Otto Lechner (Udo Wachtveitl) präsentiert in der HSW-Zentrale die erfolgreichen Verhandlungsergebnisse mit den Mexikanern. Ein Ergebnis, das natürlich auch Vorstandschef Heinz Zöblin (Axel Milberg) freut. Foto: ARD

4,16 Millionen Menschen sehen Film "Meister des Todes". Streifen enthält einen kleinen Filmfehler.

Oberndorf - 4,16 Millionen Menschen sahen am Mittwochabend den Thriller "Meister des Todes". Der Streifen über die deutsche Waffenindustrie wirft auch in Oberndorf Fragen auf – politisch, wirtschaftlich, gesellschaftlich. Und er enthält einen kleinen "goof", einen Filmfehler.

Wie fanden Sie den Film? "Na ja, so ein ernstes Thema mit Schaumschlägerei zu mischen ist nicht ganz so glücklich", meint Ulrich Pfaff, Pfarrer und Friedensaktivist aus Alt-oberndorf. Er sah den Film, der Vorfälle bei Heckler&Koch (HK) zu Grunde legt, bereits zum zweiten Mal. "Vor ein paar Wochen war ich zur Premiere nach München eingeladen." Die beiden Drehbuchschreiber, Gert Heidenreich und Daniel Harrich, hätten bei ihren Recherchen Material ans Tageslicht gebracht, von dem auch "Teile gerichtsverwertbar" seien, so Pfaff.

"Mir hat der Film überhaupt nicht gefallen", stellt Hans-Martin Kottas klar. Der ehemalige HK-Mitarbeiter findet es "lächerlich, was man daraus gemacht hat". "Da wurde so viel verdreht", sagt der Pensionär. Der Vertriebsmitarbeiter, der auch für Endverbleibsdokumente in Mexiko zuständig war, im Film von Heiner Lauterbach dargestellt, ist mittlerweile verstorben, "er kann sich nicht mal mehr verteidigen".

"Das ist doch immer die gleiche Polemik", meint ein Vöhringer, der in Oberndorf arbeitet. Stadtarchivar Andreas Kussmann-Hochhalter hat den Film noch vor sich. "Ich habe gearbeitet." Er werde sich den Streifen und die Doku aber noch ansehen.

"Nicht viel Neues" gab es in dem Thriller für Filmemacher Wolfgang Landgraeber, der selbst schon Streifen über Oberndorf und die Waffenindustrie gedreht hat und derzeit an einer Art Fortsetzung arbeitet. "Die Whistleblower in der Dokumentation habe ich allerdings noch nicht gekannt."

Ein 42-jähriger Beffendorfer meint: "Ich fand den Film interessant. Als Oberndorfer hat man ja den Blick fürs Detail: Schriftzug ›Eckarhalle‹ in der Tiefgarage, Brennholzhaufen hinterm Haus, eine Wohnsiedlung, die aussieht wie der alte Lindenhof, und ein Blick auf einen Industriekomplex, der HK ähnlich sieht und von Beffendorf aus sein könnte – da hat sich einer echt Mühe gegeben. Die Schüsse aufs Haus des Aussteigers, die kaltschnäuzige Reaktion der Polizei darauf und die Zeugenschutz-Nummer waren mir zu viel. So dumpf muss man die Stadt, ihre Einwohner und HK nicht darstellen. Das schadet aber eher der Glaubwürdigkeit des Plots. Das Dilemma und den schmalen Grat, auf dem sich die Rüstungsindustrie bewegt, fand ich aber gut rausgearbeitet. Der Film beschäftigt mich auch heute noch. Insofern war er nicht ganz schlecht."

"Keine Frage, der Film ist schlecht fürs Image von HK", meint Büchsenmacher und Jäger Georg Egeler. Ihn interessierte die Dokumentation besonders.

Er blickt zurück: Im Jahr 1888 hat Mauser 900.000 Waffen ins Osmanische Reich geliefert. "Schon damals hat es geheißen, das Produkt sei nix, obwohl es nicht so war." Die Regierung habe damals Mauser auf der "Abschussliste" gehabt, heute sei es HK.

"Ich bin mir sicher, der Name HK soll verschwinden", sagt der Waffenexperte. Und dies habe nichts mit dem Produkt zu tun, sondern sei von "höherer Stelle" so gesteuert.

Dekan Albrecht Zepf hat sich den Film in Gesellschaft angeschaut. Die "filmische Dramaturgie" sei auf die Spitze getrieben worden. "So gesehen sind wir alle Meister des Todes", sagt der katholische Pfarrer. "Gegen so billige Politisierung bin ich allergisch." Ein ihm bekannter ehemaliger HK-Mitarbeiter habe beim Film "schier einen Herzinfarkt bekommen." Zepf: "Die ARD sollte sich schämen, so plump vorzugehen."

Und dann war da noch der kleine Filmfehler. Auf dem Droh-Flyer, der im Briefkasten eines der Protagonisten landete, war einmal eine Rosenfelder Telefonvorwahl zu finden. Später, als dieser bei der Polizei landete, war die Oberndorfer aufgedruckt – aus der 07428 wurde die 07423.

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