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Oberndorf a. N. Trübe Stimmung im Südwesten

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Eine Mehrheit der Menschen im Land kennt die wirtschaftlichen Folgen der Pandemie aus persönlicher Erfahrung. Doch welche Sorgen und Hoffnungen haben die Baden-Württemberger genau? Und wie bewerten sie den wirtschaftlichen Wandel?

Oberndorf. Das untersuchte der "BaWü-Check", eine gemeinsamen Umfrage der baden-württembergischen Tageszeitungen, die vom Institut für Demoskopie Allensbach (IfD) umgesetzt wurde. 1000 Erwachsene wurden vom 11. bis 21. Dezember vergangenen Jahres befragt. Jetzt liegen die Ergebnisse vor.

  Jeder achte Befragte sorgt sich um seinen Arbeitsplatz Kurzarbeit und Einkommensverluste zählen für viele zu den zentralen Krisenerfahrungen. So war jeder zehnte Berufstätige schon einmal in Kurzarbeit, jeder siebte war es zum Zeitpunkt der Befragung. Mehr als jeder dritte hat oder befürchtet Einbußen beim Einkommen. Jeder achte sorgt sich um den eigenen Arbeitsplatz.

"Damit ist die Angst, den Arbeitsplatz zu verlieren, bei den Berufstätigen nicht höher als vor der Krise. Das finde ich bemerkenswert", sagt IfD-Chefin Renate Köcher, die eine ähnliche Befragung aus dem Vorjahr zum Vergleich herangezogen hat. "Viele hoffen, dass sich die negativen Auswirkungen in Grenzen halten." 3 Prozent der Befragten haben infolge der Krise aber ihren Job bereits verloren – überdurchschnittlich sind die Jüngeren und die 45- bis 59-Jährigen davon betroffen. Letztere gelten aufgrund ihrer Berufsjahre als teuer, bei den Jüngeren werden befristete Verträge oft nicht verlängert. Mehr als jeder dritte Berufstätige hat keine Einschränkungen bei Einkommen, Wirtschaftslage oder im Job. Bei 7 Prozent hat sich die wirtschaftliche Lage sogar verbessert.   Eine Mehrheit glaubt nicht an einen raschen Aufschwung 2021 Die Mehrheit der Bürger rechnet nicht mit einem Wirtschaftsaufschwung in diesem Jahr. 37 Prozent der Befragten gaben an, dass es in Baden-Württemberg 2021 eher bergab geht, 28 Prozent setzen darauf, dass es "eher bergauf" geht. Die übrigen erwarten keine wesentliche Veränderung. Dabei schätzen Männer mit rund 35 Prozent die wirtschaftliche Lage deutlich besser ein als Frauen (rund 22 Prozent). "Besonders pessimistisch sind diejenigen, die sich Sorgen machen, dass sie in nächster Zeit ihren Arbeitsplatz verlieren, oder befürchten, dass sich ihre wirtschaftliche Lage verschlechtern wird", heißt es. Im Bundesvergleich sind die Bürger im Südwesten deutlich optimistischer. Deutschlandweit glaubt fast die Hälfte der Bürger, dass in diesem Jahr die wirtschaftliche Talfahrt anhält.    Frauen bewerten die Risiken höher als Männer Wer für 2021 eher eine wirtschaftliche Talfahrt erwartet, rechnet auch mit einem Anstieg der Insolvenzen und der Arbeitslosigkeit. Mehr als jeder zweite Befragte glaubt demnach, dass viele Unternehmen und Selbstständige in Baden-Württemberg wegen der Folgen der Corona-Krise ihren Betrieb aufgeben müssen. 52 Prozent erwarten auch deshalb, dass die Arbeitslosigkeit im Südwesten in den kommenden Monaten etwas steigen wird, jeder Sechste meint, dass sie stark steigen wird. Auch hier befürchten Frauen spürbar schlechtere Auswirkungen als Männer. "Frauen bewerten Risiken oft höher als Männer", erklärt Köcher. Ein weiterer Grund ist laut Arbeitsmarktexperten, dass Frauen häufiger in Teilzeit oder in Minijobs arbeiten. Wer einen höheren Schulabschluss hat und bislang nicht von der Krise betroffen ist, ist wesentlich optimistischer.    Eine große Mehrheit befürchtet eine Verödung der Innenstädte 70 Prozent der Bürger befürchten, dass infolge von Insolvenzen viele Geschäfte, Restaurants und Cafés aus den Innenstädten verschwinden. Vier von zehn Befragten befürchten, dass die Innenstädte dauerhaft an Attraktivität verlieren, während jeder siebte glaubt, dass die Innenstädte rasch wiederbelebt werden. Lediglich 15 Prozent halten eine mögliche Verödung der Innenstädte für übertrieben. Bemerkenswert: Bei den über 45-Jährigen sind die Befürchtungen am größten. Handelsexperten teilen viele der Sorgen: Vor allem Modegeschäfte könnten in den Innenstädten aufgeben, der Handelsverband Baden-Württemberg erwartet für die kommenden Monate eine Insolvenzwelle.    Bürger kritisieren lahme Digitalisierung und Bedeutungsverlust des Automobilbaus Die Corona-Krise trifft den Südwesten mitten im Strukturwandel, vor allem was die Digitalisierung und die Veränderungen in der Automobilindustrie angeht. Fast 60 Prozent der Befragten glauben, dass die baden-württembergischen Unternehmen beim Thema Digitalisierung hinterherhinken, nur jeder fünfte glaubt, dass sie gut aufgestellt sind. "Die berufstätige Bevölkerung und die höheren Bildungsschichten bewerten den Stand der Digitalisierung noch kritischer als der Durchschnitt der Bevölkerung", heißt es.

Kritisch gesehen wird auch die Zukunft des Automobilbaus, einer der Schlüsselindustrien des Landes. Nur 30 Prozent gehen davon aus, dass die Branche auch in den kommenden Jahren zu einer erfolgreichen wirtschaftlichen Entwicklung in Baden-Württemberg beitragen wird. Jeder Zweite hingegen erwartet, dass die Bedeutung der Automobilindustrie sinkt.   Landesregierung erhält ein mittelmäßiges Wirtschaftszeugnis Die Studie fragt auch die Zustimmung zur Politik der Landesregierung ab, insbesondere was die Balance zwischen Wirtschaftswachstum und Klimaschutz betrifft. Nur jeder Fünfte hat hier den Eindruck, dass die Regierung die beiden Ziele gut miteinander vereinbart. Allerdings kommen die Vorwürfe, dass das Kabinett einseitig agiere, aus zwei Richtungen. Rund jeder Vierte kritisiert eine zu große Konzentration auf die Wirtschaftsförderung – allerdings sagt auch jeder Vierte, die Regierung konzentriere sich zu sehr auf den Klimaschutz.

Auch was das Engagement von Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) für die Wirtschaft angeht, ist die Bevölkerung gespalten. 39 Prozent sagen, er setze sich ausreichend für die Wirtschaft im Land ein, 38 Prozent dagegen meinen, er müsste mehr tun. Erwartungsgemäß hängt das Urteil stark von der Parteivorliebe ab.   Derzeit bewertet eine Mehrheit der Menschen im Südwesten die Wirtschaftslage als eher gut Die landesweite Umfrage bietet allerdings auch einen Lichtblick: Auch in der Corona-Krise bewertet die Mehrheit der Bürger die allgemeine wirtschaftliche Lage im Land als "eher gut" (51 Prozent), während rund jeder vierte (28 Prozent) sie als "eher schlecht" einschätzt. Jeweils rund 6 bis 7 Prozent der Befragten bewertet sie als "sehr gut" oder "sehr schlecht". "Die hart getroffen sind, sind eine Minderheit und verstehen zuweilen nicht, dass andere mit Gleichmut auf die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Krise schauen", erläutert IfD-Chefin Köcher.

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