mit ihrem Mann, der zugleich ihr Agent ist, aus Köln an – inklusive Reifenproblemen unterwegs. Immer wieder gab sie ihrem Publikum Tipps zum Bücherkauf und erzählte persönliche Anekdoten. Für sie sei der Auftritt in Oberndorf der „Auftakt in ein tolles Wochenende“, da sie anschließend Freunde in Reutlingen besuchen wollte. Zudem verriet sie, dass Ende des Jahres ein neues Buch erscheint, das sie gemeinsam mit ihrer Podcast-Kollegin Mona Ameziane geschrieben hat.

„Wir sterben alle“

Den Abschluss gestaltete Hannes Finkbeiner. Mit einer ebenso schlichten wie eindringlichen Erkenntnis konfrontierte er sein Publikum: „Wir sterben alle.“ Unterschiedliche Ansichten gebe es hingegen über das, was danach komme. Der Spross einer Gastro-Familie aus Baiersbronn erläuterte, wie sein Roman „Einer geht noch“ entstand – von der ersten Idee über das Cover bis hin zum Klappentext. Nahbar und humorvoll präsentierte er sich auch persönlich: So hob er an einer Stelle sein Hemd und zeigte seinen Gürtel mit Totenkopf-Relief. „Ich bin ein großer Heavy-Metal-Fan“, erklärte er.

Wie schon an den Abenden zuvor nahm sich auch Finkbeiner im Anschluss viel Zeit für Gespräche. Geduldig signierte er am Stand der Buchhändlerin Gudrun Krüper aus Freudenstadt ein Buch nach dem anderen – ein weiterer Beleg dafür, dass das Literaturfest nicht nur von Lesungen lebt, sondern vor allem vom direkten Austausch zwischen Autoren und Publikum.