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Oberndorf Lohnverzicht bei Heckler&Koch

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Die Waffenschmiede steckt in den roten Zahlen - ein Lohnverzicht der Mitarbeiter soll helfen. Foto: dpa

Oberndorf - Die Mitarbeiter arbeiten mehr, Geschäftsführer verzichten auf Teile ihrer Bezüge – wenn nun noch der Bundeswehrauftrag für ein Nachfolgegewehr des G 36 unter Dach und Fach ist, könnte Heckler & Koch zu alter Stärke finden. Da wollen sie schnell wieder hin. 

In einer Betriebsvereinbarung im Rahmen des Tarifvertrags wurde die Erhöhung der Wochenarbeitszeit von 35 auf 37,5 Stunden – ohne Lohnausgleich – festgelegt. Zudem verzichten die Mitarbeiter in diesem Jahr und 2020 auf die übliche Einmalzahlung von 400 Euro.

Für den "Wachstums- und Innovationspakt" – wie die Vereinbarung von Heckler & Koch (HK) aus Oberndorf genannt wird, gab es im April nur eine eine hauchdünne Mehrheit von 50,4 Prozent – eine einzige Stimme gab den Ausschlag. Ein Mitarbeiter hatte deshalb Widerspruch eingelegt. Am Donnerstag lag das Abstimmungsergebnis bei 52,3 Prozent. 113 der 215 Stimmberechtigten votierten dafür.

Koch: "Vertrauensvorschuss"

Für das Unternehmen hing vom Wahlausgang viel ab. Denn die Vereinbarung ist ein Baustein auf dem Weg aus dem Schuldenberg des Waffenherstellers. Wie die Geschäftsführung deshalb mitteilte, begrüße die Heckler & Koch-Gruppe das positive Votum. "Wir sind sehr froh und zugleich sehr stolz auf unsere Belegschaft, die sich trotz persönlicher Einschnitte, zum zeitlich begrenzten Maßnahmenpaket des Oberndorfer Traditionsunternehmens Heckler & Koch bekannt hat", sagt HK-CEO Jens Bodo Koch.

Dieser "Vertrauensvorschuss" soll aber keine Einbahnstraße sein, stellte Koch klar. Das Unternehmen verpflichte sich im Gegenzug zu einer Beschäftigungssicherung und einem Mindestinvestitionsvolumen für die Dauer der Betriebsvereinbarung. Zudem stellten die Kapitalgeber umgerechnet Gelder in gleichem Umfang der Höhe der Mehrarbeit bereit.

Auch Geschäftsführer und Aufsichtsrat verzichten auf Teile ihrer Bezüge, heißt es in der Mitteilung weiter. Die Kombination dieser Maßnahmen sei ausschlaggebend für die geplanten jährlichen Investitionen in zweistelliger Millionenhöhe in den Standort Oberndorf sowie in die Entwicklung zukunftsweisender Produkte "Made in Oberndorf". Dies sei substanziell für die Wettbewerbsfähigkeit des Unternehmens, betont Koch.

Erste Erfolge

Seit Antritt der Geschäftsführer Jens Bodo Koch und Björn Krönert wurde einiges bewegt. Führungspositionen wurden neu besetzt und strukturelle Maßnahmen auf den Weg gebracht. Erste Erfolge zeichneten sich bereits ab. Der Auftragseingang in 2018 für 2019 und Folgejahre lag knapp ein Drittel über dem Gesamtjahresumsatz des Unternehmens. Im ersten Quartal 2019 verzeichnete die HK-Gruppe eine Umsatzsteigerung um 25 Prozent gegenüber dem Vergleichsquartal des Vorjahres. Weiter stieg die Produktivität, bei gleichem Arbeitszeitpensum, um mehr als 10 Prozent gegenüber dem Jahresdurchschnitt 2018.

IG-Metall-Bevollmächtigte Dorothee Diehm wies darauf hin, dass es auch Verpflichtungen der Arbeitgeber und der Kapitalgeber gebe. Der Tarifvertrag sei "eine Herausforderung für alle", meint die Gewerkschafterin. Der Schritt geschehe im Sinne der Beschäftigungssicherung und der Innovationsfähigkeit der Firma.

Hohe Verluste

Denn trotz voller Auftragsbücher und höherer Umsätze schreibt HK weiterhin rote Zahlen. Im vergangenen Jahr lag der Verlust bei 8,1 Mio. Euro. Die Gesamtverbindlichkeiten des Waffenherstellers liegen mittlerweile bei satten 380 Mio. Euro.

Indes wartet Heckler & Koch auf eine Entscheidung des Verteidigungsministeriums in Sachen Nachfolgegewehr für das G  36. Wie bekannt geworden war, ist HK mit der Ausschreibung nicht glücklich. Das Ministerium hatte Anfang Mai den Eingang eines entsprechenden Schreibens bestätigt. Darin soll die HK-Geschäftsführung Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) vorwerfen, keine faire und sachkundige Auswahl für das G 36-Nachfolgemodell zu treffen. Heckler & Koch schlage vor, vom Kaliber 5,56 Millimeter wie beim G 36 wieder auf 7,62 Millimeter zu wechseln. Dieses größere Kaliber hatte das G 3-Gewehr der Bundeswehr. Der Waffenhersteller erkläre, dass in der Ausschreibung zwar kein Kaliber für die Munition festgelegt sei. Das vorgeschriebene Gewicht der Waffe sei jedoch nur mit Kaliber 5,56 Millimeter zu erfüllen.

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