In seinem charakteristischen Bühnenoutfit rockt Benedikt Hirt (rechts) mit Gitarrist Kristian Alber die Bühne. Foto: Cools

Krawatte um den Hals, Fluppe an die Gitarre geklemmt und eine Stimme, die an Kurt Cobain erinnert – Benedikt Hirt und seine Band "Bebo 104" aus Oberndorf vergisst man nicht so schnell, wenn man sie einmal live erlebt hat.

Oberndorf - "Music is my only way out of this lonely place", singt Benedikt Hirt beim Kultursommer-Auftritt in Oberndorf. "Alien" heißt der Song und handelt von ihm selbst. Ja, Hirt und seine Band sind anders als andere, genau das macht sie aber so besonders und sorgt dafür, dass sie im Kopf bleiben.

Genie oder Wahnsinn? Das liegt bei Hirt manchmal gar nicht so weit auseinander. Der 25-Jährige, dessen Bühnen-Outfits genauso ungewöhnlich und charakteristisch sind wie seine rauchige Stimme, hat die Musik im Blut. Songschreiben ist für ihn, wie für andere Frühstücken.

Manchmal kommt es vor, dass er noch einmal ganz von vorne anfängt, weil ihm das, was er geschrieben hat, plötzlich nicht mehr gefällt. Oder er nimmt sich Songs her, die schon seit Jahren existieren, und verändert sie, damit er wieder Lust auf sie hat. Es kann auch vorkommen – zum Leidwesen seines Band-Kollegen Kristian Alber, der ein bisschen Struktur durchaus begrüßt –­ dass Hirt mal mitten im Konzert die Setlist umwirft, weil er spontan etwas ganz Anderes spielen will.

Aber so ist das eben bei "Bebo 104" –­ benannt nach Hirts Spitznamen und der Nummer des Proberaums. Ihre Musik erinnert an "Nirvana" und "Weezer" – ein wenig Grunge, ein bisschen Alternative, Rock und College Punk. Die Songs sind direkt, ehrlich, oft ein wenig melancholisch und mit Melodien, die sich sofort einprägen.­

2018 hat "Bebo 104" seine erste EP mit dem Titel "Stupid Useless Brainless" herausgebracht. Genug Material für ein Nachfolge-Album gäbe es durchaus. Die Oberndorfer, insbesondere Frontmann Bebo und der Gitarrist Kristian Alber, haben die Corona-Pause gut genutzt, drei neue Songs aufgenommen und auf der Videoplattform Youtube hochgeladen.

Wunsch nach ein paar Gigs

Im Mai 2020 haben Alber und Hirt den Song "Zebra Stripes" herausgebracht. Den hat Hirt für eine Arbeitskollegin geschrieben und singt darin: "Everything she hates is what I like – Zebra Stripes. Psychopaths with two souls but one mind".

Im Januar dieses Jahres kam "Unwanted" heraus, ein Song darüber, wie es sich anfühlt, "ungewollt" zu sein und sich Normalität zu wünschen. Nur einen Monat später folgte "Endless Lockdown" als Reaktion auf die Corona-Krise. Und bei den Zuhörern dürfte sich wohl kaum jemand finden, der sich mit den Zeilen "This endless lockdown brought me to my knees" nicht identifizieren kann.

Bands wie "Bebo 104" können erst bei Live-Auftritten ihre ganze Qualität zeigen. Bevor die Musiker 2022 das nächste Album ansteuern, wollen sie deshalb erstmal wieder ein paar Gigs in Angriff nehmen. Außerdem soll die nächste Scheibe selbst produziert werden anstatt in einem professionellen Tonstudio.

Das liegt nicht nur an den Kosten, sondern auch am Prozess selbst. Hirt, der schon seit seinem zwölften Lebensjahr Songs aufnimmt, sagt dazu: "Wenn du im Studio bist, hast du nur eine gewisse Zeit, um an den Songs zu arbeiten. Ich entwickle die Lieder aber meist mehrmals weiter."

Beim Material für ein neues Album können die Musiker dabei aus den Vollen schöpfen. Insbesondere der Frontmann ist aber recht wählerisch. "Wir könnten ein stundenlanges Programm mit unseren eigenen Liedern spielen, aber wir nehmen immer nur die besten Songs." Cover spielt die Band nur, wenn das Publikum danach verlangt.

In diesem Jahr steht bislang nur ein Auftritt beim OberndorfSlam im Oktober fest. Da sind "Bebo 104" bereits 2020 aufgetreten. Zurzeit hätten die meisten Veranstalter wegen der sich ständig ändernden Auflagen einfach Angst, ein Fest zu organisieren, meint Kristian Alber, hofft aber auf ein paar weitere Anfragen in nächster Zeit. Zu den besten Zeiten hatte die Band teilweise sechs Auftritte in einem Monat. Zwar machen Songs wie "Are you high?" auch aus der Konserve Laune. Trotzdem kommt nichts an einen Live-Auftritt heran, denn erst da wird die Lässigkeit, die "Bebo 104" verbreitet, richtig spürbar.

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