Stadtarchivar Andreas Kussmann-Hochhalter spielt Graf Froben von Zimmern. Foto: Hölsch Foto: Schwarzwälder-Bote

Die Moral in Oberndorf zur Zeit Luthers / Veranstaltung zum Reformationstag in der Stadtkirche

Oberndorf (mf). Der Reformationstag ist einer jener Tage im kirchlichen Jahreskalender, der eher ein Schattendasein fristet.

Um ihn stärker ins Bewusstsein der Gläubigen zu rufen, hat die evangelische Kirchengemeinde in den vergangenen Jahren eine "ChurchNight" veranstaltet, bei der insbesondere junge Menschen engagiert waren.

Heuer bietet sie ganz etwas anderes: einen Blick zurück ins Oberndorf des 16. Jahrhunderts, "Moral, Leben und Sterben zur Zeit Luthers". Am Reformationstag (31. Oktober) sollen den Menschen die Verhältnisse in jener Zeit speziell in Oberndorf näher gebracht werden. So geht es um ein Stück Zeitgeschichte. Dabei werden die Zustände im Kloster (heute Rathaus), der moralische Verfall von Teilen der hiesigen Geistlichkeit, die Oberndorfer Hexenverbrennung von 1533 und der Einfluss der Reformation auf die zimmersche Familie dargestellt.

Karl Kimmich tritt als Graf Wilhelm Werner von Zimmern auf, der auf Burg Herrenzimmern lebte und zeitweise als Stadtherr von Oberndorf agierte. Im Monolog schildert er die Stadt als "verbrannten Schafstall" und prangert die moralischen Zustände an und unterhält sich darüber mit seinem Neffen Graf Froben von Zimmern (Andreas Kussmann-Hochhalter), dem Verfasser der Zimmerschen Chronik. Dieser ließ seine Mutter in Oberndorf bestatten, weil er ihr nicht zumuten wollte, in der Familiengruft neben ihrem affairenreichen Ehemann Johann zu ruhen. Das szenische Spiel wird immer wieder von Musik- und Tanzeinlagen begleitet. Das Villinger Ensemble um Gunther Schwarz und Wolfgang Blässing sorgt auf historischen Instrumenten für wohlklingende Töne. Einen Augenschmaus bietet die von Steffen Woop trainierte Horber Tanzgruppe Domenico. Abgerundet wird der Abend in der Stadtkirche mit einem gemeinschaftlichen Vesper. Dazu werden Schmalzbrot und ein spezielles Lutherbier gereicht. Beginn ist um 19.30 Uhr. Der Eintritt ist frei, wer mag, darf eine Spende einwerfen.