Steigende Personalkosten, neue Tarifregelungen und energetische Anforderungen prägen den Haushalt 2026. Verwaltung und Gemeinderat müssen Prioritäten setzen.
In nur zwei Wochen soll der Haushaltsplan für 2026 verabschiedet werden. Doch schon jetzt steht fest, dass der Ergebnishaushalt auch im kommenden Jahr nicht ausgeglichen werden kann. Das aktuelle Minus liegt bei 4,81 Millionen Euro – trotz nahezu unveränderter Stellenzahl und stabiler Hebesätze: Der Grundsteuerhebesatz bleibt unangetastet, auch der Gewerbesteuersatz liegt weiterhin bei 350 Prozent, begünstigt durch eine insgesamt gute wirtschaftliche Lage. Bürgermeister Matthias Winter und die Verwaltung machen deutlich, dass das Defizit nicht aus freiwilligen Ausgaben resultiert.
Ein zentraler Kostenblock im kommenden Jahr sind die Personalausgaben, die mit 15,6 Millionen Euro im städtischen Haushalt veranschlagt sind. Hinzu kommen 116 700 Euro im Eigenbetrieb Wasserversorgung. Im Vorjahr lagen die Personalkosten noch bei 14,822 Millionen Euro beziehungsweise 436 900 Euro – ein deutlicher Anstieg um insgesamt mehr als 770 000 Euro. Ursache ist nicht nur die allgemeine Tarifentwicklung im öffentlichen Dienst, sondern auch der neue Stellenplan, den der Gemeinderat als Teil des Haushalts 2026 beschließen soll.
Tarifabschlüsse belasten
Die Zahl der Planstellen steigt 2026 leicht auf 205,70. Zwar entspricht dies nur einem Zuwachs von 0,68 Stellen, doch die Kostenwirkung ist erheblich. Hintergrund ist die Organisationsuntersuchung durch Allevo, deren Empfehlungen teilweise bereits umgesetzt wurden. Neue oder aufgewertete Stellen entstehen unter anderem in Organisation, Hochbau, Stadtplanung, Steuern/Controlling sowie im sozialen Bereich, etwa in Kultur, Jugend, Senioren. Die neue Pressestelle erhält 0,6 Stellenanteile. Gleichzeitig fallen durch die Übertragung des Wasserwerks an die Badenova sieben Stellen weg, in der Gärtnerei, dem Werkhof und dem Klärwerk weitere drei.
Auch die Tarifabschlüsse belasten den Haushalt: Ab Mai 2026 steigen die Entgelte um 2,8 Prozent. Die Jahressonderzahlung wird auf 85 Prozent erhöht, der Mindestlohn steigt auf 13,90 Euro. Für Beamte kalkuliert die Stadt zusätzlich mit zwei Prozent. Einnahmeseitig stehen dem Fördermittel und Zuschüsse von 326 000 Euro gegenüber, etwa für den Integrationsmanager, die Seniorenarbeit, die Forstausbildung oder den Gutachterausschuss. Parallel zu den Personalstrukturen bleibt die Kindertagesbetreuung ein Brennpunkt. Der Ausbau der Kita Villa Kunterbunt erfordert zusätzliche Fachkräfte, insgesamt 0,5 Stellenanteile. In allen vier Einrichtungen sind die Ausbildungsplätze besetzt. 2026 starten zudem neue Auszubildende – insgesamt stehen 18 Ausbildungsplätze zur Verfügung.
Viele Maßnahmen realisiert
Zu den finanziellen Herausforderungen kommen gewaltige Investitionsvorhaben. Die Stadt muss rund 15 Millionen Euro zusätzlich aufbringen, um Maßnahmen für energetische Anforderungen einzuplanen – Aufwendungen, die „on top“ zu den bestehenden Projekten kommen und den finanziellen Druck erheblich erhöhen.
Bereits in diesem Jahr wurden zahlreiche Maßnahmen realisiert: ein neues Faltdach am Klärwerk, eine PV-Anlage für den Kindergarten Rosenberg, eine LED-Umrüstung der Turnhalle, energetische Verbesserungen im Kindergarten, sowie neue Heizungen in der Turnhalle. Für 2026 ist die Verglasung der Turnhalle vorgesehen, die mit vergleichsweise geringen 4000 Euro zu Buche schlägt.
Gleichzeitig stehen zahlreiche Großprojekte im Hoch- und Tiefbau an: Fest eingeplant ist die Sanierung des Kindergartens Rosenberg. Ebenso auf der Agenda stehen die Sanierung der Neckarhalle, die Zukunft des Feuerwehrhauses in Aistaig sowie die geplante Sanierung des Freibads. Allerdings machte Matthias Winter im Gemeinderat deutlich, dass nicht alle Projekte gleichzeitig angefangen werden können. Parallel dazu soll der Talplatz weiter vorangebracht werden, während der Hochwasserschutz erst 2027 vollständig fertiggestellt sein wird.
Schulden weiter abbauen
Die entsprechenden Planansätze für Hoch- und Tiefbauprogramme sowie den Erwerb beweglicher Vermögensgegenstände wurden bereits in den Haushalt eingestellt – ebenso die Wirtschaftspläne der Eigenbetriebe Wasserwerk und Freibad.
Während die Pflichtaufgaben wachsen, sieht die Stadt aber auch Chancen: Die vorhandenen Gewerbeflächen bieten Entwicklungspotenzial, das mittelfristig zusätzliche Einnahmen schaffen könnte. Zudem verfolgt die Verwaltung das Ziel, die Schulden weiter abzubauen und interne Prozesse zu optimieren.