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Oberndorf a. N. Zu schön, um vergessen zu werden

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Im Kreis Rottweil wird aktuell zum Thema Mundart geforscht.Grafik: Kleinau Foto: Schwarzwälder Bote

"Daiba", "Wefzg", "Zeischtig" – wer des Schwäbischen nicht allzu mächtig ist, der dürfte beim Interview zur Dialektstudie im Oberndorfer Ratssaal nur wenig verstanden haben. Eingeladen waren junge und ältere Dialektsprecher, darunter auch vier aus Beffendorf.

Oberndorf. "Hochdeutsch schwätzen klappt vielleicht fünf Minuten gut, wenn man sich anstrengt", sagt Pascal Flaig (Jahrgang 1999). Danach verfalle man ja doch wieder in den Dialekt. Das ist aber nichts Schlechtes, findet Fabian Frey (Jahrgang 2002), der ebenfalls an der Dialektstudie im Kreis Rottweil teilnimmt. Im Gegenteil: "Der Dialekt macht einen aus. Für mich bedeutet es, Teil von etwas Besonderem, etwas Aussterbendem zu sein, ein Stück Schwarzwald."

Und man spürt in der Tat an diesem Nachmittag, dass die vier Beffendorfer ihren Dialekt mögen und ein wenig stolz auf ihn sind, auch wenn sie wissen, dass es viele Vorurteile gibt. Ein Lehrer habe bei seinem Schwäbisch etwa mal von "Drecksgeschwätz" geredet, erinnert sich Frey. Ihm wurde vermittelt, dass der Dialekt ihm im Berufsleben einen Nachteil bringen könnte – als hätten Worte weniger Bedeutung, nur weil sie nicht auf Hochdeutsch gesagt wurden.

Für Flaig bedeutet Dialekt auch Vertrautheit, denn wenn er das Gefühl habe, hochdeutsch sprechen zu müssen, sei er auf jeden Fall weit von zu Hause weg. "Wir haben im Italien-Urlaub mal Schwaben vom Sulgen getroffen. Das fühlte sich gleich heimisch an", erinnert sich Flaig. Gut, bei der Arbeit fühle man sich dann schon mal wie die Axt im Walde, wenn einen niemand verstehe, gibt Fabian Frey zu. Manchmal sei das aber auch von Vorteil, etwa beim Fluchen.

Dialektexperte Rudolf Bühler lacht und schreibt eifrig mit. Der in Freiburg Geborene und in Tübingen Aufgewachsene forscht gerade zum Thema Mundart im Kreis Rottweil. Er will in allen 70 Gemeinden jüngere und ältere Dialektsprecher befragen. Sein Interesse liegt vor allem darin, den Übergang zwischen Schwäbisch und Alemannisch zu dokumentieren und eine geografische Grenze zu ziehen.

Rund 100 Personen werden insgesamt befragt. Sie sollen bestimmte Begriffe aus verschiedenen Kategorien so aussprechen, wie sie es tagtäglich tun, aber auch erzählen, wie sie zum Dialekt stehen und ob sie im Alltag auf Hürden stoßen.

Nach den beiden jungen Beffendorfern sind Ute Lauble (Jahrgang 1965) und Peter Frey (Jahrgang 1967) an der Reihe. "Hochdeutsch geht nur, wenn man einen Schalter im Kopf umlegt, aber dann ist es auch eher so Oettinger-Stil", meint Lauble lachend.

Als Rudolf Bühler beginnt, verschiedene Begriffe abzufragen, ist manches gut verständlich, anderes bringt die jüngeren Dialektsprecher zum Lachen. Etwa das Wort "daiba". "Das ist, wenn einer auf so einem furztrockenen Stück Fleisch herumkaut", meint Frey.

Manchmal sind er und Lauble sich nicht ganz einig bei der korrekten Bezeichnung. Ist ein Stein nun ein "Loaka" oder ein "Stoa"? Und beim Begriff "Wochadibbl" für die Krankheit Mumps können sich auch die beiden älteren Beffendorfer nur schwer ein Schmunzeln verkneifen.

Sorgfalt ist beim Satz "glaub i net" gefragt. "Glaub i nit" sagen nämlich die Bösinger Nachbarn, klärt Frey Rudolf Bühler auf. Da machen ein paar Kilometer Entfernung einen Unterschied. Manchmal kommt es auch auf die Satzart an. So heißt es bei einer Frage "bisch so guat?", bei einer Aufforderung aber "sei so guat".

Eines ist am Ende dieses Nachmittags ganz deutlich: Im Dialekt gibt es viele Eigenheiten und Nuancen zu entdecken. Und mancher alter Begriff ist viel zu schön, um ihn in Vergessenheit geraten zu lassen.

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Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach sieben Tagen geschlossen.

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