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Oberndorf a. N. Reichenau-Gemüse sprießt in Ghana

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Gemüseanbau ist für die Menschen in Ghana wichtig. Foto: Schwarzwälder Bote

"Entwicklungsarbeit trägt nur dann Früchte, wenn die Betroffenen selbst entscheiden", sagt Michael Pfeffer. Der 56-Jährige engagiert sich seit Langem für soziale Projekte in Ghana. Er weiß: "Ohne die katholische Jugendarbeit in Oberndorf hätte nichts von dem, was wir umgesetzt haben, geklappt."

Oberndorf/Epfendorf. Wenn Michael Pfeffer daran denkt, was ihn nach Ghana gebracht hat, dann fallen ihm zunächst die Zeltlager der katholischen jungen Gemeinde Oberndorf ein. Dort sei er sozial geprägt worden. Er erinnere sich noch heute gern an diese Zeit zurück. Später war er selbst in der Jugendarbeit in Oberndorf engagiert. "Die Früchte dieser Prägung sind das, was wir in Ghana geschafft haben", sagt der 56-Jährige, der mittlerweile in Allensbach lebt, in Oberndorf jedoch immer noch bekannt ist.

Die ganz konkrete Verbindung nach Ghana kam 1986 über den Epfendorfer Pater Guido Krämer vom Krämerhof im Gebiet "Höhingen". "Sein Urgroßvater war auch der Urgroßvater meines Vaters", erklärt Pfeffer. Immer wieder habe der Pater von Missionseinsätzen in Ghana berichtet.

Pfeffer habe nach einer Ausbildung zum Schlosser im Rahmen seines Bauingenieurstudiums nach einem Praktikumsplatz im Ausland gesucht. "Ich wusste nur, dass ich nach Amerika oder Afrika will", erinnert sich der 56-Jährige.

Dann habe Pater Krämer ihm davon berichtet, dass in Ghana jemand für ein Kirch- und Teichbauprojekt gebraucht werde. "Der ganze Schriftwechsel fand über Briefe statt. Das hat einige Zeit gedauert", erinnert sich Michael Pfeffer.

Pater Bernhard Hagen machte Eindruck

Er wurde an Pater Bernhard Hagen vermittelt, einen engagierten Mann aus dem Emsland, der 1970 das erste Mal nach Ghana reiste und dort 25 Jahre lang Entwicklungsarbeit leistete. "Pater Hagen war regelmäßig in Epfendorf zu Gast und erzählte von seiner Arbeit", erinnert sich Michael Pfeffer.

2016 ist Pater Hagen verstorben, doch er hat ein starkes Netzwerk hinterlassen. Ein Aktionskreis leistet auch heute noch in seinem Namen Unterstützung zum Aufbau von sozialen und humanitären Strukturen. "Er war ein charismatischer Typ und hat starken Eindruck hinterlassen" – auch auf Michael Pfeffer. Hagen habe mehrere Teiche in Ghana angelegt und Schulen gebaut, war Schuldirektor und Schuladministrator in Nordwest-Ghana.

Michael Pfeffer erinnert sich noch genau daran, wie er selbst 1986 das erste Mal nach Ghana reiste. "Das war damals Buschland. Weiße Menschen gab es dort nicht. Schulunterricht fand nur sporadisch statt – und das draußen unter dem Baum. Das klingt romantisch, war es aber nicht", sagt der engagierte 56-Jährige. Zudem hatte das Land, wie heute auch noch, mit Malaria zu kämpfen.

Pater Hagen sei die Erschließung der Dörfer angegangen, habe sich um die Wasserversorgung gekümmert. In diesem Zusammenhang traf er auf die Ghanaer Oxford und Lucilla Dayuori. "Das sind zwei bedeutende Personen im Nordwesten Ghanas", sagt Michael Pfeffer. Sie seien von Pater Hagen eingesetzt worden. Für Pfeffer sind sie heute noch wichtige Kontaktpersonen in Ghana. Oxford Dayuori ist der Häuptling eines ghanaischen Stammes, Lucilla die Frauenbeauftragte. "Diese Menschen sind vom Christentum überzeugt und leben diese Werte. Sie helfen sich gegenseitig und arbeiten zusammen für eine bessere Zukunft", erklärt Michael Pfeffer.

2000 suchte der frühere Oberndorfer wieder den Kontakt nach Afrika und gründete den Partnerschaftsverein Allensbach-Ghana, der sich mit seinen Zielsetzungen an das Wirken von Pater Bernhard Hagen anlehnt und sich vor allem in der Region Tuna/Kalba engagiert.

2008 war Pfeffer erneut in Afrika, um die in die Jahre gekommenen Überläufe vom Teichbauprojekt, an dem er früher mitgewirkt hatte, zu reinstallieren. Für das Teichbauprojekt wurden in Allensbach 60 000 Euro gesammelt. Zudem war das ghanaische Ehepaar für vier Wochen in Allensbach zu Gast.

Aquaponik als Bildungsprojekt

"Wir haben ihnen verschiedene Konzepte gezeigt. Besonders interessiert haben sie sich für die Aquaponik, also die Kombination von Fischzucht und Gartenbau", erzählt Pfeffer. "Das war das Projekt, das sie am besten fanden. Es ist wichtig, dass die Art der Entwicklungshilfe nicht von uns vorgegeben wird, sondern die Ghanaer sich selbst damit auseinandersetzen", findet er. Nur so könne Entwicklungsarbeit Früchte tragen. Bildung sei der Schlüssel.

Mit dem gesammelten Geld und Förderungen habe man in Ghana Gärten für die Frauen angelegt. 100 Quadratmeter seien nötig, um eine Familie zu versorgen. Zudem habe man 1000 Fische in die Teiche eingebracht. "Fisch ist sonst unerschwinglich für die Menschen in Ghana", weiß der frühere Oberndorfer. Nun könne der Fisch selbst verwertet oder verkauft werden. Parallel lasse sich jemand zum Thema Fischzucht ausbilden, um die Arbeit fortzuführen. "Dieses Aquaponik-Projekt ist eigentlich ein Bildungsprojekt", sagt Pfeffer.

Mittlerweile wachsen in Ghana Tomaten und Radieschen von der Reichenau. "Die Dayuoris haben haufenweise Saatgut mit nach Hause genommen und sogar Kleidung dafür hier gelassen", erzählt Michael Pfeffer.

Der Verein habe schon viel erreicht. Die richtigen Leute seien an Bord. Auch der Sohn von Diakon Thomas Brehm war schon als Helfer in Ghana.

Sobald die Corona-Krise es zulässt, will Pfeffer wieder nach Afrika reisen. Mittlerweile ist er Vorsitzender des örtlichen Hochschulrats der DHBW Stuttgart und in einem Handwerksbetrieb für die berufliche Bildung zuständig. Die Verbundenheit zur katholischen Jugendarbeit in Oberndorf und zu Ghana ist jedoch geblieben. "Ohne die wäre das alles nie Wirklichkeit geworden", weiß Michael Pfeffer.

Weitere Informationen: www.ghanaverein-allensbach.de

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