Wie kann die Landwirtschaft ihre Ziele erreichen? Gesundheitsamts-Leiter Heinz-Joachim Adam (rechts) und Referatsleiter Stefan Kury vom Landratsamt Rottweil richteten die Frage bei Verena Bentele an jemanden, der sich auskennt. Foto: Eberhardt Foto: Schwarzwälder-Bote

Die sehbehinderte Biathletin Verena Bentele spricht in Bochinger Turnhalle zum Thema "Ziele – erster Schritt zum Erfolg"

Von Tina Eberhardt Oberndorf-Bochingen. Landwirtschaft braucht Ziele. Außerdem ist sie ein Knochenjob, wie der von Leistungssportlern. Warum also nicht die eine von der anderen Seite lernen lassen, dachte man sich im Landwirtschaftsamt und lud zum Vortrag ein: "Ziele – erster Schritt zum Erfolg".Als Referentin für die Veranstaltung in der Halle des Turnvereins Bochingen hatte das Landwirtschaftsamt die Spitzensportlerin Verena Bentele eingeladen. Von Zielverfolgung versteht sie Einiges. Als sehbehindertes Kind hatte sich Bentele nicht nur entschlossen den Weg in ein selbstbestimmtes und höchst aktives Leben gebahnt, sie holte als Behinderten-Biathletin auch nahezu jede Medaille, die es im internationalen Spitzensport zu gewinnen gibt. Ganz aktuell wurde sie zur offiziellen Behinderten-Beauftragten der Bundesregierung ernannt.

 

Mit dieser Vita ist man prädestiniert als Coach. Stammt man wie Bentele noch aus einem landwirtschaftlichen Familienbetrieb, ist der Brückenschlag vom Sport zur Landwirtschaft perfekt. Stefan Kury, Referatsleiter im Landwirtschaftsamt, war denn auch sichtlich zufrieden über den Verlauf des Abends: "Die Bereiche sind super ergänzend."

Die Gäste in der gut besetzten Halle sahen dies offenbar ähnlich. Aufmerksames Schweigen und konzentrierte Gesichter strecken sich Bentele entgegen, als diese am Arm ihres Begleiters die Bühne betrat und mit einer Einleitung über die Bedeutung einer klaren Ziel-Fokussierung zu ihrem Vortrag ansetzte.

Was jene wert sein kann, zeigte sich schon nach drei Sätzen: Benteles Präsentation war außerordentlich flüssig, inhaltsreich und zugleich angenehm kompakt, aber vor allem frei von jedweder Motivationsfloskel.

Statt mit peitschenden Schlagworten unterstrich Bentele ihre Ausführungen mit Beispielen aus der eigenen Biografie und verlieh ihrem Vortrag Authentizität. Was heißt schon "Talente entwickeln" in der Theorie? Bentele half mit Praxis: Mangels Augenlicht mussten etwa beim Radfahren eben die Ohren die Rolle des Orientierungsstifters erlernen.

Gewürzt mit viel trockenem Humor erläutere Bentele die Bedeutung von Wegbegleitern, welche man sich suchen muss; schilderte die Möglichkeiten zum Bewältigen von Druck, indem man realistische Etappen-Ziele setzt; ließ den Umgang mit Tiefschlägen nicht aus und gab Tipps zum Durchhalten: "Erzeugen Sie Bilder im Kopf. Stellen Sie sich den Erfolg vor."

Und wo kommt die Landwirtschaft ins Spiel? Eigentlich sind Motivationsvorträge noch bevorzugt das Spielfeld von Banken oder Wirtschaftsunternehmen. "Die Landwirtschaft braucht sich da aber nicht zu verstecken", betont Stefan Kury im Pausengespräch. Die dortigen Betriebe seien Unternehmen wie andere auch. Sie machten sich in ihrer Betriebsplanung aber oft zu wenig Gedanken über Ziele. Dabei ist Kury überzeugt: "Steht das Ziel fest, ergibt sich der Weg von selbst."

Die rund 140 Teilnehmer folgten dem Vortrag der charismatischen Bodensee-Schwäbin mit großem Interesse.

Von den ausgelegten Fragenkärtchen, die anschließend von der Referentin beantwortet wurden, wurde reger Gebrauch gemacht. Viele Gäste richteten ihre Fragen auch direkt ins Mikrofon. "Mein Ziel ist es, dass jeder von Ihnen nachher ein Stück schlauer nach Hause geht", hatte Kury das Publikum ermuntert. Zumindest dürfte niemand mit rosaroten Vorstellungen aus der Halle gegangen sein.

Denn Benteles freundliche Ausführungen ließen wenig Raum für Illusionen: Ziel-Erreichung ist eine Sache von Eigenverantwortung und Leistungsbereitschaft, egal wie man es dreht.

Die stählerne Entschlossenheit und immense Kraft, die dabei immer wieder bei Bentle durchblitzten, vermochten manches Mal fast einzuschüchtern.

Doch immer wieder bot die Referentin einfühlsame Handlungshilfen: "Fokussieren Sie sich auf das Wichtigste" oder "machen Sie nicht alles auf einmal." Und schließlich stand da vorne jemand, der seine Ziele auf jenen Wegen erreicht hat – und folglich wusste, wovon er redet.