Mit ernstem Blick und in Uniform zeigt Florian Wein, wie groß die M1918 ist. Foto: Weber

Büchsenmachermeister hält Vortrag. Soldaten mussten nach Einsatz der "Mauser-Tankbüchse" ins Lazarett.

Oberndorf - Unter dem Titel "Die Mauser-Tankbüchse" nur ein Notbehelf?" sprach Büchsenmachermeister Andreas Hable über die Entwicklung einer von der Waffenfabrik Mauser entwickelten Panzerabwehrwaffe.

Rund 50 Interessierte konnte der Leiter des städtischen Archivs und des Museums im Schwedenbau, Andreas Kussmann-Hochhalter im Vortragssaal begrüßen. Die Bildzusammenstellung und das Layout hatte Jörg Janiszewski ausgearbeitet.

Der Abend gliederte sich in zwei Teile: auf den Vortrag folgte die Eröffnung einer Ausstellung über das Tankgewehr M 1918 im Waffenmuseum. Anlass für diese Ausstellung sei, so Andreas Kussmann-Hochalter, das Epochejahr 1918, in dem das Tankgewehr einsatzfähig war.

Nun stellte sich Büchsenmachermeister Andreas Hable aus Rosenfeld vor. Mit einem Sprung durch die Jahrhunderte zeigte er die Entwicklung der Waffentechnik von der "Tannenbergbüchse" von 1399 über die Radschlosspistole, Steinschlosspistole und die Technik des Perkussionsschlosses bis zur Entwicklung der Dreyse-Zündnadeltechnik nicht ohne immer wieder auf die sozialen Folgen hinzuweisen.

Die Entwicklung der Patrone nahm einen besonderen Platz ein. Andreas Hable führte aus, dass die Großmächte des beginnenden 20. Jahrhunderts auf der einen Seite keinen Krieg wollten, auf der anderen nichts aus den eindringlichen Appellen, wie sie Berta von Suttner an die Welt richtete, gelernt hatten. Eskalation folgte auf Eskalation und schließlich war der 1. August 1914 der Tag der Kriegserklärung des deutschen Kaiserreiches. Doch aus dem schnellen Sieg wurde ein bis 11. November 1918 dauernder Krieg, der in sinnlosen, nutzlosen, von Material dominierten Schlachten Millionen Menschenleben gekostet hatte. Seit 1916 kamen auf Seiten der Alliierten "Tanks", die Vorläufer der heutigen Panzer, zum Einsatz. Da das britische Kriegsministerium die Entwicklung dieser Waffen abgelehnt hatte, erklärte Marineminister Sir Winston Churchill die Tanks zu "Landschiffen" und übernahm das Kommando über sie.

Die deutsche Infanterie hatte keine Gegenwehr; sie war überrascht. Das Fahrgestell dieser Angst und Schecken verbreitenden, mit zwei Kanonen und Maschinengewehren bestückten, oft Schützengräben überwindenden Ungeheuer war von "Caterpillar"-Baufahrzeugen übernommen. Die Bedingungen in diesen rollenden Kolossen müssen höllisch gewesen sein.

In Deutschland benötigte man eine Abwehrwaffe. Die Waffenfabrik Mauser bekam den Auftrag, diese zu entwickeln. In der Zeit von nur vier Monaten gelang es, auf Grundlage des G 98, eine Panzerbüchse zu entwickeln. Dort ist im Gegensatz zum G 98 alles größer dimensioniert. Die Patronen sind Eisenhülsen "TuF" (Tank und Flugzeuge) mit gehärtetem Stahlkern, der bei senkrechtem Aufprall Panzerungen bis 25 Millimeter durchschlagen konnte.

Dass diese Panzer abwehrenden Gewehre bei einem Gasdruck von 4200 bar an der Mündung einen ungeheueren Rückschlag hervorgerufen haben, ließ Andreas Hable nicht unberücksichtigt.

Das 1,68 Meter lange und rund 17 Kilogramm schwere Gewehr sei ein "moralischer Notnagel" gewesen, der jedoch auf beiden Seiten seine psychologische Wirkung hatte, so der Referent. Bis zum Waffenstillstand waren 16 500 Tankbüchsen produziert worden.

Nun erzählte Büchsenmachermeister Hable, der es sich zum Ziel gesetzt hat, ein Mauser-Tankgewehr originalgetreu nachzubauen, welch immense Schwierigkeiten es auch heute mit modernsten Maschinen macht, dies zu realisieren. An verschiedenen Details erklärte er, mit welchen Kniffen er sich behelfen müsse. Immer wieder veranschaulichten Bilder aus der Zeit vor rund 100 Jahren mit welchen Werkzeugen und unter welchen Arbeitbedingungen die M 1918 produziert worden ist.

Zum Schluss dieses theoretischen Teils dankte Andreas Kussmann-Hochalter Büchsenmachermeister Andreas Hable für den klar gegliederten Vortrag. Eine herzliche Einladung, die Ausstellung, die im Wesentlichen ebenso von Andreas Hable mit gestaltet wurde, als erste anzusehen, stieß auf große Resonanz. Viele ließen sich aus fachkundigem Mund technische Details erklären, die nur für einen Fachmann (oder eine Fachfrau) erkennbar sind.

Deutlich aber machte der immer ernst blickende Florian Wein, in der Uniform eines einfachen Soldaten des Ersten Weltkriegs, welches Ungetüm diese Waffe war und vielleicht auch, welche Hoffnung diejenigen, die sie bedienen mussten oder durften ("Erster Schuss rechte Schulter, zweiter Schuss linke Schulter - Lazarett") in sie gesetzt haben.

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