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Oberndorf a. N. "Schon ein bissle größenwahnsinnig"

Von

Die Bürger für Bürger wollen ihren Teil zu einer neue Pfeifenorgel in der evangelischen Stadtkirche beitragen.

Oberndorf. Er setzt alles daran, dass der Traum einer Pfeifenorgel in der Tradition der ursprünglichen Walcker-Orgel mit ihrem romantischen, vollen und warmen Wohlklang in der evangelischen Stadtkirche Realität wird und damit die historische Konzeption des Architekten der Stadtkirche, Martin Elsässer, wiederhergestellt wird. Und mit seiner Begeisterung, seinem Engagement und seinem Optimismus steckte der Kirchenmusiker Michael Link, Organist und Kirchenchorleiter der evangelischen Kirchengemeinde sowie unermüdlicher Werber für die Pfeifenorgel, die Bürger für Bürger an, die mit Robert Häring an der Spitze Link einen Teil des Erlöses aus dem Werkzeugflohmarkt, 800 Euro, als zweckbestimmte Spende für die Anschaffung einer Pfeifenorgel für die 1915/1916 erbaute Stadtkirche überreichten.

Darüber hinaus erstaunte Link die "Grünkappen" mit seinem virtuosen Spiel auf der neuen Digitalorgel – er interpretierte einen mächtig dahin brausenden Bach-Choral und betonte dabei, dass der Klang einer Pfeifenorgel lebendiger, authentischer sei und auch vom Volumen her die hervorragende Akustik des Kirchenraums noch besser zum Tragen bringe, als der zwar perfekte, aber doch etwas leblosere Klang aus dem Lautsprecher. Die digitale Orgel wurde bis zur Beschaffung einer Pfeifenorgel als Übergangslösung angeschafft, nachdem die bisherige elektronische Orgel nicht mehr spielbar war.

Häring, der selbst schon den Bau der Pfeifenorgel in der katholischen St. Michaels-Kirche aktiv mit begleitet hat, ließ keinen Zweifel daran, dass sich die "Orgelfreunde Stadtkirche Oberndorf" eine Mammutaufgabe vorgenommen haben. Auch der dritte Werkzeugflohmarkt sei wieder ein Erfolg gewesen. Diesmal hätten sich die Bürger für Bürger dafür entschieden, den Erlös zum Teil den Orgelfreunden zukommen zu lassen und den restlichen Betrag für die Beschilderung der Wanderwege zu verwenden.

Häring überreichte zusammen mit dem Werkzeugexperten und Flohmarkt-Mitorganisator Wolfgang Burger sowie Kassierer Hans-Otto Armbruster Link die Spende sowie eine kleinere original Orgelpfeife der Michaelskirche.

Michael Link probierte diese sogleich aus und stellte fest: "Das klingt schon anders als aus dem Computer." Mit dem Orgelchoral "Komm Heiliger Geist", einem der insgesamt 18 Leipziger Choräle von Johann Sebastian Bach, leitete Link stimmungsvoll auf seine Ausführungen zur Geschichte der Walcker-Orgel in der evangelischen Stadtkirche über. Martin Elsässer habe für die Stadtkirche den Einbau einer Walcker-Orgel eingeplant.

Johann Eberhard Walcker hatte ab 1781 in Bad Cannstatt den Grundstein für eine über zwei Jahrhundert führende Tradition der berühmten Orgelbausippe Walcker gelegt. Sein Sohn Eberhard Friedrich Walcker, der den Sitz der Firma 1820 nach Ludwigsburg verlegte, begründete den Weltruf des Orgelbach-Unternehmens. Bis 1999 wurden Walcker-Orgeln für Kirchen in der ganzen Welt gebaut, so in Petersburg, Kairo, Buenos Aires, London, Madrid, in Berlin, Hamburg, München und natürlich Stuttgart (Stiftskirche). Siegfried Karg-Elert gab 1920 auf der Walcker-Orgel in der Stadtkirche ein Konzert. Er soll auch zusammen mit dem Organisten der Stiftskirche Stuttgart, Arnold Strebel, dem Architekten Elsässer und Walcker die Oberndorfer Orgel entworfen haben.

Wie Link schilderte, hat 1953 die beim Löschen eines Brands entstandene extrem hohe Luftfeuchtigkeit der pneumatischen Orgel stark zugesetzt. In den 1970er-Jahren sei die Orgel dann nicht mehr zu spielen gewesen und durch eine elektronische Orgel ersetzt worden. "Zur Finanzierung wurden Orgelpfeifen und leider auch der Spieltisch verkauft." Die immer noch sichtbaren Orgelpfeifen seien reine Zierpfeifen. 16,5 Prozent der Walcker-Orgelpfeifen, vor allem die großen hölzernen Bass-Pfeifen, seien noch vorhanden.

"Ich gehe davon aus, dass sich noch recht viele solcher alten Pfeifen in Oberndorfer Haushalten befinden. Ich habe schon daran gedacht, einen diesbezüglichen Aufruf zu machen", bekräftigte Link. Orgelbaufachleute hätten bestätigt, dass gerade die großen Pfeifen für einen Orgelneubau verwendet werden könnten. "Unter Verwendung dieser Pfeifen werden die Kosten auf rund 500 000 Euro geschätzt."

Link weist auf die Veranstaltungen und Aktionen des Orgelkreises hin. Seine Mitstreiter und er seien sich bewusst, dass es noch ein langer und steiniger Weg sei, bis das Projekt Pfeifenorgel in Angriff genommen werden könne. "Wir sind da schon ein bissle größenwahnsinnig. Wenn wir die Hälfte des benötigten Geldes zusammenhaben, ist es denkbar, beim Oberkirchenrat einen Kredit zu beantragen und den Bau der Orgel in Auftrag zu geben", meinte Link. Eine gewisse Hoffnung setzt er auch auf eine Förderung aus der Bundesstiftung Denkmalschutz. "Man sollte es mal probieren."

 
 

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Marcella Danner

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