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Oberndorf a. N. Ungewöhnliche Tiefen – strahlende Höhe

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Verena Seid und Andreas Chri­stoph Meier bieten ein berückendes Konzerterleb-nis in der Kirche. Foto: Schwarzwälder Bote

Oberndorf. Das Konzert "Ein Marienleben" in der katholischen St.-Michaels-Kirche in Oberndorf wurde unter strengen Auflagen der Covid-19-Pandemie-Prävention durchgeführt. Soweit also nichts Neues.

Doch was Sopranistin Verena Seid und Organist Andreas Chri­stoph Meier unter diesem Thema zusammengestellt hatten, war etwas Neues für die Hörer. Das Programm stellte Kompositionen vom elften Jahrhundert bis 1933 vor.

"Ave Maria Stella", ein Werk des Mönchs Hermann von Salzburg aus dem elften Jahrhundert, führte in das Konzert ein. Hier zeigte Verena Seid ihre Stimme, die von einer für einen Sopran ungewöhnlichen Tiefe zu einer strahlenden, immer beherrschten Höhe reicht.

Andreas Christoph Meier nutzte sehr feinfühlig die Registriermöglichkeiten der Orgel der St.-Michaels-Kirche, um – die Solostücke ausgenommen – zurückhaltender Begleiter zu sein.

Nach dieser musikalischen Einführung wies Wolfgang Hauser nach der Begrüßung auf die musikalische Vielfalt des Konzerts hin.

Zum Einstieg in den eigentlichen Konzertteil hatten Verena Seid und Andreas Chri­stoph Meier "Maria durch ein Dornwald ging" eines unbekannten Komponisten ausgesucht. Wenn auch dieses Lied, eigentlich ein Wallfahrtslied, für die Ohren mit heutigen Hörgewohnheiten etwas sperrig klingt, die Verwandlung von Dornen in Rosen, in seiner Schlichtheit, verstärkt durch die sehr zurückhaltende Begleitung der Orgel, war ergreifend.

Das gilt auch für das "Ave Maria" von Charles Camille Saint-Saëns (1835 bis 1921), das mit seinen abschließenden schlichten "ora pro nobis" folgte.

Ganz auf Oberndorf abgestimmt hatten die beiden Ausführenden des in Oberndorf geborenen Sigfrid Karg-Elerts (1877 bis 1933) gedacht, der als Komponist und Solist auf dem Harmonium vor allem in den angelsächsischen Ländern großes Ansehen erringen konnte. Andreas Chri­stoph Meier intonierte sein "Angelus für Orgel solo". Sehr schön wurden die verschiedenen musikalischen Gedanken durch Registrierung und Verstellung des Schwellwerks unterschieden.

"Mariä Wiegenlied" von Max Reger (1873 bis 1916), dessen wahrhaft wiegender Sechsachtel-Takt mit dem bekannten Eingangsthema den Titel rechtfertigt, schloss sich an.

Fast glaubt man eine Jahrmarktsorgel zu hören, doch diese wenigen Töne, immer mit Abwandlungen wiederholt, bilden die harmonische Grundlage zu "Hymne an die Jungfrau" von Franz Schubert (1797 bis 1828). Wieder ein Glanzlicht des Zusammenklangs zwischen Sopran und Orgel.

Sehr genau hat Organist Andreas Christoph Meier die Orgel registriert, um die Komposition "Auf ein altes Bild" von Hugo Wolf (1860 bis 1903), diesem immer armen Komponisten, zu begleiten. Diese Musik bringt die Gedanken Hugo Wolfs beim Betrachten eines Mariengemäldes zum Ausdruck.

Dem späten Barock ist das "Vergin totto amor" von Francesco Durante (1684 bis 1755) zuzuschreiben, dessen Schönheit allein auf der gekonnten Stimmführung des Soprans liegt.

Giovanni Battista Pergolesi (1710 bis 1736), der außerordentlich Begabte, hinterließ eine große, erschütternde Komposition "Stabat Mater [dolorosa]" (Es stand die Mutter schmerzerfüllt). Daraus erklang der "Vidit suum [dulcem natum] (Sie sah ihren (Sohn), sanft geboren). Dieses Stück, ganz dem "schönen Gesang" verpflichtet, steht hier im Dienst der Passion.

Marcel Dupré (1886 bis 1971) spannt in seinem "Ave Maria" weite Bögen der Harmonie, in denen Verena Seid zeigen konnte, dass sie auch Meisterin der dramatischen Gestaltung ist.

"Meine Seele erhebt den Herrn" von Johann Sebastian Bach (1685 bis 1750), dessen Einleitung allein auf dem Pedal gespielt wurde, war Ausdruck der Gläubigkeit Mariens.

Zwei Kompositionen von Joseph Rheinberger, geboren in Liechtenstein (1839 bis 1901), bereicherten diesen Marienzyklus. Wenn man bedenkt, dass Richard Strauss Rheinberger-Schüler war, fällt es nicht schwer, seine Musik einzuordnen. Das "Ich bin des Herrn" wie auch sein "Marienlied" lassen sich in der späten Romantik ansiedeln. Beide Stück könnten, an den rechten Platz gestellt, als zugkräftige Nummern in einer Oper Verwendung finden. Verena Seid und Andreas Christoph Meier gestalteten diese Stücke sicher in der von Rheinberger beabsichtigten Weise.

"Dir o schönste Himmelsblüte" von Max Reger war eine Huldigung an die Mutter Gottes in gut nachvollziehbarer Art, die Orgel immer Dienerin der Stimme.

"Tu virginum corona" (Du Krone der Jungfräulichkeit) von Wolfgang Amadeus Mozart (1756 bis 1791) mit seinem ungemein fröhlichen Vorspiel gab der Sopranistin Gelegenheit, die gesamte Ausdruckskraft und den Umfang ihrer Stimme auszuspielen; von dolce bis con forca, den tiefsten Lagen bis in Höhen eines Koloratursoprans reichte das Spektrum.

Für Orgel solo hat Franz Liszt (1811 bis 1886), so wird angenommen, das "Ave Maria" nach Jacques Arcadelt (1547 bis 1568) geschrieben, das vermeintliche Motive des Renaissancekomponisten zur Grundlage hat. Es ist ein sehr komplexes Werk, das dem Organisten viel Arbeit an den Registern abverlangt.

An den Abschluss des Konzerts stellten beide Künstler die "Meditation über das erste Präludium in C-Dur" aus dem großen Werk das "Wohltemperirte Clavier" von Johann Sebastian Bach (1685 bis 1750), aus der Charles Gounod (1818 bis 1893) wohl eine der weltweit bekanntesten Kompositionen machte: das berühmte Ave Maria von Bach/Gounod.

Nach einer schier traumhaften Einleitung formten Sopranistin und Organist ein musikalisches Werk, das alle Anwesenden in seinen Bann zog. Es war ein berückendes Erlebnis. Dass eine kleine Zuhörerschaft jubelnden Beifall spenden kann, durften Verena Seid und Andreas Christoph Meier erleben. Ein "Ave Maria" von Mattia Battistini (1856 bis 1928) als Zugabe war edler Schluss dieses Konzerts.

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