Walter Sittler ist erklärter Gegner des Bahnprojekts Stuttgart 21. (Archivfoto) Foto: dpa

Im Vorfeld der Volksabstimmung spricht sich der Schauspieler gegen Tiefbahnhof aus.

Oberndorf - Walter Sittlers Rechnung ist einfach: "Sind Sie für mehr Demokratie, dann stimmen Sie mit ›Ja zum Ausstieg‹" – also gegen Stuttgart 21. Der Schauspieler und S21-Gegner war auf Einladung des Oberndorfer SPD-Ortsverbands in den Schwedenbau gekommen, um einen Vortrag zu dem umstrittenen Bahnprojekt zu halten.

Es dürfe keine Willkür geben, das sei Grundlage der Demokratie. Diese Grundlage sieht Sittler in den letzten Jahren verletzt. Das Land habe S 21 in Auftrag gegeben, ohne geprüft zu haben, ob ein besserer Schienenverkehr damit ermöglicht werde. "Alternativen wurden abgelehnt, der Bundestag in den Jahren 2003 und 2007 mit falschen Zahlen beliefert, und die Kosten sind allein in den Jahren 2009 und 2010 um 50 Prozent gestiegen." Dies sei Willkür, die man sich nicht gefallen lassen dürfe. "Wir müssen wieder von Null anfangen."

Von Null anzufangen und das Projekt zu überdenken und zu planen gehe nur dann, wenn am 27. November beim Volksentscheid der Ausstieg des Landes aus den Kosten beschlossen wird. Dazu müsse das Quorum erfüllt werden: Ein Drittel aller Wahlberechtigten muss für den Ausstieg stimmen. Das Quorum bezeichnete Sittler als "undemokratisch". Die Seite der Antragssteller habe eine höhere Hürde zu bewältigen.

Der Applaus des Publikums machte deutlich: Sittler überzeugte mit seiner Darstellung, bei der Bahn und die ehemalige CDU-Landesregierung Federn lassen mussten. "Stuttgart 21 ist schlicht nicht besser als ein Kopfbahnhof", sagte der Schauspieler und brachte den Stresstest ins Gespräch. Den habe das Projekt zwar bestanden, doch sei ein Betrieb, wie er simuliert wurde, nur ohne Zwischenfälle und Störungen möglich – "in der Realität unmöglich."

Ausführlich ging Sittler auf Fragen aus dem Publikum ein, das in der großen Mehrheit wohl seine Position vertrat. Die Ausstiegskosten schätzt er weitaus geringer ein, als die Befürworter des Projekts, unter anderem weil die Neubaustrecke Stuttgart-Ulm nicht unter das Ausstiegsgesetz falle. "Den Unternehmen könnte man Aufträge zum Kopfbahnhof geben und sie so entschädigen", so sein Vorschlag. Bei aller Diskussion um das Thema nahm Sittler beide Seiten in die Pflicht: Zur Demokratie gehöre der Respekt voreinander und dass beide Seiten zuhören.

"Die ersten zwei Worte, die ein Schwabe lernt sind ›noa‹ und ›net‹. Deshalb sage ich: ›Noa, i brauch Stuttgart 21 net!‹" Mit diesem Worten beendete Klaus Kirschner, Ortsvereinvorsitzender der SPD Oberndorf, die Informationsveranstaltung, zu der etwa 200 Zuhörer gekommen waen.