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Oberndorf a. N. Träger stellen Konzepte für neue Kita auf dem Lindenhof vor

Von
Foto: Danner

Oberndorf - Die Stadt Oberndorf möchte in Sachen Kindergärten neue Wege gehen. In der Gemeinderatssitzung im Bochinger Kronesaal stellten zwei potenzielle gemeinnützige Träger für eine Kindertagesstätte auf dem Lindenhof ihre Konzepte vor.

60 Kindergartenplätze fehlen bereits jetzt im Stadtgebiet. Es gibt Wartelisten. Laut Prognose der Projektgruppe Bildung und Region "Biregio" werden bald gar 100 Plätze zu wenig sein.

Durch die Erweiterung oder den Ausbau der vorhandenen Einrichtungen könnten diese geschaffen werden, heißt es in der Gemeinderatsvorlage - etwa durch den bislang geplanten Umbau und die Erweiterung der Kindertagesstätte St. Martin auf dem Lindenhof mit einem Kostenaufwand von derzeit rund 1,5 Millionen Euro für etwa zehn zusätzliche Plätze.

Alternativ dazu biete sich die "deutlich kostengünstigere Möglichkeit" einer neuen, großen Kindertagesstätte. Diese, so heißt es weiter, könnte die vorhandenen, wohnortnahen Einrichtungen entlasten, wenn deren Angebote eine besondere Attraktivität beinhalte und deshalb entsprechend nachgefragt werde.

Bau und Betrieb einer solchen zentralen, eventuell auch interkommunalen (gemeinsam mit Fluorn-Winzeln), Kindertagesstätte mit bis zu 100 Plätzen und mehr sei für externe Anbieter wirtschaftlich interessant. Diese hätten dann das zunehmend hohe Risiko der Personalgewinnung zu tragen.

Als Standort hat man ein knapp 5000 Quadratmeter großes, städtisches Grundstück in der Von-Gunzert-Straße (unterhalb der Firma Mitutoyo, Foto) anvisiert. Es ist quasi zwischen dem "neuen" und dem "alten" Lindenhof gelegen.

"WABE" und "Kita Profil" sind interessiert

Zwei gemeinnützige Träger interessieren sich für das Projekt. Vertreter des Vereins "WABE" (Kinder- und Jugendhilfeträger Wohnen, Arbeiten, Betreuen, Entwickeln) mit Sitz in Hamburg sowie die gemeinnützigen GmbH "Kita Profil" - eine Tochtergesellschaft der Stiftung "Lernen, Fördern, Arbeiten" in Rottweil - erläuterten Stadträten und Verwaltung ihre Konzepte und boten auch Besuche in ihren bestehenden Einrichtungen an.

Das pädagogische Konzepte der Interessenten unterscheidet sich nicht gravierend. Tamer Öteles, Vorstand der Stiftung Lernen, Fördern, Arbeiten", setzt stark auf die Montessori-Pädagogik sowie auf "interkulturell–interreligiös sensible Bildung". Es gebe kein offenes Konzept, aber ein Teilöffnung, etwa mit Lerninseln. Öteles, dessen Stiftung bisher zwei Kitas betreibt, stellte klar, dass er eine Größe von mehr als 100 Plätzen nicht für sinnvoll halte. Er könne sich auch eine kleinere Einrichtung vorstellen. Eine Kindertagesstätte sei kein Selbstzweck, sondern ein Mittel zum Zweck auf dem Weg in ein gelingendes Leben. "Wir können Kita, wir müssen aber nicht."

Auf keinen Fall wolle man mit den in Oberndorf bestehenden Kindergärten in einen Wettbewerb "mit hauen und stechen" eintreten. Man verstehe sich als regionaler Dienstleister, der auch nicht unbedingt selber bauen müsse, so Öteles. Man traue sich das Gesamtprojekt aber zu, da man mit einem Büro für Bauleitung und Projektsteuerung in Villingen einen verlässlichen Partner habe.

Mit dem eigenen "Institut für Qualitätsentwicklung in der Bildung" (IQB) könne man Fortbildungen für pädagogische Fachkräfte anbieten.

Mit der Stiftung "Lernen, Fördern, Arbeiten" arbeitet die Stadt Oberndorf im Bereich der Schulbetreuung und der Schulsozialarbeit schon seit vielen Jahren zusammen.

Wie Joachim Naumann und Flavia-Annabell Auer von der "WABE" erläuterten, rechne sich Bau und Betrieb einer Kita für sie überhaupt erst ab 100 Kindern. Der Verein betreibt bisher 24 Kitas - hauptsächlich in Norddeutschland –- möchte aber im gesamten Bundesgebiet aktiv werden. Somit ergebe sich eine größere Flexibilisierung der Mitarbeiter, ist Neumann überzeugt. Mit der "WABE International Academy" verfüge man über eine eigene Bildungseinrichtung zur Mitarbeitergenerierung. Es gebe auch Quereinsteiger-Projekte.

Der Verein verfolgt das Konzept der "Offenen Pädagogik der Achtsamkeit". Auf dieser Basis setzten die Einrichtungen in unterschiedlichen Sozialräumen ihre individuellen Vorstellungen um. Selbstwahrnehmung, Selbstbestimmung, Selbstbewusstsein und Selbstverantwortung seien die wesentliche Kompetenzen, die Kinder zur Vorbereitung auf ein Leben in der Gesellschaft benötigten und die sie in den "WABE"-Kitas entwickeln, lernen und erproben könnten.

Stadträte treibt Frage nach Personal um

Die "WABE" legt Wert darauf, ein überparteilicher und überkonfessioneller Verein zu sein. Der Streit um die Kopfbedeckung einer Hamburger Erzieherin, die in einer Kita des Vereins arbeitet, beschäftigt derzeit den Europäischen Gerichtshof in Luxemburg. CDU-Stadtrat Thorsten Ade wollte deshalb wissen, ob dieses Neutralitätsgebot auch für das christliche Symbol des Kreuzes gelte. Etwa, wenn Erzieher es an einer Kette tragen. Dies bejahte Joachim Naumann.

Für seine Bemerkung, es sei "nicht unbedingt in unserem Interesse, wenn Personal aus bestehenden städtischen und kirchlichen Kindergärten abgezogen wird", gab es aus den Reihen der Zuhörer spontan Applaus für SPD-Stadtrat Günter Danner. Es waren viele Erzieherinnen aus der Gesamtstadt zur Sitzung gekommen. Neumann gab zu bedenken, dass für 100 neue Plätze ohnehin neues Personal benötigt werde und verwies auf die vereinseigene Academy.

Auch SPD-Ratskollege Hans Häckel trieb die Frage nach dem Personal um. "Wir sind ein attraktiver Arbeitgeber", so Neumann. Man würde nicht investieren, wenn man sich nicht sicher wäre, Personal zu finden.

Freie-Wähler-Fraktionssprecher Dieter Rinker erkundigte sich nach der Finanzierung, da die Elternbeiträge sich an den ortsüblichen orientieren sollen. "Bauen findet bei uns mit den vorher aufgerufenen Preisen auf den Punkt statt", erwiderte Joachim Naumann. Mitarbeiter würden entsprechend des jeweiligen Länder-Tarifvertrags entlohnt. Allerdings lehne man sich daran nur an, um im Zweifelsfall auch mehr bezahlen zu können.

CDU-Stadtrat Peter Gaberle stellte Tamer Öteles die Frage, ob dieser sich zwei Kindergärten mit jeweils 60 Plätzen vorstellen könne - auf jeder Neckartalseite einen. Man sei da grundsätzlich flexibel, so Öteles

Beide Interessenten nannten eine Bauzeit von circa acht Monaten, nach Erteilung der Baugenehmigung. In einer nächsten Sitzung will sich der Gemeinderat ausführlich mit den Kosten beschäftigen.

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