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53-Jähriger war wegen Verdachts des Missbrauchs in U-Haft. Keine Hinweise auf Fremdverschulden.

Der 53 Jahre alte Mann aus dem Markgräflerland, der seit dem vergangenen November wegen des Verdachts des sexuellen Missbrauchs von Kindern in Lörrach in U-Haft saß, ist tot. Er wurde bereits am 2. Februar leblos in seiner Zelle aufgefunden.

Lörrach - Das vorläufige Obduktionsergebnis lässt auf eine Selbsttötung schließen: Hinweise auf ein Fremdverschulden gebe es nicht, sagte die Sprecherin der Staatsanwaltschaft Freiburg, Martina Wilke. "Das endgültige Obduktionsergebnis steht aber noch aus."

Versäumnisse bei der Haftanstalt Freiburg, beziehungsweise deren Lörracher Außenstelle habe man nicht feststellen können, erklärte Robin Schray, Sprecher des Justizministeriums: Man habe "keinerlei Hinweise auf Suizidabsichten" bei dem Gefangenen gehabt. Selbsttötungen im Gefängnis kommen immer wieder vor. In Baden-Württemberg waren es im vergangen Jahr fünf Fälle, wobei laut Schray die Tendenz rückläufig ist.

Der missbrauchsverdächtige Mann war im Kreis Lörrach bis Ende Juli 2020 als ehrenamtlicher Lehrbeauftragter mit zwei Wochenstunden an einer öffentlichen Schule beschäftigt. Im Rahmen seiner Tätigkeit soll er Kontakt zu einem Jungen aufgenommen haben und diesen dann zwischen 2014 und 2020 in seiner Wohnung südlich von Freiburg missbraucht haben. Der Fall sorgte für Aufsehen da der Verdächtige in einem anderen Bundesland im Jahr 2004 bereits wegen Kindesmissbrauchs verurteilt und mit einem Berufsverbot belegt worden war. So stand in dem Fall die Frage im Raum, wie der Mann trotzdem an einer Schule eine Stelle finden konnte und dort Dienstverträge erhielt, mit denen er, wie sich nun zeigt, AGs leiten und Sprachunterricht für Flüchtlingskinder geben konnte.

Hierbei kam dem Mann eine Gesetzeslücke zugute, die das Land mittlerweile geschlossen hat, sagte Pressesprecherin Heike Spannagel vom Freiburger Regierungspräsidium: Da der Mann ehrenamtlich an der Schule tätig war, musste er nicht zwingend ein erweitertes Führungszeugnis vorlegen. "Das Kultusministerium hat den Fall im Kreis Lörrach zum Anlass genommen, diese Lücke zu schließen", erklärte Spannagel weiter.

Anmerkung der Redaktion: In der Regel berichten wir nicht über Selbsttötungen - es sei denn, die Tat erfährt durch die Umstände besondere Aufmerksamkeit.

Suizidgedanken sind häufig eine Folge psychischer Erkrankungen. Wer Hilfe sucht, auch als Angehöriger, findet sie bei der Telefonseelsorge unter 0800/1110111 oder 0800/1110222 und unter https://www.telefonseelsorge.de/. Eine Liste mit Hilfsangeboten findet sich auf der Seite der Deutschen Gesellschaft für Suizidprävention: https://www.suizidprophylaxe.de/.