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Oberndorf a. N. Zahlreiche Details erkennbar

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Gespannt lauschen die Zuhörer den Worten von Andreas Kussmann-Hochhalter. Foto: Weber Foto: Schwarzwälder Bote

Zu einer Führung durch die das Stadtbild beherrschende evangelische Stadtkirche von Andreas Kussmann-Hochalter, Leiter des städtischen Archivs und der Museen, kamen rund 30 Interessierte.

Oberndorf. Allein die Lage, so der Referent, sei eine liturgische Aussage: Von der Wettestraße gehe der Weg empor zum Berg Zion.

Nachdem durch die Gründung der Königlich Württembergischen Gewehrfabrik 1811 viele evangelische Soldaten und Arbeiter in das bis dahin streng katholische Oberndorf gekommen sind, wollten diese auch einen Raum für Gottesdienste haben. Von 1820 bis 1906 war dieser in der ehemaligen Augustiner-Klosterkirche.

1907 begann die Suche nach einen Bauplatz für eine evangelische Kirche. Da in dieser Zeit die Entwicklung der Stadt nach Süden in Richtung Mühleberg und Stockbrunnen ins Auge gefasst worden war, erschien dieser Platz am besten geeignet. Eine verwachsene Treppe, die von der Südseite der Kirche auf den Berg geht, ist dafür Zeugnis.

Der damals berühmte Architekt Martin Elsässer hat einen Bau mit klaren geometrischen Formen entworfen. Viereck, Dreieck, Kreis und Halbkreis dominieren. Von der Wettestraße aus gliedert sich der Bau klar in drei Teile: das horizontale Rechteck des Daches, das Schiff mit der Gliederung durch die vertikalen Fenster und die vorgelagerte Laube mit den fünf Rundbögen. Der Stil ist expressionistisch, das Material sind aus einem damals neuen Werkstoff, nämlich Beton.

Durch den festlichen "Brauteingang" an der Westseite führte Kussmann-Hochhalter die Besucher in die Kirche. Den Innenraum beschrieb er als dreischiffigen Typus der barocken Wandpfeilerkirche. Die quer liegenden Tonnengewölbe der Seitenschiffe betonen die Breite des Innenraums, die umlaufenden Galerien die Länge.

Diese und die große Orgelempore schließen den Altarbereich ein, um die Gläubigen mit einzubeziehen und das nach evangelischer Auffassung allgemeine Priestertum aller Gläubigen zu betonen.

Seit der Einweihung am 10. Dezember 1916 gab es tiefgreifende Veränderungen. Nach der Fertigstellung 1916 waren in der Altarwand zwei Türen eingelassen, so dass man hinter dem Altar durchgehen konnte. Eine große Öffnung in der Mitte gab einen weiteren Durchblick. Ein Relief "Jesus betet in Gethsemane" schmückt bis heute die Predella.

Dem durch einen Kurzschluss ausgelösten Brand 1953 folgten massive Veränderungen. Die Wand wurde vermauert und mit einem dreiteiligen Sgrafitto von Rudolf Yelin gestaltet. In der Mitte war eine Kreuzigungsszene, daneben die Vertreibung aus dem Paradies und die Auferstehung der Toten.

Während der Renovierung zwischen 2002 und 2008 wurde dieses Sgrafitto abgenommen. Eine moderne Interpretation des "Abendmahls" von Leonardo da Vinci ist an seine Stelle getreten. Die Stahlskulptur von Jürgen Knubben zeigt Jesus in der Mitte, links und rechts jeweils zwei Dreiergruppen der Apostel, die sich oben jeweils etwas zur Mitte neigen. Nur Jesus, der Gottessohn, in der Mitte ist perfekt.

Der Altar war ursprünglich mit zwei Schranken, welche das "Abendmahl" und "Adam und Eva" zeigen, ausgestattet, die jetzt in der Sakristei zu sehen sind. Die Kanzel, wie auch der kniende Christus auf der Galerie und noch verschieden Reliefs und Stuckaturen, sind von Jakob Brüllmann. Die Kanzel zeigt in der ersten Fläche einen kraftvollen Schöpfer, der Sonne, Mond, Gestirne und die Erde schafft; in der zweiten die Erschaffung der Tiere und schließlich die des Menschengeschlechtes.

Die Orgelempore, so Kussmann-Hochhalter, sei seit der Bauzeit wenig verändert. Die 1916 eingebaute Walcker-Orgel habe aber bei den Löscharbeiten 1953 irreparable Schäden erlitten und wird derzeit durch eine digitale Orgel ersetzt. Der berühmte, in Oberndorf geborene, Komponist und Organist Sigfrid Karg-Elert hat 1920 drei Konzerte an der Walcker-Orgel gegeben.

Das riesige Buntglasfenster von Käte Schaller-Härlin mit 16 Doppelbildern in vier Reihen muss von unten nach oben "gelesen" werden. Es stellt das Leben Jesu von der Ankündigung durch Johannes dem Täufer bis zu seinem Tod auf Golgatha dar.

Dass man von der Galerie des Turmes die Aussicht auf das nächtliche Oberndorf genießen konnte, war krönender Abschluss des aufschlussreichen Vortrags.

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