Warum sehe ich diesen Hinweis?

Sie sehen diesen Hinweis, weil Sie einen Adblocker eingeschaltet haben oder im privaten Modus surfen. Deaktivieren Sie diesen bitte für schwarzwaelder-bote.de, um unsere Artikel ohne diesen Hinweis lesen zu können.

Mehr zum Thema Adblocker / Privater Modus und wie Sie diesen deaktivieren, finden Sie, indem Sie auf deaktivieren klicken.

Deaktivieren

Oberndorf a. N. Witwe kämpft um Grabsymbol: Diskussion entbrannt

Von
Die Grabstätte des früheren Apothekers Wolfgang Holder auf dem Talfriedhof, ziert eine Plastik des Bildhauers Erich Hauser. Foto: Danner

Oberndorf - Eine Witwe kämpft in Oberndorf um den Verbleib eines Symbols auf dem Grab ihres Mannes. Mittlerweile zieht die Diskussion um das Fahrrad auf einer Urnengrabplatte auf dem Talfriedhof weite Kreise. Die SPD-Fraktion des Gemeinderats springt den Hinterbliebenen zur Seite. Wie es weitergeht, lesen Sie in unserem (SB+)Artikel.

Unsere Berichterstattung über die Grabstelle des verstorbenen Elektromeisters Erwin Moos hat weite Kreise gezogen. Dessen Witwe war von der Friedhofsverwaltung mitgeteilt worden, dass es sich bei dem Radfahrer nicht um ein sakrales Motiv handele und es daher zu entfernen sei. Auch eine kleine Blumenvase am Nachbargrab war moniert worden. Dabei störte sich am "Fahrrädle" nicht einmal der katholische Diakon.

Nachdem im Kernstadtbeirat bei einem Vor-Ort-Termin mehrheitlich dafür votiert worden war, dass beides zu entfernen sei, hat sich die SPD-Fraktion eingeschaltet. Der Kernstadtbeirat ist beratendes Gremium des Gemeinderats. Seine Sitzungen sind nichtöffentlich. Wie aber von der Witwe zu erfahren war, hätte sich neben den beiden SPD-Vertretern in diesem Gremium auch ein CDU-Stadtrat für das Fahrrad-Symbol ausgesprochen. Für eine Mehrheit aber hat es nicht gereicht. Bürgermeister Hermann Acker verhielt sich neutral, wie er im Gespräch mit unserer Zeitung bestätigt hatte.

In einer Sitzung des Ausschusses für Technik und Umwelt Ende Juni hatte die SPD-Fraktion einen Antrag zur Friedhofsordnung angekündigt. Fraktionssprecherin Ruth Hunds hat uns diesen nun zukommen lassen. Er trägt das Datum vom 1. Juli.

Beerdigungskultur in ständigen Wandel

Darin fordert die SPD-Fraktion, dass die Friedhofsordnung im Verwaltungsausschusssitzung am 14. Juli thematisiert werde. "Unsere Beerdigungskultur ist in einem ständigen Wandel. Wir müssen daher die derzeit gültige Friedhofsordnung überprüfen und anpassen", heißt es in der Begründung. Da die Urnenwand immer mehr genutzt werde, solle der Gemeinderat darüber befinden, wie Trauernde ihre Trauer oder ihre Gedanken zum Ausdruck bringen könnten, heißt es weiter. Die Witwe von Erwin Moos hatte das Radsymbol gewählt, weil ihr Mann für sein Leben gerne Fahrrad gefahren sei und es "ihn einfach ausgemacht hat."

Von der Verwaltung war Ruth Hunds darauf hin gebeten worden, sich noch bis nach den Sommerferien zu gedulden, da die Friedhofsverwaltung noch weitere Dinge abgeklärt haben wollte. Sie sollen nun alle gemeinsam in einer Herbstsitzung des Gemeinderats erörtert werden. Sie habe jedoch die Zusage erhalten, so die Fraktionschefin, dass die Angehörigen bis dahin nichts von den Grabplatten entfernen müssten.

Viele Kommentare auf Facebook

Unser Facebook-Post zu dem Thema hat für viele Kommentare gesorgt. "Haben die keine anderen Probleme?", heißt es da etwa. Oder: "Lächerlich, das man sich mit sowas beschäftigen muss.... es ist eine Frechheit, dass die Witwe auch noch kämpfen muss." Ein anderer User schreibt: "Auch der Tod ist persönlich. Dieses überkommene starre sinnlose Zeug ist doch längst überholt. Nur gut, wenn von einem Menschen etwas erkennbar ist. Habe mal alle Tiere auf den Grabmälern unseres Friedhofs fotografiert, waren teils symbolische und teils Tiere, die die Verstorbenen geliebt haben. Ich fand das wunderschön. Dieses Fahrrad bedeutet Liebe." "Da kann man nur den Kopf schütteln", meint eine andere Userin.

Zu lesen ist im sozialen Netzwerk aber auch: "Es steht doch klar und deutlich in der Friedhofssatzung. Von daher hätte sie wissen müssen wie die Regeln sind. Man sollte sich schon vorher Gedanken machen ob man die geltenden Regeln akzeptieren will oder nicht."

Auch in der Facebook-Gruppe "Ich habe mal in Oberndorf gelebt" melden sich User zu Wort: "Ganz ehrlich, das ist ein Beispiel, für das kleingeistige, enge und unkreative Denken mancher Menschen hier in Oberndorf. Lasst doch das Fahrrad auf dem Grabstein und die Kirche im Dorf!", heißt es etwa. Dort meldet sich auch CDU-Stadträtin Annette Elben zu Wort: "Nicht gleich urteilen bzw. verurteilen. Die Friedhofsatzung ist eine allgemeine Richtlinie wie sie in jeder Stadt besteht. Nach bestem Wissen und Gewissen wird sie von einer Stadtverwaltung aufgesetzt und vom Gemeinderat bestätigt. Man bezieht sich dabei auf allgemeine Grundsätze, man kann nicht alle Eventualitäten hinein schreiben. Für die städtischen Mitarbeiter ist die Friedhofsordnung eine Richtschnur und sie haben sie so umzusetzen. Für mich heißt das nicht, dass es auch Ausnahmen geben kann und darf. Ich persönlich finde das Fahrrädle schön, es ist eine nette Geste für Herrn Moos, da es einfach zu ihm gehört hat. Gut, dass es nun auch vom Gemeinderat beraten werden soll. Vielleicht sollte man die Friedhofsordnung einfach ein klein wenig abändern insofern, dass es sakrale Symbole sein dürfen oder aber, dass eventuelle Symbole christlichen Werten nicht entgegen stehen dürfen. Und das tut ja das Fahrrädle gewiss nicht."

Schon einmal gab es Diskussionen um eine Grabstätte auf dem Talfriedhof. Mitte der 1970er-Jahre hatte der bekannte Bildhauer Erich Hauser eine Edelstahl-Plastik für die letzte Ruhestätte seines Freundes und Oberndorfer Apothekers Wolfgang Holder entworfen. Sie ziert übrigens noch heute das Grab.

Andernorts – etwa in Fluorn – ist sogar ein Lastwagen als Grabsymbol möglich. Laut der Witwe war deren Mann Trucker mit Leib und Seele.

Fotostrecke
Artikel bewerten
12
loading

Top 5

1

Kommentar

Artikel kommentieren

Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach sieben Tagen geschlossen.

Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach sieben Tagen geschlossen.